Auf dem Sprung von Düsseldorf nach Dresden gibt die Intendantin der Kunstsammlung NRW Ratschläge für die Zukunft der Kulturinstitute.

Auf dem Sprung von Düsseldorf nach Dresden gibt die Intendantin der Kunstsammlung NRW Ratschläge für die Zukunft der Kulturinstitute.
Marion Ackermann verabschiedet sich am Freitag mit einer Führung um 11 Uhr in K 21 von ihren Besuchern und um 13 Uhr im Kaffee Lishout in K 20. Die Aufnahme entstand in K 21.

Marion Ackermann verabschiedet sich am Freitag mit einer Führung um 11 Uhr in K 21 von ihren Besuchern und um 13 Uhr im Kaffee Lishout in K 20. Die Aufnahme entstand in K 21.

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Marion Ackermann verabschiedet sich am Freitag mit einer Führung um 11 Uhr in K 21 von ihren Besuchern und um 13 Uhr im Kaffee Lishout in K 20. Die Aufnahme entstand in K 21.

Düsseldorf. Marion Ackermann vertauscht die Landeshauptstadt am Rhein mit der Metropole an der Elbe. Sieben Jahre hat sie die Kunstsammlung NRW geführt und mit ihrem Charme die Sammlungen enorm bereichert. Allein die 40 Aquarelle und das Ölbild von Malewitch, die sie geschenkt bekam, oder die Sammlung Konrad und Dorothee Fischer sind jeweils zweistellige Millionensummen wert. Dennoch erklärt sie im Rückblick, sie würde heute in Düsseldorf vieles anders machen.

Die Museen müssen den europäischen Blick aufgeben

Sie würde dann vor allem das Museum globaler ausrichten. Ackermann hat ihre Forschungsarbeit darauf ausgerichtet, sie hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier in die Maghreb-Staaten begleitet, aber hat das „museum global“ nicht wirklich verfolgt, weder in Ankäufen noch in Ausstellungen. Nun sagt sie: „Wir können nicht so weitermachen wie bisher. Wir müssen die Moderne global sammeln, wie sie etwa in den 1960er Jahren in Brasilien, Indien und der Türkei zutage trat.“

Auch die Bildungsarbeit müsse künftig als weiterer Schwerpunkt verbessert werden. Wie ihr Kollege Beat Wismer vom Museum Kunstpalast erklärt sie, sie hätte gern mehr Studenten der Akademie im Museum gesehen. Studenten kamen aber nur, wenn die Professoren die Klassen begleiteten. Dabei gab sie sich mit einer bestens ausgestatteten pädagogischen Abteilung alle Mühe. Aber: „Wir können noch so viele Werkstätten, Führungen und Kurse anbieten, wir erreichen zu wenig Kinder, Jugendliche und Studenten.“ Man habe eine Schulklasse über viele Monate hinweg begleitet, mitsamt den Eltern. Aber eben nur eine einzige Klasse.

„Leben-und-Leben- Lassen sind im Rheinland beispielhaft.“

Marion Ackermann, Landesgalerie

Neil McGregor, in den 1990er Jahren Chef der Nationalgalerie in London, ließ Künstler wie Bill Viola im Museum leben und ein Studio führen. Berühmte Sammlungen, so ihre Vorstellung, könnten Anreize für die künstlerische Produktion geben. Sie sagt: „Sammeln, bewahren, vermitteln, ausstellen und schaffen sollten die Aufgaben für das Museum der Zukunft sein.“

Eine offene Werkstatt kann die lokale Produktion ankurbeln

Dresden hat eine große Tradition in Musterbetrieben wie Hellerau. Aber der Gedanke, mit Handwerkern zu arbeiten, sollte nicht nur auf Dresden beschränkt sein. Das Handwerk könnte eine Verbindung zum Menschen herstellen, über die Materialität und die Sinnlichkeit.

Ackermanns Beispiel ist William Kentridge. Der südafrikanische Künstler führt in Johannesburg eine offene Werkstatt, wo er seine Werke produziert. Die Verankerung also in der lokalen Produktion sei wichtig, dennoch müsse die Kunst international bleiben. Ziel sei es, das eigene Lernen zu einem öffentlichen Lernen zu machen.

Marion Ackermann übernimmt als Generaldirektorin in Dresden einen Verbund von 15 Museen. Dennoch hält sie eine Generaldirektion für die Ausnahme. In Dresden sei es die Wunderkammer-Idee von August dem Starken gewesen, wodurch viele Sammlungen entstanden seien. In Düsseldorf sei es die gewachsene Vielfalt – und die müsse bewahrt werden. Sie sagt: „Solche Räume, die der freien Kunst gewidmet sind, müssen ihre Stärke und ihre Autonomie bewahren. Man muss in Düsseldorf gar nicht so viel tun. Es ist schon alles da.“

Auch in der Kulturpolitik für NRW sieht sie keinen großen Korrektur-Bedarf, wenn sie sagt: „Das Tolle im Rheinland sind die Menschen. Sie sind sehr emotional und sehr vielfältig. Dieses riesige Bundesland hat ganz viele Facetten. Es ist ein kompliziertes, sehr anstrengendes Publikum, auch im Theater. Aber es gibt die Toleranz. Dieses Leben-und-Leben-Lassen. Im Nebeneinander kann unglaublich viel passieren.“

Das politische Regulieren ist im Rheinland gar nicht nötig

Das politische Regulieren, wie man es gerade in Düsseldorf diskutiert, hält sie für einen Fehler. „Man soll es gedeihen lassen“, sagt sie. Sie sei auch nicht der Meinung, dass alles ständig subventioniert werden müsse. „Die freie Szene ist freie Szene. Man kann einzelne Projekte unterstützen.“ Damit wendet sie sich gegen die neue Ampelkoalition in Düsseldorf, die die freie Szene mehr denn je unterstützt.

Zum Abschied watscht sie auch noch den Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel ab: „Mich faszinieren in Düsseldorf das Schauspielhaus, das Dreischeibenhaus und die Haniel-Garage. Ich kann es nicht glauben, dass der OB wirklich gedacht hat, das Schauspielhaus abreißen zu wollen.“

© WhatsBroadcast

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