Der österreichische Maler wird erstmals in Düsseldorf gezeigt - obwohl er schon seit knapp 20 Jahren an der Kunstakademie lehrt.

Der österreichische Maler wird erstmals in Düsseldorf gezeigt - obwohl er schon seit knapp 20 Jahren an der Kunstakademie lehrt.
Jungkünstler Amadeus Certa (von li.) mit seinem Professor Siegfried Anzinger, Junggalarist Roozbeh Golestani und Moderatorin Andrea Ballschuh bei der Vernissage der Galerie Contemporary Pop Art in Derendorf.

Jungkünstler Amadeus Certa (von li.) mit seinem Professor Siegfried Anzinger, Junggalarist Roozbeh Golestani und Moderatorin Andrea Ballschuh bei der Vernissage der Galerie Contemporary Pop Art in Derendorf.

Michaelis

Jungkünstler Amadeus Certa (von li.) mit seinem Professor Siegfried Anzinger, Junggalarist Roozbeh Golestani und Moderatorin Andrea Ballschuh bei der Vernissage der Galerie Contemporary Pop Art in Derendorf.

Düsseldorf. Seit anderthalb Jahren führt Roozbeh Golestani mit viel Idealismus die Derendorfer Galerie Contemporary Pop Art. Der 40-Jährige macht es den alteingesessenen Kunsthandlungen vor, wie man nicht den teuren Standort Flingern braucht, um eine Berühmtheit wie den Akademieprofessor Siegfried Anzinger zu zeigen.

Die Galerie wirft allerdings noch nicht viel ab, so dass Golestani die Hälfte des Tages bei einer Fernsehanstalt jobben muss, um die Miete zu bezahlen und den Lebensunterhalt zu bestreiten. Dennoch leistet er sich eine Ausstellung mit Zeichnungen, bei denen man nie so viel Geld gewinnen kann wie bei Gemälden. Gerade diesen Mut bewundern Künstler wie Hans-Peter Feldmann, der zur Vernissage kam. Ein Importeur der Grafenfamilie Spee spendierte sogar Champagner. Und die ZDF-Moderatorin Andrea Ballschuh sprach ohne Gage zur Eröffnung.

Neuerdings benutzt der Österreicher den Buntstift

Knapp 20 Jahre unterrichtet der Biennale- und Documenta-Teilnehmer Siegfried Anzinger nun schon in Düsseldorf. Seine Klasse ist mit jeweils 50 bis 60 Studenten die größte am Eiskellerberg. In Österreich ist der Künstler ein Star, in der Landeshauptstadt wurde er noch nie gezeigt. Auch diesmal bei Golestani war es sein Meisterschüler Amadeus Certa, der ihn einlud und der nun mit ihm die Ausstellung mit Zeichnungen bestreitet.

Anzinger benutzt neuerdings den Buntstift, weil sein Sohn diese Utensilien herumliegen hat. Sein Strich sitzt. „Ich möchte die Linie so zeichnen, dass der Mensch denkt, jeder kann so einen Strich machen“, sagt er. Für ihn ist das Blattformat das Spielfeld für seine beredte Szene. Er ist der Regisseur, der den Bürokraten in einen Indianer verwandelt und die unmöglichsten Geschichten ins Blatt rückt.

Da sitzt ein Menschlein auf dem Globus, und über ihm hängt der Punchingball. Oder ist es ein abgezogenes Tier oder der Rest eines Menschen mit langen Beinen? Eine Büste zeigt eine Figur mit Ringelhemd. Die Gehirnschale hebt sich allerdings empor, als lasse sie die verrücktesten Gedanken frei.

Termin Bis 17. Dezember, Collenbachstraße 39. Geöffnet Dienstag - Freitag 12 bis 18 Uhr, Samstag 10-15 Uhr.

Anzinger Jahrgang 1953, Oberösterreich; lebt seit 1982 in Köln, 1982 documenta, 1988 Biennale Venedig. Seit 1997 ist er Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. 2003 erhielt er den Großen Österreichischen Staatspreis.

Certa Jahrgang 1992, Mannheim, 2011 bis 2016 Kunstakademie Düsseldorf, Meisterschüler

Nach einer fünfjährigen Abstinenz bringt Anzinger seine beliebten Löwen wieder ins absurde Spiel. Das Tier hat gerade ein gestreiftes Zebra unter sich und schaut mit dem Lockenkopf eines harmlosen Engels aus dem Blatt.

Ein kleiner Reiter in der grün-braunen Landschaft erblickt einen übergroßen Gehängten, einen Gekreuzigten der Jetztzeit, wobei der Betrachter nicht weiß, ob das Schauspiel ernst, gar tragisch, oder vielleicht nur lächerlich ist. Auch biblische Zitate kommen aufs Blatt und werden bizarr verwandelt.

So fliegt ein übergroßer, recht bäuerlich gekleideter Engel dem Christus am Kreuz entgegen und will ihm das Lendentuch entwenden. Schließlich hängt der Löwe über einem Baumstamm wie auf einem riesigen Phallus. Göttliche Komödien inszeniert der gebürtige Österreicher, dem die süffisante Mischung aus Ironie und Humor aus jedem Strich hervorlugt.

Meisterschüler Amadeus Certa hatte als Flurstudent an der Kunstakademie angefangen, bis ihn Anzinger in seine Klasse holte. Er ist 40 Jahre jünger als sein Lehrer und besitzt ein ähnliches Feingespür für grafische Momente. Sein Strich ist zarter, unruhiger, nicht so entschieden, aber von latenter Poesie, wenn er das Einhorn mit den Zacken eines Schwertfisches versieht und meditierend durch das Blatt wandern lässt. Eine gewisse Melancholie wohnt seinen Tieren inne. Er lässt viele Stellen im Blatt frei, als müssten sich seine leicht verwackelten und verträumten Fabelwesen zunächst einmal entwickeln.

© WhatsBroadcast

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