Gefeiert wurde die Uraufführung sechs junger Choreographen in Duisburg – nächste Spielzeit zu sehen in Düsseldorf.

Der junge Choreograph Alban Pinet erinnert mit Gruppenbildern an Abende à la Pina Bausch.
Der junge Choreograph Alban Pinet erinnert mit Gruppenbildern an Abende à la Pina Bausch.

Der junge Choreograph Alban Pinet erinnert mit Gruppenbildern an Abende à la Pina Bausch.

Gert Weigelt

Der junge Choreograph Alban Pinet erinnert mit Gruppenbildern an Abende à la Pina Bausch.

Düsseldorf. Michael Foster aus den USA geht es ums Tanzen. In Soli, Pas-de-deux und rasanten Gruppenbildern beschwört der US-Amerikaner vom Ballett am Rhein „Junge Bewegungen“. Foster und fünf seiner Kollegen präsentieren sich nicht als Tänzer, sondern erstmals auf der großen Bühne als Choreographen. Und dass die drei Frauen und drei Männer (Ende 20/Anfang 30), denen Ballettchef Martin Schläpfer mit diesem neuen Format ein Forum bietet, auch Talent als Kreateure haben, steht nach der Premiere im gut besuchten Duisburger Opernhaus fest. Die sechs Uraufführungen wurden gefeiert, besonders von den vielen jungen Zuschauer.

„Young Moves“ lockt ihre Generation, von denen einige vom Opernhaus zur nächsten Club-Party eilten. Sie dürften ihre Welt in den artistischen Bewegungen in Michael Fosters Stück „Rapture“ (zu deutsch „Entrückung“) wiedererkannt haben. Elemente aus Tanzvideos und athletischem Street-Dance mit wirbelnden Drehungen und flotten Gruppenszenen mischt er unverblümt mit Neoklassik – entfacht vom Konzert für Schlagzeug und Orchester von Michael Tork. Ein rhythmisch elektrisierendes Opus aus den USA der 2000er Jahre, das Foster als Kind schon hörte. Und nun nutzt, um Tanz als Mischung aus Ritual und Freizeitspaß auf die Bühne zu bringen.

Wesentlicher stärker einem Konzept verpflichtet, leider auch kopflastig, gibt sich Boris Randzios „Mindrift“. Angetrieben von einem Solo für Viola von György Kurtag tauchen drei Frauen als verschiedene Charaktere auf. Sie kommen zueinander, verknäueln ihre Körper, entfernen sich. Wohin das führt, was der Choreograph ausdrücken will, bleibt unklar. Selbst seine selbst geschriebenen Gedichte („Es ist Nacht geworden im Garten…“), im Programmheft abgedruckt, helfen nicht weiter.

Choreographin verwendet Videos aus der Rheinbahn zur Rushhour

Wenig klar ist auch das Ziel von Louisa Rachedi in ihrem „Fieldwork“. Das Stück lebt von bizarren Typen, die in schrillen Kostümen einige tolle Kabinettstückchen zelebrieren. Und „It is passing by“ von Wun Sze Chan überzeugt höchstens durch den originellen Einsatz von Videoszenen, zur Rushhour in Düsseldorfs Rheinbahn gedreht. Dieselben Figuren erscheinen in schwarzen Anzügen auf der Bühne.

In den knapp zwei Stunden entdeckt man mit Alban Pinet und So-Yeon Kim auch zwei erzählerisch begabte Choreographen: Sie verstehen es, mit literarisch inspirierten Stücken und der richtigen Musikauswahl Stimmungen zu erzeugen, aus denen man sich nur schwer lösen kann. Zu Bach-Cellosuiten und angeregt von Paulo Coelhos Roman „Zahir“ entfacht die Koreanerin So-Yeon in wenigen Minuten das Mini-Drama um eine Frau, die zwischen zwei Männern hin- und hergerissen wird. Feine, kristalline Bilder zeichnet Kim mit neoklassischer Technik und zeigt Gespür für Dialoge zwischen der exzellent getanzten Männer-Gruppe und den Solisten.

Gespannt darf man auch auf die Entwicklung von Alban Pinet sein. Männer und Frauen, die sich ausziehen und in Kleider des anderen Geschlechts schlüpfen, sich in Posing üben. Mit Bildern und einem nostalgischen Musikmix aus den späten 20er Jahren, die an Pina- -Bausch-Tanzabende erinnern, geht der 27-jährige Franzose zurück auf Virginia Woolfs Roman „Orlando“. Umgekehrt geschrieben „Odnalro“. So heißt das Andante melancholico, in dem Pinet nicht etwa die Bausch kopiert, sondern Bilder nutzt für seine Deutung des Kampfs zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit. Diese Kreation sticht heraus, zumal sich Tanztheater geschickt mit modernen Tanz-Elementen vereint. Noch veredelt wird sie durch Solisten wie Marcos Menha, Brice Asnar, Vincent Hoffman und Camille Andriot.

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