Zur Quadriennale 2010 wird im Ehrenhof der große Video-Künstler geehrt. Jochen Saueracker hat ihn 27Jahre begleitet.

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Jochen Saueracker ist Künstler und hat Paik assistiert.

Jochen Saueracker ist Künstler und hat Paik assistiert.

J. Dehninger

Jochen Saueracker ist Künstler und hat Paik assistiert.

Düsseldorf. Jochen Saueracker ist "der" Ansprechpartner, wenn es um die richtige Präsentation der komplizierten Arbeiten des Video-Künstlers Nam June Paik geht. Er gehört zum Team, das die Retrospektive zur Quadriennale 2010 vorbereitet.

Herr Saueracker, wie wird man zum wichtigsten Partner der Museen und Galerien, wenn es um Paik geht?

Saueracker: Ich fuhr als junger Künstler Anfang der 80er Jahre nach New York und bekam einen Termin bei Paik und seiner Frau. Anschließend begegneten wir uns in der Kunstakademie Düsseldorf. Das ist 27 Jahre her.

Wird es schwierig, Paik auszustellen, weil seine Instrumente veraltet sind?

Saueracker: Sicher, es wird auch in Düsseldorf Probleme geben. Es ist schwer, Kunst am Leben zu erhalten, die auf alten Geräten basiert. Es gibt unterschiedliche Vorgehensweisen.

Man kann die Technik reparieren oder ersetzen, oder man kann das Kunstwerk in einem ganz anderen Medium zeigen. "TV Moon", eine ganz frühe Arbeit aus den 70ern, wo Mondschatten auf den Monitoren auftauchen, braucht eine andere technische Umsetzung als ein Video auf einem Fernseher.

Was braucht "TV Moon"?

Saueracker: Alte Fernseher.

Hatte Paik ein Materiallager?

Der koreanisch-amerikanische Künstler Nam June Paik (Foto: dpa) gilt als "Vater der Videokunst". Bekannt wurde er als Mitglied der Fluxus-Bewegung in den 60er Jahren in Düsseldorf, deren Aktionen großen Einfluss auf die moderne Kunst hatten.

Saueracker: Nein, Paik hat sich um die Zeit gekümmert, in der er lebte. Ich sehe ihn als Konzept-Künstler, der sich um vieles kümmerte, aber nicht um den Erhalt oder die Pflege der eigenen Musealität. Er hat sich gegen vieles gesträubt, auch gegen die museale Ordnung.

Sie werden von anderen Städten oder Ländern angefordert. Wurden Sie von Paik bezahlt?

Saueracker: Ich konnte mich eigentlich schon als festen Mitarbeiter sehen, aber Paik hat die Leute nie direkt und monatlich bezahlt. Es ging immer nur über Projekte. Am liebsten war es ihm, wenn seine Mitarbeiter mit dem Museum oder Galeristen direkt abrechneten. Dann hatte er das Gefühl, dass er nicht für seine Leute Geld auszugeben brauchte. Er war von seiner Denkweise ein sehr sparsamer Immigrant.

Hat er das Geld gespart?

Saueracker: Nein, er hat es für seine nächsten Projekte ausgegeben. Also, am Anfang sind wir immer im Wienerwald essen gewesen. Das war günstig. Dort haben wir uns getroffen und Ausstellungen oder Projekte vorbereitet. In New York war er gern im Wimpy, das fand er günstig.

Paik war einerseits dieser sehr philosophisch, global Denkende, und andererseits liebte er den kleinen, persönlichen Witz. In seiner letzten deutschen Wohnung in Neuenahr hat er seine Mülltüte nicht in den Hausmüll des Appartmenthauses gelegt, weil er den Müll nicht trennen wollte, sondern hat ihn in der Stadt verteilt. Er wollte es anders machen als andere Leute, zugleich dachte er aber global.

"Paik war ein richtiger Sammler. Er hat Ideen, Leute und Materialien gesammelt."

Wie sah die Werkstatt in New York aus?

Saueracker: Paik war ein richtiger Sammler. Er hat Ideen, Leute und Materialien gesammelt. Er aktivierte Mitarbeiter, und er trug unheimlich viele Antiquitäten oder Scheinantiquitäten zusammen. In den frühen Arbeiten erinnert vieles an Spielzeugautos. Dieses Anhäufen war auch für seine Ateliers bindend.

Wie waren seine technischen Kenntnisse?

Saueracker Er hatte ja 1969/ 70 mit dem Elektronik-Spezialisten Suya Abe den Video-Synthesizer entwickelt. Diese Hardware erlaubte es erstmals, in einem laufenden Video Farben und Formen zu verändern. Er hatte sich das Wissen angeeignet, um es in seine Kunst umzusetzen. Als die Fernsehtechnik komplexer wurde, ging er ins Mietstudio. Anfangs konnte er es nachts auch umsonst benutzen und ausprobieren, was mit der Technik möglich ist.

Woher kommen die Werke für die Ausstellung?

Saueracker: Vorwiegend aus Europa. Er hat zwar in New York gelebt, aber mit Ausnahme der Guggenheim-Schau fanden die großen Ausstellungen in Europa statt. In Amerika gibt es ja kaum das wirklich spannende Material aus den 60er und 70er Jahren. Dort ist er erst mit skulpturalen Arbeiten ab Mitte der 80er Jahre platziert.

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