Der Schauspieler präsentierte Thomas Bernhards „Der Untergeher“ in Düsseldorf.

Bruno Ganz

Valida Kalina

Düsseldorf. Bruno Ganz hält sich nicht lange mit Vorgeplänkel auf. Fast unauffällig kommt er auf die kleine Bühne des ausverkauften Savoy Theaters, öffnet ein zerlesenes Suhrkamp Taschenbuch und springt mitten hinein in den Fluss einer Geschichte, die Thomas Bernhard Anfang der 80er Jahre mit dem Titel „Der Untergeher“ geschrieben hat.

Sofort befinden wir uns auf Augenhöhe mit den drei Hauptfiguren und können uns über eine Stunde lang nicht dem Sog ihrer Schicksale entziehen. Alle drei haben am Mozarteum in Salzburg Musik studiert, wollten Pianisten und natürlich berühmt werden. Aber nur einer hat es geschafft.

Dieser Glenn Gold, der viel Händel und Bach, vor allem dessen „Goldbergvariationen“ gespielt hat, kommt uns sehr vertraut vor. Er hat auch viel von dem wirklichen Pianisten. Aber es geht Bernhard nicht um Dokumentarisches. Die Fiktion geht ihre eigenen Wege. Während der wirkliche Gould im Krankenhaus starb, darf dieser mitten im Spiel am Flügel vom Tod überrascht werden.

Bruno Ganz nuanciert die oft sprunghaften Seelenregungen

Bernhard komponiert ein raffiniertes Gewebe von Erzählung und indirekter Rede, die selbst wie eine Musik mit immer wiederkehrenden Themen wirkt.

Bruno Ganz versteht es, in den schwierigen Text einzutauchen und aus ihm heraus zu lesen. Der Roman hat keine Absätze, Worte und Sätze fließen wie ein endloser Strom ineinander. Hier hilft er dem Zuhörer, macht Zäsuren, strukturiert die Erzählebenen, nuanciert die oft sprunghaften Seelenregungen und bewahrt doch eine gewisse Distanz, schafft einen amüsanten Schwebezustand.

So verleiht er der Geschichte, die in ihrer Ausweglosigkeit eine durchaus tragische Seite hat, Wärme, Menschlichkeit und ein gewisses Augenzwinkern über die Eitelkeiten des Daseins.

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