Die Modefirma Hermès gibt dem Nachwuchs in ihren Schaufenster eine öffentliche Bühne.

Die jungen Künstler David MacKaay, Lucia Sotnikova, Nina Nowak und Christoph Westermeier (von links) vor einem Schaufenster an der Kö.
Die jungen Künstler David MacKaay, Lucia Sotnikova, Nina Nowak und Christoph Westermeier (von links) vor einem Schaufenster an der Kö.

Die jungen Künstler David MacKaay, Lucia Sotnikova, Nina Nowak und Christoph Westermeier (von links) vor einem Schaufenster an der Kö.

Die jungen Künstler David MacKaay, Lucia Sotnikova, Nina Nowak und Christoph Westermeier (von links) vor einem Schaufenster an der Kö.

Die jungen Künstler David MacKaay, Lucia Sotnikova, Nina Nowak und Christoph Westermeier (von links) vor einem Schaufenster an der Kö.

Die jungen Künstler David MacKaay, Lucia Sotnikova, Nina Nowak und Christoph Westermeier (von links) vor einem Schaufenster an der Kö.

Nina Nowak lässt Hermès-Schuhe kreisen (v. li.), Christoph Westermeier fixiert Teller und Schalen am Oktopus und Lucia Sotnikova zeigt ein Kunstwerk aus Farben mit Hermès-Tasche.

Meister, Bild 1 von 5

Die jungen Künstler David MacKaay, Lucia Sotnikova, Nina Nowak und Christoph Westermeier (von links) vor einem Schaufenster an der Kö.

Düsseldorf. Christine Uecker, Ehefrau des Nagelkünstlers, kam zu früh zur Schaufensterschau von Hermès an die Kö 27. Die Installation vier junger Künstler war noch nicht aufgebaut, und sie zog enttäuscht wieder ab. Sabine Langen-Crasemann, Sammlerin und Sprecherin der Langen-Foundation, erschien pünktlich zur Vernissage am Montag und fand es „einfach toll“, dass Künstler für alles offen sind. Hans-Peter Feldmann etwa ließ vor sechs Jahren an einem Bauzaun der Kö einen hölzernen Mensch für den Taschenhersteller Louis Vuitton um die Welt reisen. Seit der Renaissance sind Mäzene und Auftraggeber beliebt. Berührungsängste gab es eigentlich nur in den 1968er Jahren, wo Künstler auf eine klare Trennung zum Konsum pochten.

Rektorin Rita McBride wählte die jungen Künstler aus

Der Kontakt von Hermès zur Kunstakademie kam über den inzwischen pensionierten Bildhauerprofessor Richard Deacon, den die Firma in Frankreich als Jurymitglied einer Ausstellung kannte. Er leitete den Wunsch einer Zusammenarbeit an Rektorin Rita McBride weiter, die die Auswahl traf. Die Studenten und Ex-Studenten erhielten Produktionskosten erstattet sowie eine Vergütung, deren Höhe ungenannt bleibt. Beachtet werden musste allerdings das Jahresmotto des Konzerns: „Die Natur im freien Galopp“.

Die junge Fotografin Lucia Sotnikova lieferte eine Skizze zu Geysiren ab und durfte sich über eine holländische Glashütte einen Kristallglas-Geysir und Wassertropfen ausführen lassen. Sie habe in der Glashütte sehr viel gelernt, sagt sie.

Christoph Westermeier schnappte sich zunächst einmal die Firmengeschichte, entdeckte in den Anfängen eine Krefelder Sattlerei und legt nun seinem Delfin einen Sattel auf den stromlinienförmigen Körper, unter dem Badetücher hängen. Derweil lässt Nina Nowak in einem Tretmobil Original-Schuhe rotieren und von palmenartig gefalteten Wanderkarten behüten. David MacKaay schließlich baut in weißem, geschliffenem Gips ein fantastisches Unterwassertier, das nun mit Hermès-Ketten behängt ist.

Die Übergänge von Kunst ins merkantile Produkt sind fließend. Katharina Sieverding ging vor einigen Monaten mit Tochter Pola shoppen. Selbstverständlich war ihre erste Adresse das Modekaufhaus Breuninger, wo der Fotostar im Verkaufsraum ein Video gestaltet hatte.

Andy Warhol war Werbegrafiker und machte die Kunst zur Ware

In der Kunstsammlung ist die Sammlung Henkel zu sehen. Gleichzeitig unterstützt die Henkel-Firma Schwarzkopf die große Schau von Dominique Gonzalez-Foerster, die am Freitag in K 20 eröffnet wird.

Andy Warhol hatte einst die Brücke zwischen Kunst und Werbung zementiert, schließlich startete er als Werbegrafiker. Dank seiner Reproduktionstechniken machte er die Kunst zur reproduzierbaren Ware, der er sogar seine Unterschrift verweigerte.

Das Gros der Künstler hat heute keine Berührungsängste mehr. Dennoch gibt es auch kritische Stimmen zur jetzigen Ausstellung. Christian Odzuck und Sebastian Riemer etwa zeigen sich überrascht, dass Hermès die Kunst als „Ständer für die eigenen Produkte“ nimmt, als „Präsentations-Oberfläche für Luxuswaren“. Es gehe heute eben ganz schleichend mit der Verführung, meinen sie.

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