Das neue Musical geht auf Nummer sicher und überzeugt souverän mit den großen Erfolgen „Der Kommissar“, „Vienna Calling“ und „Egoist“.

Das neue Musical geht auf Nummer sicher und überzeugt souverän mit den großen Erfolgen „Der Kommissar“, „Vienna Calling“ und „Egoist“.
Alexander Kerbst (2.. v.li.) gibt als Falco eine virtuose Vorstellung. Das Musical gastierte nach der Uraufführung im Januar am vergangenen Wochenende in Düsseldorf.

Alexander Kerbst (2.. v.li.) gibt als Falco eine virtuose Vorstellung. Das Musical gastierte nach der Uraufführung im Januar am vergangenen Wochenende in Düsseldorf.

Der österreichische Popstar Falco während eines Auftritts 1997.

dpa, Bild 1 von 2

Alexander Kerbst (2.. v.li.) gibt als Falco eine virtuose Vorstellung. Das Musical gastierte nach der Uraufführung im Januar am vergangenen Wochenende in Düsseldorf.

Düsseldorf. Eigentlich ist nach dem ersten Song schon alles gesagt: Mit einem kurz nach seinem Tod 1998 veröffentlichten „Tribute to Falco“, einer gerappten Retrospektive auf das bewegte Leben des Österreichers, startet das Musical über „Falco Superstar“. Zwei aufreizend gekleidete Damen, brünett und blond, klappern die wichtigsten Stationen aus dem Leben des Falken via Sprechgesang in dreieinhalb Minuten ab.

Trennung der Eltern, Kometenaufstieg in den frühen 80ern, Nummer Eins in Amerika, Karriere-Knick, tödlicher Autounfall in der Dominikanischen Republik. „Was ist schon ein gutes Leben gegen einen gelungenen Abgang?“, bilanziert die dunkelhaarige Versuchung Ana Conda. Doch ist das schon die ganze Wahrheit über Leben und Tod von Johann Hölzel, wie der Popstar eigentlich heißt? „Nein“, meint sein langjähriger Manager Horst Bork (Andreas Berg), der sich als Erzähler immer wieder ans Publikum wendet. Es gebe da noch Details, die auch 19 Jahre nach der Unfalltragödie bisher nicht ans Tageslicht gerieten.

„Muss ich denn sterben, um zu leben?“
Falco in „Out Of The Dark“

„Falco – Das Musical“ zeichnet den Werdegang der Pop-Legende nach und spart dabei auch die Schattenseiten seiner Karriere und musikalische Ladenhüter wie „Anaconda Mour“ (1990) oder „Cadillac Hotel“ (1992) nicht aus. Verkörpert wird der Musiker von Alexander Kerbst, der eine tadellose Vorstellung abliefert und nicht nur optisch dank Gelfrisur und Sonnenbrille dem Original verblüffend ähnlich ist. Bereits vor 14 Jahren war er in „Falco Meets Amadeus“, der ersten Musical-Produktion über den Österreicher, in der Hauptrolle zu sehen.

Der Charme der Hits von damals geht nicht verloren

Exzentrik. Arroganz, Zerrissenheit, Selbstzerstörung: Sämtliche Facetten des vielschichten Charakters bringt der Schauspieler virtuos auf den Punkt. Der Versuch, mit dem neuen Musical einen unverstellten Blick auf den Menschen hinter der Popstar-Fassade zu werfen, ist vor allem dank des überzeugenden Hauptdarstellers geglückt.

Und trotz aller Tragik gibt es auch viele komische Momente. Zum Beispiel, wenn er in einer US-Musikshow vom Moderator konsequent als „Superstar from Australia“ angekündigt wird. Oder sich partout weigert, beim Videodreh zum größten Hit „Rock me Amadeus“ eine Mozart-Perücke aufzusetzen.

Bühne 2 von 5 Punkten

Schauspieler 4 von 5 Punkten

Musik 4 von 5 Punkten

Am 6. Februar jährte sich der Todestag von Johann „Hans“ Hölzel alias Falco zum 19. Mal. Mit „Rock me Amadeus“ landete der Wiener 1986 als erster Künstler mit einem deutschsprachigen Song auf Platz 1 der amerikanischen Billboard-Charts. Mit 60 Millionen verkauften Platten ist er bis heute der erfolgreichste österreichische Künstler aller Zeiten.

Nach ausverkaufter Show am Samstag wurden zwei Zusatzshows angesetzt: Am Samstag, 13. Mai, 15 und 20 Uhr, gastiert das Falco-Musical noch einmal im Capitol. Tickets gibt es zu Preisen von 45 bis 80 Euro unter falcomusical.com

Ausschweigende Exzesse, Partyrausch, Frauengeschichten, umjubelte Auftritte auf der ganzen Welt: Falcos Leben war prall und bunt, doch auf der Musical-Bühne ist von alledem meist nur etwas auf der großen Videoleinwand zu sehen. Die stimmungsvollen Hintergründe sind immer schlüssig gewählt, und doch hätte das eigentliche Bühnenbild, das aus kaum mehr als zwei Showtreppen besteht, etwas kreativer ausfallen dürfen. Optische Highlights setzt dafür die achtköpfige Tanzcrew, die mal in pompösen Rokoko-Gewändern Wiener Walzer tanzt oder in coolen Breakdance-Outfits über die Bühne wirbelt und so den Zeitgeist der 80er perfekt einfängt.

Musikalisch geht die Produktion ebenfalls auf Nummer sicher und verzichtet auf Spielereien und Schnörkel. Die großen Erfolge von „Der Kommissar“ über „Vienna Calling“ bis „Egoist“ gibt’s genau in den Versionen zu hören, die in den 80ern und 90ern die Hitparaden eroberten. Die klingen dank des Live-Arrangements der erstklassigen Fünfer-Band rockig und druckvoll, ohne dass der Charme der zeitlosen Originale verloren geht. Die meisten Song-Inszenierungen orientieren sich zudem an den jeweiligen Videoclips: Zum Finale von „Jeanny“ wird der vermeintliche Vergewaltiger hinter Gitter gesperrt, „Rock me Amadeus“ spielt sogar während des damaligen Videodrehs.

Nach dem tödlichen Crash lüftet sich der Vorhang ein letztes Mal. Auch zum großen Finale mit dem posthumen Erfolg „Out Of The Dark (Into The Light)“ erliegt die Produktion nicht der Versuchung, zu sehr in Pathos und Kitsch abzudriften. Lässig und cool thront der Verblichene da auf seinem Stuhl und rappt die prophetische Zeile, die mehr Statement als Frage ist: „Muss ich denn sterben, um zu leben?“

© WhatsBroadcast

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