Ballettchef Youri Vàmos über sein Konzept zu „Spartakus“.

Youri Vàmos bei der gestrigen Probe in Oberkassel.
Youri Vàmos bei der gestrigen Probe in Oberkassel.

Youri Vàmos bei der gestrigen Probe in Oberkassel.

Bernd Schaller

Youri Vàmos bei der gestrigen Probe in Oberkassel.

Düsseldorf. Youri Vàmos, seit 13 Jahren Ballettchef der Rheinoper, verlässt nach dieser Spielzeit Düsseldorf. Gerade bereitet er seine letzte Premiere an der Rheinoper vor. Er inszeniert "Spartakus" mit der Musik von Aram Iljitsch Chatschaturjan. Premiere im Opernhaus ist am 14. Februar.

Herr Vàmos, Sie haben selbst schon "Spartakus" getanzt und das Stück in Bonn und Basel inszeniert - was fasziniert Sie denn auch heute noch an dem Stoff?

Vàmos: Spartakus ist eine faszinierende Figur. Und die Geschichte steckt immer noch in unseren Köpfen. Der Kampfgeist ist nach wie vor aktuell, auch wenn der Kampf sich verändert hat. Er ist nicht mehr so blutig. Außerdem existiert eine abendfüllende Musik dazu, was in der Ballettgeschichte sehr selten ist. Die Musik hat mich dazu inspiriert, "Spartakus" zu inszenieren. Thematisch hat mich noch interessiert, dass die Frauen damals keine Kinder bekommen wollten, weil sie Sklaven werden würden. Die ganze Fortpflanzung wird in Frage gestellt.

Wird die Choreografie anders als damals? Setzen Sie heute andere Schwerpunkte?

Vàmos: Ich habe einige Choreografien umgestaltet. Nach 25 Jahren hat man sich selbst auch verändert, man lernt dazu: Was ist wichtig und was nicht? Außerdem ist die ganze Ästhetik verändert, ist symbolischer geworden. Damals habe ich es fast realistisch inszeniert. Heute erzähle ich abstrakter. Aber eine gewisse Handlung gibt es schon, der man folgen kann. Psychologisch haben mich noch die Freundschaften interessiert, die nicht entstehen durften: zwischen Sklaven und Gladiatoren. Wie im Boxen - das ich sowieso verachte: Da kann man auch nicht mit seinem Gegener befreundet sein. Und doch hatte Spartakus Freunde, und das gab ihm vielleicht die Kraft auszubrechen.

Youri Vàmos (62) wurde in Budapest geboren und absolvierte dort eine Tanzausbildung. 1972 wurde er erster Solist an der Bayerischen Staatsoper München.

Ab1978 wandet er sich der Choreografie zu, wurde Ballettdirektor in Dortmund, Bonn und Basel. Seit 13 Jahren ist er nun Ballettdirektor der Rheinoper und hat hier Klassiker der Ballettliteratur neu gedeutet.

Was fasziniert Sie generell an den klassischen Stoffen, denen Sie sich immer wieder gewidmet haben?

Vàmos: Dass man nicht weiß, wie es war, aber so viele Erzählungen kennt, besonders aus der Jugend. Die Bilder bleiben. Die Geschichten ändern sich, ästhetisch und moralisch, aber inhaltlich bleiben sie immer aktuell.

Wie hat sich denn Ihr Blick auf die Dinge im Laufe der Jahre geändert? Würden Sie sagen, dass er symbolischer geworden ist?

Vàmos: Zwangsläufig, denn man sieht mehr und mehr. Es ist heute fast unmöglich, etwas realistisch mit der Ballettsprache zu erzählen. In den 50er Jahren war es anerkannt, dass man eine Geschichte erzählt, aber heute nicht mehr. Heute werden mehr Gedanken und seelische Zustände vertanzt. In der Oper ist das auch so. Aber dafür ist es wichtig, von der Realität wegzugehen, Visionen und Fantasien zu entwerfen.

Glauben Sie denn, dass man im Alter mutiger wird im Entwerfen von Visionen?

Vàmos: Man wird erfahrener. Man weiß noch mehr, was das Publikum will. Das ist oft ein Kampf für mich mit den Tänzern: Ich sage immer, Du tanzt nicht für Dich, d as Publikum muss es kapieren. Ist es gelungen, die Vision zu transportieren oder nicht? Wir tanzen schließlich für die Zuschauer. Wir wollen unterhalten. Aber auf welchem Niveau, das ist die Frage.

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