Professor Didier Vermeiren präsentiert höchstpersönlich Meisterschüler im Tunnelraum.

Professor Didier Vermeiren präsentiert höchstpersönlich Meisterschüler im Tunnelraum.
Gruppenbild mit v. links: Philipp Röcker, Fabien Ducrot, Moritz Karweick, Johannes Wald, Didier Vermeiren, Johannes Döring und Claudia Mann.

Gruppenbild mit v. links: Philipp Röcker, Fabien Ducrot, Moritz Karweick, Johannes Wald, Didier Vermeiren, Johannes Döring und Claudia Mann.

Ivo Faber

Gruppenbild mit v. links: Philipp Röcker, Fabien Ducrot, Moritz Karweick, Johannes Wald, Didier Vermeiren, Johannes Döring und Claudia Mann.

Düsseldorf. Der belgische Bildhauer Didier Vermeiren geht seit seinen Anfängen den Fragen nach dem plastischen Körper, der Wechselwirkung von Positiv und Negativ, Oberfläche und Volumen, Gegenwart und Erinnerung nach. Der 65-Jährige ist der Professor an der Kunstakademie, der mit seiner Klasse durch dick und dünn geht. Vor dem jeweiligen Rundgang sieht man ihn zwei Wochen lang auf- und abhängen. Er klettert selbst auf die Leiter, um nach dem richtigen Standort zu schauen. Jetzt kuratiert er eine Ausstellung im KIT, Kunst im Tunnel, die der jüngeren Generation gewidmet ist.

Künstler präsentieren Werke unter dem Titel „Das Standbild“

„De Statue“, „Das Standbild“, nach dem Bildhauereitraktat von Leon Battista Alberti aus dem frühen 15. Jahrhundert nennt er die Ausstellung. Damit bezieht er sich schon im Titel auf die Verknüpfung von Tradition und Gegenwart. Unter diesen Aspekten hat er sich acht Meisterschüler handverlesen ausgesucht. Sie kommen nicht nur aus seiner eigenen Klasse.

Das herausragende Werk stammt von Claudia Mann, Jg. 1982, seiner ehemaligen Tutorin. Sie war schon bei den Rundgängen mit ihren waghalsigen und zugleich tonnenschweren Arbeiten aufgefallen. Sie beginnt bei der Erde, aus der alles entstanden ist. Sie hebt Erdlöcher aus und formt deren Innenhaut mit Harz und Silikon ab. In einem Garten im linksrheinischen Düsseldorf durfte sie bis zu 2,07 Meter in die Tiefe gehen. Dieses Maß wählte sie, weil es ihrer Körperlänge mitsamt den ausgestreckten Händen entspricht. Das trichterartige Loch kleidete sie mit Polyester-Glasfasermatten aus und drückte das Kunststoffgemisch von Hand gegen das Erdreich aus Lehm, Sand und Kieselsteinen. An die Erdoberfläche gebracht, erinnert die Arbeit an die aerodynamische Form der antiken Venus im Louvre, daher der Titel „Aero“.

Johannes Wald ist ein Konzeptkünstler aus Karlsruhe. Er kippt 1,2 Tonnen Marmorstaub zu einem Berg auf den Boden im KIT. Er will demonstrieren, dass eine Skulptur immer auch physisch erlebbar sein muss.

Vermeirens derzeitiger Tutor ist Moritz Karweick. Von ihm stammt eine dreidimensionale Zeichnung, die von den bloßen Umrissen einer Vitrine gehalten wird. Außerdem macht er in zwei farbig glasierten Keramiken deutlich, wie wichtig die Oberflächengestaltung ist. Wie Perlmuttglanz von Austern wirkt die Glasur seiner Skulptur, in deren tiefen Einkerbungen das Spiel von Licht und Schatten besonders wirkungsvoll ist.

Wo KIT, Kunst im Tunnel, liegt am Mannesmannufer 1b

Was Die von Didier Vermeiren kuratierte Schau nennt sich „Davor und Danach“.

Wann Die Ausstellung läuft bis zum 12. Februar.

Johannes Döring, der bei den Professoren Ruff und Gostner studiert hat, bevor er Meisterschüler bei Vermeiren wurde, hat eine Technik entwickelt, wie man analoge Fotografie auf modulierten Gips übertragen kann. Fabien Ducrot aus Paris untersucht die doppelte Reflexion von Lamellen aus poliertem Stahl, die einerseits durchlässig sind und andererseits das Metall sowie den jeweiligen Betrachter spiegeln.

Den Abschluss im langen Gang des Tunnelraums macht Johannes Wald mit einem Faltenwurf, den er auf eine glatte Marmorplatte proji´ziert. Der Betrachter müsste fühlen, um zu wissen, ob die Oberfläche dreidimensional ist oder ob sie uns nur vorgegaukelt wird. Weitere Künstler in der Ausstellung sind Philipp Röcker, Heiko Räpple und Valerie Krause.

© WhatsBroadcast

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