Im Stück „Neuland“ lassen Kinder mit viel Pappe eine Utopie in einem leerstehenden Düsseldorfer Autohaus entstehen.

Im Stück „Neuland“ lassen Kinder mit viel Pappe eine Utopie in einem leerstehenden Düsseldorfer Autohaus entstehen.
Szene aus dem Theaterstück „Neuland“ von Ingo Thoben.

Szene aus dem Theaterstück „Neuland“ von Ingo Thoben.

Kamila Kurczewksi

Szene aus dem Theaterstück „Neuland“ von Ingo Thoben.

In einer kleinen Hütte steht ein Fernseher aus Pappe. Um hineinzukommen, muss man sich bücken, ausgelegt ist das Häuschen nicht für Erwachsene. Vielmehr für das Mädchen, das im Inneren sitzt und den Papp-Fernseher auf den Schultern trägt. Ihr Kopf ist auf dem Bildschirm zu sehen, sie schaut den Eintretenden an. „Herzlich Willkommen zu Abigails Regel-TV“, sagt sie und beginnt mit den fünf wichtigen Regeln der Stadt der Kinder. „Immer hilfsbereit sein, nicht schubsen.“

Denn Abigails Fernsehstudio ist nur ein Teil des utopischen Ortes, den das Team um Regisseur Ingo Toben mit Düsseldorfer Kindern errichtet hat. In Kooperation mit dem Forum Freies Theater Düsseldorf (FFT) wurden zur Premiere von „Neuland“ am Samstag Besucher in die Stadt der Kinder geladen. Mit dem Bus ging es von den FFT-Kammerspielen in das leerstehende Autohaus in Unterrath. Hier erhalten die Gäste Kopfhörer und tauchen ein in die Welt ohne Erwachsene. In dieser Utopie warten Musik, Basteln und Lichtinstallationen. Beim Spaziergang zwischen den aus Pappe gebauten Häusern erzählen die Kinder über Kopfhörer ihre Geschichte.

Die Kinder widmen sich zentralen politischen Fragen

Im Zentrum der Stadt steht der Wunschbaum, hier konnten sich die Kinder alles wünschen. Konnten, denn auch böse Wünsche wurden an den Baum getragen. Das Ende des Baumes. Braucht es also Regeln? Ein Gefängnis, Polizei? Ein neuer Bürgermeister macht in einer großen Videoinstallation jedenfalls klar, dass es mit dem Wünschen bald ein Ende hat.

Noch nicht aufgegeben hat eine Gruppe Kinder, die gemeinsam mit den Zuschauern das Regenlied singt. Sie verteilen selbstgebastelte Laubblätter, die Besucher am Baum aufhängen.

Beeindruckend, mit welchem Spaß sich die Kinder zentralen politischen Fragen einer Gesellschaft widmen. Sie überlegen sich Regeln für den von ihnen erschaffenen Mikrokosmos, erproben Regieren und fordern somit auch Mitbestimmungsrechte.

Das Stück reiht sich damit als letzter Teil der Trilogie „New Urban Stories“ ein. Ingo Toben und sein Team erarbeiteten auch hier mit Jugendlichen interaktive Stücke wie „Mazing Cities“ oder „Quartiere“ in außergewöhnlichen Spielstätten. In „Neuland“ stehen die Kinder im Vordergrund. Mit einer unglaublichen Liebe zum Detail, Kreativität und politischen Denken haben sie die verschiedenen Stationen erschaffen. Souverän gehen sie auf die Zuschauer zu. Felicia und Johann sitzen in der von ihnen moderierten Diskussionsrunde mit den Gästen im Kreis. Was darf man sich denn überhaupt wünschen? Gemeinsam debattieren sie, ob Wünsche nur in der Gemeinschaft oder von jedem Einzelnen formuliert werden dürfe. Kollektivismus versus Individualismus, erklärt anhand des Wunschbaums.

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