HA Schult stellt 100 Skulpturen in die Eingangshalle des alten Gerichts. Ende des Jahres ziehen hier Lounge und Café ein.

HA Schult stellt 100 Skulpturen in die Eingangshalle des alten Gerichts. Ende des Jahres ziehen hier Lounge und Café ein.
HA Schult inmitten seiner „Trash People“ im Treppenhaus des alten Gerichtsgebäudes und künftigen Andreas Quartiers. Bis Samstag ist es für Jedermann geöffnet.

HA Schult inmitten seiner „Trash People“ im Treppenhaus des alten Gerichtsgebäudes und künftigen Andreas Quartiers. Bis Samstag ist es für Jedermann geöffnet.

David Young

HA Schult inmitten seiner „Trash People“ im Treppenhaus des alten Gerichtsgebäudes und künftigen Andreas Quartiers. Bis Samstag ist es für Jedermann geöffnet.

Düsseldorf. An das altehrwürdige Amtsgericht hat HA Schult keine sehr schöne Erinnerung: „Ein dusseliger Richter hat mich hier vor Jahren mal wegen Umweltfrevels zu einer Geldstrafe verurteilt.“ Richtig, wir erinnern uns, es ging um seine Skulptur mit alten Schrottautos und deren Ölverlust. Jetzt wird aus dem Gericht an der Mühlenstraße das feine Andreas-Quartier. Bezugsfertig ist es zwar erst Ende des Jahres, aber die Düsseldorfer können von Donnerstag bis Samstag schon mal die schöne große Eingangshalle besichtigen.

Schult stellt „100 Müllmenschen“ in die feine Eingangshalle

Was sie da vor allem sehen, ist echter HA Schult. 100 seiner insgesamt 1000 Skulpturen namens „Trash People“ (Müllmenschen), die schon auf der chinesischen Mauer oder Moskaus Rotem Platz aufmarschierten, zieren das Treppenhaus bei der Kunstaktion „Daheim – das Wohnen kommt nach Hause“. Wenn man Schult ließe, würde er sicher noch viel mehr Interessantes und Lustiges erzählen aus seiner Zeit an der Kunstakademie („Mein Studium fand täglich im Kreuzherreneck statt“), von seinem Leben als „Trümmerkind“ an der Ratinger Straße, wo er letztes Jahr sein Tableau mit 15 Köpfen von Napoleon bis Angela Merkel aus den Fenstern des Spinrath-Palais blicken ließ. Jetzt aber geht es darum, das Andreas-Quartier zu preisen und Frankonia-Chef Uwe Schmitz zu schmeicheln. Und auch das kann der 76-jährige Künstler: „Uwe ist so bescheiden, dabei entsteht hier ein Wunder mit inspirierender Architektur.“ Und dann gar: „Ich bin stolz darauf, heute sein Kunstknecht sein zu dürfen.“

Schmitz macht solch gespielte Unterwürfigkeit nicht nervös. Er lehnt sich oben neben der Eingangshalle lässig zurück und spult in bestem rheinischen Sing-Sang routiniert runter, was sein 385-Millionen-Euro-Projekt so doll macht: „Wir bauen hier ein Denkmal von Morgen.“ Ein Werbefilm zeigt, wie es bald im „Wohnzimmer Düsseldorfs“ zugehen wird. Da fährt ein schnittiger Oldtimer an der Mühlenstraße vor, dann gleitet die Kamera durchs Treppenhaus mit goldenen Geländern hinauf zu schicken Lounges, Café und Restaurant. Alles für die Öffentlichkeit zugänglich, sagt Schmitz, „ein einmaliger Treffpunkt für Düsseldorfer und hier weilende Gäste“. Wie der wird, kann man erahnen, als Schmitz bekennt, dass er sich in Berlin immer in der Hotelhalle vom Adlon verabrede.

Apropos Hotel: Ins Andreas-Quartier zieht auch das erste „Hyatt House“ Europas ein. Es bietet 101 Luxus-Appartements (Schmitz: „Arbeitstitel ist 101 Dalmatiner“) zwischen 40 und 80 Quadratmetern, in denen sich „hart arbeitende Geschäftsleute“ auch mal für ein paar Wochen wohlfühlen können – falls sie 200 bis 300 Euro pro Nacht übrig haben.

Nichts wissen will Schmitz vom „Lärm-Konflikt“ zwischen Altstadtpublikum und Bewohnern des Quartiers an der Ratinger: Man halte den Krach der Straße draußen, die Wohnungen lägen zum Innenhof hin. Und überhaupt: „Jeder, der hier kauft, weiß, was er tut und wo er hinzieht.“

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