Die neuen Leiter der Kulturinstitute haben große Pläne für die Zukunft, müssen sich aber auch um den Besucher-Nachwuchs kümmern.

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Rheinopern-Intendant Christoph Meyer.

Rheinopern-Intendant Christoph Meyer.

Die Neuen an den Spitzen der Düsseldorfer Kultur: Kunstsammlungschefin Marion Ackermann (im Bild) und Rheinopern-Intendant Christoph Meyer (nach dem Klick). (Archivfotos (2): Arend, Michel)

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Rheinopern-Intendant Christoph Meyer.

Düsseldorf. Was für ein Auftakt: Die Rheinoper und ihr neuer Intendant Christoph Meyer sorgten mit ihrer Open-Air-Gala zur Eröffnung der Spielzeit sicher für einen der aufsehenerregendsten Neuanfänge.

Harald Schmidt und Eckardt von Hirschhausen moderierten abwechselnd im Opernhaus und am Burgplatz, wo sich 10 000 Menschen versammelt hatten, um die Live-Übertragung von der Bühne mitzubekommen.

Zwei bekannte TV-Entertainer, dazu drei weltberühmte Opernstars (Deborah Polaski, Peter Seiffert und Neil Shicoff), die gemeinsam mit den Stars des Ensembles das Publikum auf die neue Saison einstimmten: Meyer hat direkt zu Beginn alles richtig gemacht. Und auch die nachfolgenden Premieren zeigen, dass der neue Opernintendant nicht zu viel versprochen hat.

Mit seinem neuen Ballett-Chef Martin Schläpfer ist ihm ein Coup gelungen, der auch weit über Düsseldorfs Grenzen hinaus auf Resonanz stößt. Schläpfers kompromisslose Ästhetik setzt Maßstäbe. Düsseldorf darf sich glücklich schätzen, solche künstlerischen Leiter binden zu können.

Marion Ackermanns Start als Chefin der Kunstsammlung NRW begann mit einem Missklang. Jedenfalls spaltete sie mit ihrem Vorschlag, "Das Deutschlandgerät" von Reinhard Mucha im Hauptraum von K21 abzubauen, die Kunstwelt in zwei Lager. Die Bedenken, die fest eingebaute Installation beim Abbau zu zerstören, konnte sie nicht widerlegen.

Unabhängig davon hat sie mit den Veranstaltungen im Schmela-Haus, das neben K20 und K21 neuerdings das dritte Standbein der Kunstsammlungen bildet, einen großen Erfolg. Die öffentlichen Gespräche zu Beuys immer donnerstagabends sind gut besucht. Man darf also auf die große Beuys-Schau ab 11.September in dem erweiterten K20 gespannt sein.

Bernd Desinger, der Mann aus Hollywood, der dort das Goethe-Institut geleitet hatte, wollte eigentlich die Filmstadt Düsseldorf im schnellen Zugriff erobern. Die Wirtschaftskrise machte dem bestens vernetzten Film-Fachmann einen Strich durch die Rechnung, die Aufstockung seines Etats um 100 000 Euro gibt es in Raten.

Bernd Desinger plant eine Retrospektive zu Roman Polanski

Eines hat er immerhin erreicht: Er durfte eine Suite gleich neben dem Filmmuseum mieten, um die vielen Schulklassen und Schulabgänger zu betreuen, die den Film neuerdings als ein wichtiges Interessengebiet ansehen.

Auch Desinger muss sich Gedanken darüber machen, wie man den Nachwuchs an das Haus binden kann. Interessant wird sicher seine Retrospektive zu Roman Polanski Ende Februar. Mit dem Filmmuseum Lodz und dem Polnischen Institut Düsseldorf will Desinger die Karriere des polnischen Regisseurs nachzeichnen.

Das neue Gesicht im Heine-Institut gehört Sabine Brenner-Wilczek. Die 33-Jährige hat am 1. Dezember die Nachfolge von Joseph Anton Kruse angetreten, der sein Amt als "Stellvertreter Heines auf Erden" nach 34 Jahren gegen den Ruhestand antrat, obwohl man sich das bei ihm nicht wirklich vorstellen kann.

Die neue Chefin hat bereits einige Jahre während ihres Studiums an der Heine-Universität am Heine-Institut gearbeitet, kennt also die Strukturen bestens. Sie möchte künftig mit Hilfe neuer Medien Heine auch bei jungen Menschen wieder bekannter und die Nachlässe bestens zugänglich machen.

Das junge Publikum - auf das haben es alle neuen Kulturchefs in Düsseldorf abgesehen. Denn die Oper hat genauso Nachwuchsprobleme wie das Filmmuseum, die Boulevardtheater oder das Heine-Institut, das mit seiner technischen Ausstattung zudem hinterherhinkt. Hier besteht Handlungsbedarf: Es gibt also auch in den kommenden Jahren viel zu tun.

© WhatsBroadcast

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