Jochen Busse und Henning Veske zeigen ihr neues Programm aus dem Geiste Alzheimer.

Henning Venske und Jochen Busse sind die renitenten Alten.
Henning Venske und Jochen Busse sind die renitenten Alten.

Henning Venske und Jochen Busse sind die renitenten Alten.

K. Philips

Henning Venske und Jochen Busse sind die renitenten Alten.

Düsseldorf. "Ich habe mir gerade die ehemaligen Zähne von Paul Pots bei Ebay ersteigert", gesteht Henning Venske. Alle anderen Sorgen nimmt ihm Kollege Jochen Busse. Die beiden langgedienten Schlachtrösser des Kabaretts spielen zwei Alte und haben ihren Spaß daran.

Und wo sollen sich zwei Betagte, Venske ist immerhin 70 und Busse bringt es auf 68Jahre, treffen, wenn nicht beim Arzt. Sechs Stühle und Grünzeug im Topf reichen als Wartezimmer-Deko für ihr zweites Duo-Programm "Inventur".

Im Galopp durch Vergangenheit und Gegenwart

Von persönlichem Lebensrückblick allerdings keine Spur, hier ziehen zwei renitente Alte eine Bilanz der Gegenwart. Nach einer Anamnese des Publikums ("Ist das ihr Zivi?") holt Jochen Busse im Kom(m)ödchen zur Geschichtsanalyse aus: Wo vom Arbeitgeber bis zum Autofahrer sich alle für gefühlte Melkkühe halten, hat nicht der Marshall-, sondern der Morgenthau-Plan Deutschland wieder aufgebaut.

Dann geht es im Galopp durchs Bundeskabinett: Außenminister Westerwelle bekommt als "deutsche Freiheitsstatue, innen hohl, aber mit Wendeltreppe" sein Fett weg. Ohne Esprit sind allerdings die Witzeleien über dessen Homosexualität ("deutsche Vizekanzlerin").

Lustvoll inszeniert das Duo, das sich aus gemeinsamen Zeiten bei der Lach- und Schießgesellschaft kennt, immer wieder die geistige Hinfälligkeit. Es versucht, sich an Arrangements und Pointen zu erinnern und liefert so eine Dekonstruktion des Kabaretts aus dem Geiste Alzheimers.

Ständiger Begleiter im Programm ist die Schelte für den Musiker Frank Grischek, der als Ex-Anlageberater einer Bank nun dem Akkordeon "argentinische Unterschichtenmusik" (Venske) entlockt. Die beiden Haudegen des politischen Kabaretts, die 2010 den Ehrenpreis des Deutschen Kleinkunstpreises erhalten, erwägen eine "Organabgabepflicht" für Hartz IV-Empfänger.

Venske: "Ein Arm reicht, um die Schnapspulle in Richtung Kehle zu führen." Kernkraftwerke, Merkel-Parodie und selbst ein Demokratie-Schnellkurs von Perikles bis Rousseau - im kabarettistischen Querfeldein bleibt schließlich kein Thema ungeschoren. Altersrenitenz kann doch ziemlich unterhaltend sein.

Termine: Freitag (27.11.) und Samstag (28.11.), nur noch Restkarten, Tel. 0211-32 94 43

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