Düsseldorferin dreht einen Dokumentarfilm über Heimkinder.

Regisseurin Renate Günther-Greene mit einem ihrer Protagonisten, Günter Discher, der ins Jugend-KZ kam, weil er Swing-Musik liebte.
Regisseurin Renate Günther-Greene mit einem ihrer Protagonisten, Günter Discher, der ins Jugend-KZ kam, weil er Swing-Musik liebte.

Regisseurin Renate Günther-Greene mit einem ihrer Protagonisten, Günter Discher, der ins Jugend-KZ kam, weil er Swing-Musik liebte.

privat

Regisseurin Renate Günther-Greene mit einem ihrer Protagonisten, Günter Discher, der ins Jugend-KZ kam, weil er Swing-Musik liebte.

Düsseldorf. "Nie zuvor und nie danach hatte die Jugend einen solchen Stellenwert im Staat wie im Dritten Reich. Aber es gab auch die Anderen." Das Motto des Films "Die Unwertigen" lässt aufhorchen. Denn die Nazis schufen ein Wertesystem, nach dem Kinder aussortiert wurden und in Heime geschickt. An diesen Kategorisierungen hat sich auch nach dem Krieg kaum etwas geändert. Diese Meinung zumindest vertritt Renate Günther-Greene, die zu diesem Thema einen Dokumentarfilm gedreht hat, der ab dem 19.November in den Kinos läuft.

Die Regisseurin hat den Film gemeinsam mit Justyna Feicht (Kamera) und Margit Bauer (Montage) erarbeitet. Alle drei sind Mitglieder der Düsseldorfer Filmwerkstatt. Günther-Greene stammt eigentlich aus Wien, lebt aber seit 39 Jahren in Düsseldorf. Während ihrer Zeit bei der Werbeagentur Grey hat sie gemerkt, dass sie ihr Handwerk auch für soziale Themen nutzen kann. "Die Unwertigen" ist ihr dritter Langfilm. Ihr zweiter Film, "Ein Mann hört zu", war für den Grimme-Preis nominiert.

Die Gesellschaft verdrängt das Thema bis heute

"Die Unwertigen" behandelt das Schicksal von ehemaligen Heimkindern - von der Nazizeit bis in die 70er Jahre. Günther-Greene hat sich vier Protagonisten gesucht, deren Geschichten erzählt werden, durch die Menschen selbst, denn einen Off-Kommentar gibt es nicht.

Da ist etwa Waltraut Richard, die ins Heim kam, weil ihre Mutter politischen Flüchtlingen half und dafür ins KZ geschickt wurde. Erst nach dem Krieg treffen sich die beiden wieder. Oder Elfriede Schreyer, die als "Schwachsinnige" 35 Jahre lang im Kalmenhof eingesperrt war. Der Kalmenhof war im Dritten Reich Zwischenstation in die Tötungsanstalt Hadamar, wo die Nazis willkürlich solche Kinder töteten. Nur durch Glück entkam Schreyer der Euthanasie.

Günther-Greene interessiert die gesellschaftliche Verdrängung dieses Themas und die Auswirkungen für die Betroffenen bis heute. Denn die Sichtweisen, Werte und Stigmatisierungen hätten sich kaum geändert, so Günther-Greene. Nach 1945 blieben die Strukturen der Heime bis in die 60er Jahre weitgehend erhalten. Ein Petitionsausschuss befasst sich erst jetzt mit den Heimkindern dieser Zeit.

Als "belastend" bezeichnet die Regisseurin die Dreharbeiten. "Jedes dieser Schicksale hat mich sehr berührt", sagt sie. Nach den ein Jahr dauernden Dreharbeiten habe sie erst einmal Abstand gewinnen müssen. Und was würde sie sich wünschen für den Film? "Dass er etwas auslöst, dass die Vergangenheit nicht vergessen wird und dass der Film zeigt, wie die Spuren in die Jetztzeit getragen werden."

"Die Unwertigen" läuft ab dem 19. November in den Kinos. Eine Vorpremiere mit Gästen findet am 15. November um 12 Uhr im Atelier-Kino im Savoy Theater, Graf-Adolf-Str. 7, statt.

 

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