Hans Mayer eröffnet am Grabbeplatz eine „Kathedrale der Kunst“: mit Beuys, Gursky und Cragg.

Hans Mayer in seiner neuen Galerie am Grabbeplatz, dahinter die Kapelle mit dem Sarg von Jan Wellem.
Hans Mayer in seiner neuen Galerie am Grabbeplatz, dahinter die Kapelle mit dem Sarg von Jan Wellem.

Hans Mayer in seiner neuen Galerie am Grabbeplatz, dahinter die Kapelle mit dem Sarg von Jan Wellem.

Hans Mayer in seiner neuen Galerie am Grabbeplatz, dahinter die Kapelle mit dem Sarg von Jan Wellem.

Linkes Bild: Die Stars Dennis Hopper (von links), Hans Mayer, Tony Shafrazi und Keith Haring; rechtes Bild: Andy Warhol und Hans Mayer.

Schaller, Bild 1 von 3

Hans Mayer in seiner neuen Galerie am Grabbeplatz, dahinter die Kapelle mit dem Sarg von Jan Wellem.

Düsseldorf. Hans Mayer gehört zu den wichtigsten Galeristen der Welt. Er hat vom Grabbeplatz aus die amerikanische Pop Art, die Fotokunst von Peter Lindbergh und Helmut Newton sowie die amerikanische Kunst der 80er Jahre entdeckt und die legendäre Zusammenkunft von Beuys und Warhol organisiert. Nach Bauende kehrt er mit 70 Jahren an seine alte Adresse, aber in neue Räume zurück. Eröffnung ist am 9. September.

Herr Mayer, Ihre Einladungskarte trägt die Farben des Landes und des Bundes. Sind Sie stolz?

Mayer: Wenn man bedenkt, was ich hier alles ausgestellt habe, von Mondrian bis Calder, dann kann ich doch stolz sein.

Sie eröffnen mit Künstlern der Akademie. Eine Hommage an Düsseldorf?

Mayer: Ja, ich glaube ans Rheinland. Ich nehme nun Tony Cragg, Imi Knoebel und Andreas Gursky ins Programm. Ich zeige eine frühe Freiplastik von Norbert Kricke, der als Rektor der Akademie den Fotokünstler Bernd Becher berief. Ich habe eine große Installation von Nam June Paik, dem Begründer der Video-Kunst. Günther Uecker und Gotthard Graubner gehören zu meiner Galerie. Von Beuys erhalte ich eine tolle Arbeit aus Privatbesitz, ein großes Steinkreuz aus den 60er Jahren, noch nie ausgestellt.

Hans Mayer, Jahrgang 1940, Ulm, besuchte VHS-Kurse, die von Ilse Aicher-Scholl abgehalten wurden, Schwester der Nazi-Opfer Hans und Sophie Scholl und Mitbegründerin der Hochschule für Gestaltung in Ulm. Der Künstler Max Bill wurde sein Freund. 1960 bis 1964 arbeitete er in Krefeld, zunächst im Avantgarde-Möbelladen Schröer („made in“) und dann in seiner Op-Art-Galerie. Als er 1971 zum Grabbeplatz zog, schuf ihm Bill die Einrichtung.
 

Am 9. September, 19.30 Uhr, spricht am Grabbeplatz 2 Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste, Berlin.
 

Wie gewinnen Sie die Großen?

Mayer: Es ist für mich ein Riesenvorteil, dass so viele Kölner Galerien nach Berlin gegangen sind. Deren Künstler möchten natürlich hier präsent sein, neben Kunsthalle und Kunstsammlung.

Es heißt, Sie hätten 1965 als 24-Jähriger in Esslingen über einem Sarglager angefangen?

Mayer: Im Sarglager habe ich Op Art gezeigt, aber die Särge waren draußen.

Von Esslingen ging es nach Krefeld, mit der Dusche im Garten?

Mayer: Krefeld war unter Museumschef Paul Wember die führende Kunststadt. Ich wohnte in vier Quadratmetern und hatte unten im Garten eine schöne Wasserplastik von Tinguely, unter der ich mich wusch. Ein Jahr später kam Wember und kaufte sie. Da war die Dusche weg, und ich nahm mir eine Wohnung.

