Massive Kritik üben Besucher der Ausstellung zum „Verbotenen Blick“ im Ehrenhof. Beat Wismer wundert sich.

Beat Wismer: „Ich dachte, die Düsseldorfer seien offener.“
Beat Wismer: „Ich dachte, die Düsseldorfer seien offener.“

Beat Wismer: „Ich dachte, die Düsseldorfer seien offener.“

Beat Wismer: „Ich dachte, die Düsseldorfer seien offener.“

Düsseldorf. Noch bis Sonntag läuft die Schau "Der verbotene Blick auf die Nacktheit" im museum kunst palast am Ehrenhof. Viele Werke großer Maler von Rembrandt bis Rubens, Poussin bis Picasso werden bewundert.

Umso schärfer urteilen Gäste über Künstler der Gegenwart. In Anrufen, Diskussionen und vor allem im Gästebuch wirft das Publikum dem Generalintendanten Beat Wismer vor, es gehe ihm nicht um die Nacktheit, sondern um Sexualität, ja um Pornografie.

Wismer erklärt im WZ-Gespräch: "Ich bin überrascht über die Heftigkeit der Kritik. Die Porno-Ausstellung in Wien ist viel radikaler als unsere Bildersammlung. Ich wundere mich vor allem darüber, dass der ’Verbotene Blick’ ein für Düsseldorf ungewöhnliches Thema sein soll. Ich dachte, die Menschen seien hier viel offener."

Ursprünglich war die Nacktheit ein Zeichen unschuldiger Scham. Noch in den 60er Jahren kommentierten Besucher Bilder mit Nackedeis als "süß", "goldig" oder "lieblich". Dass ein Kind, wie auf dem Bild des Ruud van Empel unbekleidet und zugleich vorwurfsvoll ausschauen kann, irritiert. Besucher, die sich im Gästebuch verewigten, quittieren dieses Foto mit "widerlich".

Der Jugendbeauftragte der Stadt musste eine Anzeige abwehren

"Ich wage mich schon noch auf die Straße", sagt Beat Wismer. Nicht ganz geheuer war es ihm allerdings, als ihm die Anzeige eines Kinderschutzbundes außerhalb Düsseldorfs ins Haus kam. Der Jugendbeauftragte der Stadt konnte beweisen, dass Kunst keine Pornographie ist, weder in der Gegenwart noch in der Vergangenheit.

Neben der Garderobe in der Ausstellung "Der verbotene Blick auf die Nacktheit" im Kunstpalast liegt ein Buch aus, wo Gäste ihre Meinung niederschreiben. Wir bringen einige Zitate:

"Eine sehr menschliche, anrührende Ausstellung."

"Ich habe viel gelernt."

"Ich hätte mir mehr nackte Männer gewünscht."

"Eine gynäkologisch-edukative und abwechslungsreiche Ausstellung. Sinnlich und anregend."

"Das ist teilweise widerlich."

"Schön, dass hier Perverse und Pädophile eine Plattform gefunden haben. Fazit: geschmacklos und frauenverachtend."

"Kein Schamgefühl!"

"Die Ausstellung müsste heißen: Die moralische Verkommenheit diverser Pseudomaler und Pablo Picasso, der moralisch Verkommenste von allen."

"Ich will mein Geld zurück!"

Der Museumschef versucht, die Vorwürfe zu verstehen: "Bei den Klassikern ist die Nacktheit ungeschlechtlich und damit ästhetisch. Das Spiel von Satyrn und Böcken wird historisch eingestuft. Zu den Fotos aus der Gegenwart fehlt vielen Besuchern die Distanz."

Proteststürme gab es zu einem Video von Katazyna Kozyra, die in einem Frauenbad heimlich filmte. Hier lautet der Vorwurf aus dem Gästebuch: "Totaler Voyeurismus", "Grenzüberschreitung", "Schamlosigkeit". Dass der Besucher in Kopfhöhe die gespreizten Schenkel einer Rodin-Skulptur vor sich hat, wird hingegen akzeptiert. Wismer: "Rodin kennt man, Rodin ist Kunst".

Frauen kritisieren: "Ich hätte mir mehr nackte Männer gewünscht" oder "Die Ausstellung ist einseitig auf weibliche Reize gerichtet." Andererseits fragte ein Nudistenclub an, ob man nicht einen Tag nur "oben ohne" einrichten könne.

Die Lobenden machen es kurz. Sie belassen es bei Vokabeln wie "wunderbar", "faszinierend", "großer Gewinn". Alles in allem kamen bislang rund 64 000 Gäste. Der Katalog war übrigens sofort vergriffen, er musste nachgedruckt werden.

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