Mit der von Bach vertonten Erlöserpein Christi sorgte die Kantorei Oberkassel für eine andächtige Stimmung in der Auferstehungskirche.

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Kantor Thorsten Göbel: Bei der Johannespassion in der Auferstehungskirche dirigiert er mit größter Energie.

Kantor Thorsten Göbel: Bei der Johannespassion in der Auferstehungskirche dirigiert er mit größter Energie.

Helga Meister

Kantor Thorsten Göbel: Bei der Johannespassion in der Auferstehungskirche dirigiert er mit größter Energie.

Düsseldorf. Nach dem letzten verklungenen Ton fundamentaler Musikwerke herrscht oft andächtige Stille. Vor allem im Anschluss der Passionen Johann Sebastian Bachs verkneift sich das Publikum unabgesprochen spontanen Beifall. Manche Veranstalter von Kirchenkonzerten bitten gar im Programmheft, ganz von Applaus abzusehen.

Das war zwar nun in der Auferstehungskirche Oberkassel nicht der Fall, doch nach dem Schlusschoral der dort aufgeführten "Johannespassion" herrschte diese Stimmung, die einem für eine ganze Weile verbietet, die Hände zu rühren.

Trotz kleinerer Schwächen: Ein kraftvoller und anrührender Abend

Nach etwa einer Minute des Schweigens schwillt dann aber der Beifall für Kantorei Oberkassel, Philharmonie Düsseldorf, Gesangssolisten und den Kantor Thorsten Göbel kräftig an. Denn zu hören war soeben eine engagierte Aufführung der von Bach so suggestiv und anrührend vertonte Erlöserpein Christi.

Auch wenn die Darbietung nicht immer allerhöchsten Ansprüchen genügt, da Chor und Orchester nicht immer ganz sauber intonieren, geht von ihr große Kraft aus. Das liegt wohl nicht nur an der genialen Komposition, sondern auch an der passionierten Leitung. Göbel dirigiert zwei Stunden am Stück mit größter Energie und Perfektion.

Die Kantorei zeigt ebenfalls durchgehend starke Präsenz und Kondition. Höchstens ein letzter Grad an differenzierter Wortausdeutung fehlt noch. Die Deklamation ist zwar textverständlich, doch mit der Zeit gleichförmig. Die Aspekte Schmerz, Verwandlung und Vergeistigung sind in dieser Interpretation nur ansatzweise erkennbar.

Ausgesprochen expressiv und schattierungsreich gestaltet der Tenor Jörg Nitschke die große Evangelisten-Partie. Darüber hinaus verfügt er über eine strahlende Höhe und lyrischen Schmelz in der Stimme. Dorothee Wohlgemuth (Sopran) singt enorm musikalisch und wissend, wenn auch mit einem Timbre, dem es etwas an Farbe fehlt.

Herausragend: die Altstimme von Beate Koepp

Besonders schön klingt die Altstimme von Beate Koepp, die kurzfristig für eine erkrankte Kollegin eingesprungen ist. Kai Uwe Schöler (Bariton) gestaltet die Christus-Partie mit tiefem Ernst. Benno Remling (Bariton) ist in der Rolle des Pontius Pilatus zu hören. Der Sänger gestaltet textlich eloquent, zeigt aber leichte stimmliche und technische Schwächen.

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