Ulrich Wickert spricht an der Heine-Uni über die Rolle der Medien. Was ihm passt und was nicht, sagte er am Mittwoch vorab.

Ulrich Wickert spricht an der Heine-Uni über die Rolle der Medien. Was ihm passt und was nicht, sagte er gestern vorab.
Ulrich Wickert hat am Mittwoch seinen ersten Vortrag an der Heinrich-Heine-Universität zum Thema „Freiheit und Journalismus“ gehalten.

Ulrich Wickert hat am Mittwoch seinen ersten Vortrag an der Heinrich-Heine-Universität zum Thema „Freiheit und Journalismus“ gehalten.

Hendrik Schmidt/dpa

Ulrich Wickert hat am Mittwoch seinen ersten Vortrag an der Heinrich-Heine-Universität zum Thema „Freiheit und Journalismus“ gehalten.

Düsseldorf. Wenn Ulrich Wickert sich nach den Tagesthemen mit den Worten „einen angenehmen Abend und eine geruhsame Nacht“ verabschiedete, fühlte man sich besser. Zuvor hatten er und seine Kollegen eine halbe Stunde lang über Flugzeugkatastrophen, den Nahostkonflikt oder Amokläufe in Schulen berichtet, da kam einem Wickerts Schlusssatz wie eine wohlige Gute-Nacht-Geschichte vor, nach der man gut einschlafen konnte. Wickert verbreitet Hoffnung, ein bisschen altväterlich vielleicht, aber das darf ruhig so sein, denn er ist jetzt Gastprofessor an der Heinrich-Heine-Universität und spricht vor jungen Menschen. Die sollen nicht frustriert, sondern ermuntert werden, ihr Leben in die Hand zu nehmen und kritischen Blicks in die Welt hinauszuziehen. Am Mittwoch hielt er seinen ersten Vortrag zum Thema „Freiheit und Journalismus“.

Rektorin wünschte sich Ulrich Wickert

Rektorin Anja Steinbeck hatte sich sehr für Ulrich Wickert als Träger der Heinrich-Heine-Professur eingesetzt. Wegen seiner politischen Kundigkeit und seiner Weltoffenheit. „Der Frankreichbezug verbindet Heinrich Heine und Ulrich Wickert.“ Wickert lebte als Kind eine Weile in Paris und war dort später auch als Korrespondent tätig.

Er ist 73 Jahre alt und gibt seine journalistischen Erfahrungen an der Heine-Uni nicht das erste Mal vor Studenten weiter. So lehrt er auch in Magdeburg schon seit mehr als zehn Jahren als Dozent. Und er macht sich viele Gedanken, denn zurzeit ist eben auch viel los in der Welt der Medien. Und davon passt ihm so einiges nicht, was er vor Vorlesungsbeginn in einer Pressekonferenz zum Ausdruck bringt. Denn natürlich ist die Lage in Deutschland seit Silvester eines der zentralen Themen. „Die Presse hat sich seit Silvester hervorragend bewährt“, lobt er zunächst. „Sie hat dazu geführt, dass die Öffentlichkeit überhaupt erfährt, was passiert ist.“ Allerdings stelle er andererseits verstärkt fest, dass aufgrund eines „falsch verstandenen Toleranzverständnisses viele Bereiche tabuisiert“ würden und meint damit etwa die konkrete Benennung der mutmaßlichen Täter.

„Ihre Aufgabe ist, Aufklärung zu verbreiten, um anderen dazu zu verhelfen, ihren Verstand zu benutzen.“

Ulrich Wickert über Journalisten

Journalisten, die eine solche Zurückhaltung übten, „glauben vielleicht, verantwortlich zu handeln. Ihre Aufgabe ist jedoch, Aufklärung zu verbreiten, um anderen dazu zu verhelfen, ihren Verstand zu benutzen.“

Ulrich Wickert lebte aus beruflichen Gründen des Vaters schon als Kind zeitweise im Ausland. Er absolvierte das erste Jura-Staatsexamen; arbeitete als Redakteur bei Monitor, ging nach Washington und Paris. Von 1991 bis 2006 moderierte er die Tagesthemen.

 

13. April: „Macht und Verantwortung der Medien“; 27. April: „Aus dem Leben eines Journalisten“. Alle Vorlesungen sind öffentlich und kostenfrei und finden im Hörsaal 3A, Gebäude 23.01 statt. Beginn ist jeweils um 16.30 Uhr.

Gut recherchieren, das muss natürlich sein, aber dann raus damit. Dient ja dem Wohl der Gesellschaft. Dass diese und vor allem unsere Demokratie in Gefahr ist, glaubt Wickert nicht. Er hält grundsätzlich nichts von Untergangsszenarien, egal um welches Thema es geht. Während er das sagt, wird sein Blick noch eine Spur sanfter, und man wähnt sich zurück vor dem Fernseher. Mister Tagesthemen lächelt um (damals noch) kurz vor 23 Uhr milde in die deutschen Wohnzimmer und verbreitet mit seinem sympathischen Abschiedsgruß Hoffnung – egal, wie schlecht die Welt ist, am Ende wird alles gut.

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