Susanne Gaensheimer leitet bisher das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main. In den nächsten Tagen wird sie vorgestellt.

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Susanne Gaensheimer aus Frankfurt wird Nachfolgerin von Marion Ackermann an der Kunstsammlung NRW.

Susanne Gaensheimer aus Frankfurt wird Nachfolgerin von Marion Ackermann an der Kunstsammlung NRW.

Frank Rumpenhorst/dpa

Susanne Gaensheimer aus Frankfurt wird Nachfolgerin von Marion Ackermann an der Kunstsammlung NRW.

Düsseldorf. Susanne Gaensheimer, Direktorin des Museums für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt am Main, wird Nachfolgerin von Marion Ackermann als künstlerische Leiterin der Kunstsammlung NRW. Die offizielle Bestätigung durch das Kulturministerium fehlt zwar immer noch, aber von den Kuratoren im Haus gibt es erste freudige Reaktionen. Der Name der Frankfurter Museumschefin fiel sofort nach dem Abgang von Ackermann. Wieso es dann noch ein halbes Jahr dauerte, bis die Staatskanzlei unter Staatssekretär Bernd Neuendorf den Vertrag unterschriftsreif formulierte, bleibt ein Rätsel. In den nächsten Tagen findet eine Pressekonferenz statt.

Mit Gaensheimer wird ein Generationswechsel an K 20 und K 21 erwartet, obwohl Gaensheimer nur zwei Jahre jünger ist Marion Ackermann. Aber die gebürtige Münchenerin ist sattelfest in der Gegenwartskunst. Experten gehen davon aus, dass sie mit den Augen der Avantgarde selbst die klassische Moderne betrachten wird. Sie gehört denn auch zur Ankaufskommission des Bundes und zur Jury für den Turner Prize.

Fachfrau für die aktuelle Kunst auch auf dem Gebiet der Fotografie

Seit ihrer Promotion über Bruce Nauman beschäftigt sie sich mit den Trends der Gegenwart nicht nur in Europa, sondern weltweit. Auf ihrer Agenda standen Künstler mit lateinamerikanischer, afrikanischer, indischer, ägyptischer und mexikanischer Herkunft. Was den Fotokünstler Andreas Gursky als Jurymitglied interessiert haben dürfte, ist ihre Arbeit mit der fantastischen Fotosammlung des Hauses, die seinerzeit von ihrem Vorvorgänger Jean-Christophe Ammann angelegt wurde.

Zwei Mal kuratierte sie den deutschen Pavillon in Venedig und gab sich dabei recht trendy. 2011 setzte sie auf Christoph Schlingensief, mit dessen Witwe Aino Laberenz sie den Deutschen Pavillon in eine recht pathetische Kathedrale des Todes und der Angst verwandelte und dafür den Goldenen Löwen erhielt. Bei ihrem zweiten Auftritt in Venedig tauschte sie auf Wunsch des Auswärtigen Amtes den deutschen mit dem französischen Pavillon, setzte allerdings im Hauptraum auf den populären Allrounder und Regimekritiker Ai Weiwei aus China.

Gesucht ist ein eigenes Profil für die Kunstsammlung

Ehemalige Kollegen beschreiben die Kunsthistorikerin als intelligent, weltgewandt und sehr informiert. Im Nebeneinander mit dem Museum Ludwig in Köln und dem Museum Abteiberg in Mönchengladbach erwartet man von ihr ein eigenes Profil für Düsseldorf, vor allem für K 21, das trotz der Kunst von Tomas Saraceno unter der Kuppel etwas stiefmütterlich behandelt wurde (Ausnahme: Broodthaers). Vieles ist in diesem Haus mit dem herrlichen Tageslicht verrammelt und verriegelt. Frische Luft tut not. Die Schätze etwa eines Reinhard Mucha im Hauptsaal müssten endlich aufgearbeitet werden.

Susanne Gaensheimer wurde 1967 in München geboren. Sie absolvierte das berühmte Studienprogramm des Whitney Museum of American Art, promovierte 1998 über Bruce Nauman, volontierte im Lenbachhaus und kehrte nach einem Abstecher als Kunstvereinsleiterin in Münster dorthin zurück, als Sammlungsleiterin der Gegenwartskunst. 2009 übernahm sie den Chefsessel im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt.

Gaensheimer wird ihr junges Programm notgedrungen öffnen müssen, denn im Gegensatz zu Frankfurt gibt es in Düsseldorf kein Städel und keine Schirn, die mit ihren Ausstellungen regelmäßig zur Höchstform auflaufen. Immerhin war sie lange genug am Lenbachhaus, um die Qualitäten der Moderne zu schätzen.

Die rheinische Museumslandschaft ist mit Häusern in Essen, Köln oder Bonn bestens besetzt. Gerade die Bundeskunsthalle in Bonn trumpft mit den Stars der Szene wie Gregor Schneider oder Katharina Sieverding auf. Hier muss auch die Kunstsammlung mehr Farbe bekennen.

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