In Kai 10 wird der Alltag auf irritierende Weise verändert.

In Kai 10 stellt Thomas Rentmeister eine Puppe vom Trödelmarkt aus. Die Position der mitgekauften Hocker blieb unverändert.
In Kai 10 stellt Thomas Rentmeister eine Puppe vom Trödelmarkt aus. Die Position der mitgekauften Hocker blieb unverändert.

In Kai 10 stellt Thomas Rentmeister eine Puppe vom Trödelmarkt aus. Die Position der mitgekauften Hocker blieb unverändert.

Nanninga

In Kai 10 stellt Thomas Rentmeister eine Puppe vom Trödelmarkt aus. Die Position der mitgekauften Hocker blieb unverändert.

Düsseldorf. Transformationen und Metamorphosen sind seit Manierismus und Surrealismus bekannt, sie sind auch heute typisch für eine Umbruchzeit. Die Kuratoren Zdenek Felix und Ludwig Seyfarth machen sie zum Thema in Kai 10, dem Privat-Ausstellungshaus der Arthena Foundation im Hafen.

Bestes Beispiel ist Thomas Rentmeister aus Berlin, ehemaliger Hüppi-Schüler in Düsseldorf. Als er über einen ostdeutschen Trödelmarkt schlenderte, entdeckte er einen Fußwärmer und eine Puppe. In den Fußwärmer steckte er Murmeln. Das Alltags-Ding wirkt nun wie eine komische Skulptur, aus der das Leben entschlüpft ist.

Die Puppe rührt die Menschen und ist zugleich unheimlich

Noch irritierender geht es mit seinem zweiten Fund zu: eine Puppe in Jeans, mit Jeans-Mütze über dem kleinen Lockenkopf. Die Kleine legt das Gesicht über zwei Hocker, die Rentmeister gleich mitgekauft und in derselben Position wie beim Händler aufgebaut hat. Er hat also nichts verändert.

Dennoch erschrickt der Besucher über die Szene im großen Ausstellungsraum. Die Puppe rührt wie ein Menschlein und ist zugleich unheimlich. Der Betrachter personifiziert die Figur und fragt sich, was ihr zugestoßen sein könnte, weil sie den Kopf so versteckt hält.

Rentmeister, der Meister der Verfremdung, hält ein drittes Beispiel einer Transformation bereit: ein zerknautschtes Federbett, bestreut mit Zucker. Wieder irritiert alles. Diesmal wirkt das süße Zeug über dem Bett wie eine im Entschwinden begriffene Gestalt. Seine Arbeiten wirken auf unbewusste Weise ansprechend, während sie sich der Ratio entziehen.

Alicja Kwade verfremdet den Alltag auf minimale Weise. Ihr auf dem Boden liegender, gekrümmter Spiegel reflektiert ein dunkles Zwischenstück aus Decke und grauem Fußboden. Durch die Reflexion des Bodens meint der Besucher, das Spiegelbild setze sich in der Realität fort. Und es ist, als gebe ihm selbst der nicht-gespiegelte Boden keinen Halt.

Ein bisschen Witz lässt Rachel Harrison in ihre Mutationen einfließen. Sie gießt einen abgebissenen Apfel in Kunststoff und bestückt ihn mit bunten Stecknadeln, als würde der Apfel blühen.

Kai 10, bis 17. 4., kostenlose Führung, Telefon 9943 4130

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