Der ehemalige Trommler von Kraftwerk und Helge Schneider starb bereits Silvester. Um den Musiker ranken sich viele Legenden.

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Zum 65. Geburtstag schenkte Helge Schneider seinem Freund Charly Weiss (links) ein neues Schlagzeug.

Zum 65. Geburtstag schenkte Helge Schneider seinem Freund Charly Weiss (links) ein neues Schlagzeug.

Bernd Schaller

Zum 65. Geburtstag schenkte Helge Schneider seinem Freund Charly Weiss (links) ein neues Schlagzeug.

Düsseldorf. Die Legende sagt, dass Charly Weiss es war, der während einer Autofahrt die Idee hatte, eine damals unbekannte Band namens Organisation in Kraftwerk umzutaufen. Ob das stimmt, weiß heute niemand mehr so genau. Fest steht, dass er im Kino-Film "Doc Snyder" neben Helge Schneider den "lieben Gott" spielen durfte.

In der Düsseldorfer Musikszene konnte man Charly Weiss, der eigentlich Hans-Günther hieß, oft bei Sessions im Kulturschlachthof an der Rather Straße ganz in seinem Element erleben. Jetzt wurde bekannt, dass der legendäre Schlagzeuger bereits Silvester im Pflegeheim des St. Vinzenz-Krankenhauses nach langer Krankheit im Alter von 70 Jahren gestorben ist.

Ein Jahr lang trommelte Charly Weiss bei Kraftwerk

Geboren wurde Charly Weiss in Berlin, wo er zusammen mit Bands wie Amon Düül II oder Tangerine Dream auftrat. Bereits 1969 begann er, zusammen mit Kraftwerk zu spielen, stieg aber schon ein Jahr später wieder aus. Trotzdem blieb Weiss in Düsseldorf. Legendär sind seine Sessions im ehemaligen Club Downtown zusammen mit Helge Schneider und der Band Wolkenbruch. In den Jazzclub kamen damals viele bekannte internationale Musiker, die spontan auf der Bühne mitmischten.

"Damals wollte eigentlich keiner mit ihm spielen, weil er ein bisschen verrückt war. Das fand ich sehr traurig", erinnert sich Helge Schneider, der den Schlagzeuger 1969 bei einem Konzert in einem Essener Jugendzentrum kennen gelernt hatte. Als "El Snyder und Charly McWhite" waren die beiden jahrelang quer durch die Republik unterwegs. Noch im Januar vergangenen Jahres traten sie zusammen im Berliner Club Quasimodo auf.

Daneben war Weiss auch in mehreren Filmen als Schauspieler mit von der Partie. Bereits 1988 engagierte ihn Christoph Schlingensief für "Mutters Maske". In skurrilen Rollen war er in den Filmen von Helge Schneider zu sehen. Zuletzt durfte Charly Weiss 2004 in "Jazzclub" sich selbst als weisen Jazz-Musiker spielen.

Neben dem Schlagzeuger auf der Bühne gab es aber noch den anderen Charly Weiss, der früher sein Schlagzeug auf dem Fahrrad transportierte. Der lebte zurückgezogen abseits der Bühne und erzählte wenig von seinem Privatleben. In den vergangenen Jahren trat er oft in kleinem Rahmen auf, spielte im Kulturschlachthof legendäre Sessions mit dem Ausnahme-Bassisten Ufo Walter. Weiss ist auch Ehrenmitglied des Kulturvereins. Schneider: "Sessions hat er immer am liebsten gespielt. Bis zuletzt war auch immer ein Schlagzeug-Solo dabei."

Nachdem der Musiker schwer erkrankte, sah man ihn nur noch selten in der Öffentlichkeit. Zuletzt lebte Weiss im Pflegeheim des St. Vinzenz-Krankenhauses. "Er war ein ganz besonderer Mensch und hatte seinen ganz eigenen Stil", beschreibt Helge Schneider seinen besten Freund.

Die Beerdigung findet am Freitag um 14 Uhr auf dem Nordfriedhof statt. Dazu werden viele alte Weggefährten der Musiker-Legende erwartet.

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