Ihr Clou in Krefeld war die Kooperation mit der Pariser Galeristin Denise René. Warum?

Mayer: Ich bekam Kontakt zur internationalen Kunstszene.

Wieso dann Düsseldorf?

Mayer: Ich verbrachte jeden Abend im Creamcheese in der Düsseldorfer Altstadt. So eröffnete ich 1969 auf der Mühlenstraße mit Andy Warhol und zog Ende 1970 zum Grabbeplatz.

Wie kam Warhol damals an?

Mayer: Das war nicht die Kunst für Deutschland. Man wurde ausgelacht von Kollegen. Werner Schmalenbach, Chef der Kunstsammlung, und Akademieprofessor Werner Spies haben zwar früh die Wichtigkeit vor Warhol erkannt, aber sie waren Ausnahmen. Erst über jüngere Maler wie Baselitz wurde Warhol akzeptiert.

40 Jahre Kunsthandel am Grabbeplatz, eine Erfolgsgeschichte?

Mayer: Ich habe von den 40 Jahren 25 Jahre nur durch die Kunstmessen überlebt, denn ich war ab 1977 durch den U-Bahnbau zugenagelt, und dann kam der Bau der Landesgalerie. Das Überleben war nicht ganz einfach. Ich habe mit der Stadt und dem Land so gut wie keine Geschäfte gemacht.

Bei Ihrer Bilderschau von Lichtenstein, der einzigen des Künstlers in Deutschland, sollen nur drei Besucher gekommen sein?

Mayer: Ja, aber die ganze Ausstellung wurde am Telefon verkauft. Die Werke gingen nach Japan, in die USA, Schweiz und Süddeutschland.

Ist Ihre Neugierde ungebrochen?

Mayer: Ja. Erstmals hatte ich ein Kribbeln, als ich mit 13 Jahren das Bild „Die gelbe Jacke“ von August Macke in meiner Heimatstadt Ulm sah. Solche Glücksgefühle gibt es immer wieder. Ich kann in der Galerie nie richtig planen. Ich mache einen Finanzplan, doch dann taucht ein Spitzenbild auf. Wenn es mich fesselt, ist es mein Bild, und ich fange mit der Finanzierung von vorn an.

Ihr letztes Kribbeln?

Mayer: Bei dem jungen Franzosen Daflon, der in der Schweiz lebt, aber auch bei Imi Knoebel. Es ist sensationell, wie er den Suprematismus, russische geometrisch-abstrakte Kunst, in neue Malerei auflöst.

Wie finden Sie gute Künstler?

Mayer: Man muss sich über Jahre hinweg in Galerien und auf Messen wahnsinnig viel ansehen und dann intuitiv festhalten, was man sehr gut findet.

Was interessiert Sie? Würden Sie die Leipziger Schule sammeln?

Mayer: Die habe ich nie im Programm gehabt. Auch nie die Wilden und nie das Expressive. Ich komme aus dem Konstruktivismus. Das war meine Welt.

Sie glauben nicht an Berlin?

Mayer: Kunst wird dort gekauft, wo das Geld verdient wird, im Rheinland, im Ruhrgebiet und in Süddeutschland.

Sie erhielten den European Gallery Award, die höchste Auszeichnung für Galeristen. Warum fangen Sie noch einmal neu an?

Mayer: Eine Galerie quasi neben dem Sarg von Jan Wellem, dem größten Bildersammler aller Zeiten, gibt mir neue Vitalität. Der Innenarchitekt Danilo Silvestrin hat mir eine Kathedrale für die Kunst geschaffen, mit Wandhöhen bis zu 6,50 Metern. Und ich habe nach 38 Jahren erstmals ein Büro mit Fenster. Wenn es mich nicht mehr gibt, können meine Kinder die Räume mieten. Mein Sohn eröffnet jetzt eine eigene Galerie, und meine Tochter hat gerade ihren Master für europäische Kulturwirtschaft gemacht und fängt bei mir an.

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