Hamed Shahi hat mit „New Fall“ eines der attraktivsten Festivals der Stadt erfunden.

Macher des New-Fall-Festivals setzt auf DJs und regionale Küche.
Hamed Shahi hat das New Fall Festival erfunden und will es weiter ausbauen.

Hamed Shahi hat das New Fall Festival erfunden und will es weiter ausbauen.

Hamed Shahi hat das New Fall Festival erfunden und will es weiter ausbauen.

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Hamed Shahi hat das New Fall Festival erfunden und will es weiter ausbauen.

Düsseldorf. Im Hinterhof in Flingern liegt das Büro von Hamed Shahi. Gerade sucht er etwas Neues. Viel zu klein sind die Räumlichkeiten fürs Geschäft inzwischen geworden und irgendwie auch für die Pläne des Konzertagenten. Shahi hat 24 Mitarbeiter und unterhält mehrere GmbHs in seiner SSC Music Group. Er veranstaltet Konzerte, promoted verschiedene Künstler, berät Bands und hat mit dem New Fall Festival eines der attraktivsten Festivals der Stadt erfunden. Gerade hat er es nach Stuttgart exportiert. Shahi trägt Jeans und Pulli, kommt null abgehoben rüber und spricht lieber über das, was er will als über das, was er kann. Und darin ist er ziemlich beharrlich.

Herr Shahi, als Junge haben Sie in Ihrer Heimat Teheran Kassetten mit verbotenen Musikaufnahmen des US-Senders „Voice of America“ verkauft. Sie flohen nach Deutschland , veranstalteten bald kleinere Konzerte, vor sechs Jahren dann das erste New Fall Festival. Seither ist es gewachsen und Ihr Unternehmen gleich mit. Sie schätzen wohl das Wagnis.

Hamed Shahi: Ich würde es anders formulieren: Ich kann kein Nein akzeptieren und glaube fest daran, dass immer noch ‘was geht. Auch, wenn es nicht danach aussieht. Kürzlich sagte ein neuer Mitarbeiter, mit dem ich diskutierte, zu mir: Du gibst wohl nie auf? Nein, stimmt. Das habe ich mir in Deutschland angewöhnt.

Weil?

Shahi: Weil ich in Deutschland die Erfahrung gemacht habe, dass Migranten Ihre Ziele besonders energisch einfordern müssen. Darin sind sie den Frauen ähnlich. Auch sie müssen sich ständig beweisen.

Sie waren sehr jung, als Sie nach Deutschland kamen, und Sie kamen alleine.

Shahi: Ich lebte eine Weile in einem Jugendwohnheim in Köln. Eines Tages musste ich bei der Ausländerbehörde vorsprechen. Sie kam uns vor wie ein Polizeiquartier. Dort hieß es: Ich hätte meine Schule beendet, im Iran herrsche kein Krieg mehr, also könnte ich auch dorthin zurückgehen. Man legte mir ein Papier vor, das ich unterschreiben sollte, ich habe mich jedoch geweigert. Habe eben nein gesagt und bin dabei geblieben. Wenn ich nicht so wäre, könnte ich hier nicht sitzen, und es gäbe das New Fall Festival nicht.

Das Festivalkonzept heißt, vereinfacht gesagt, cool und klassisch zusammenzubringen. Künstler wie Dillon und Wilco treten in klassischen Konzertsälen auf, spielen jedoch ihr Repertoire. Was eint die Künstler?

Shahi: Der rote Faden ist die Qualität der Künstler. Ganz simpel.

Das Publikum, das dies zu schätzen weiß, ist schon ‘was älter.

Shahi: Es sind Menschen, die in der Mitte ihres Lebens angekommen sind. Die sich mit gesellschaftlichen Themen und Kunst auseinandersetzen. Ein urbanes Publikum und ein paar Intellektuelle.

Sie haben einmal gesagt, Popmusik würde unterschätzt und meinten das Lebensgefühl, das sie weckt. Welches ist das?

Shahi: Ich glaube, man sollte nicht über Popmusik sprechen, sondern über Musik an sich. Was sie auslöst, spürt man im Herzen. Wenn ich persisch koche und zwei Wodka trinke, singe ich die Lieder, die mein Vater gesungen hat, und wenn ich meine Wohnung aufräume, summe ich, was meine Mutter beim Putzen summt. Das macht Musik, egal ob persisch oder deutsch, Popmusik oder Klassisch. Es geht ums Gefühl. Dieses Entweder-Oder-Ding nervt mich. Kürzlich war ich bei einer Diskussion über Kunst mit Claudia Roth und Schauspielhaus-Intendant Wilfried Schulz. Ich saß im Publikum und dachte: Man, die Intellektuellen reden immer viel davon, dass die Kunst frei sein muss, setzen ihr aber selbst Grenzen, indem sie ständig darüber reden, welche Anforderungen die Kunst erfüllen muss.

In Düsseldorf ist kulturell gerade viel in Bewegung - Postpost, Asphalt-Festival, Open-Source-Festival, Stadtklang, Acoustic Summer, ein modernes Ballett und auch das Schauspielhaus kommt in der Stadt wieder gut an. Was braucht Düsseldorf noch?

Shahi: Mut. Und Visionen. Das gilt aber nicht nur für Düsseldorf, sondern auch für Köln. Die Stadtspitzen müssen sich hinsetzen und überlegen, wie soll Düsseldorf in fünf Jahren aussehen? Und dann muss man loslegen. Ich bewundere das Engagement der Politiker, frage mich aber oft, ob sie bei ihrer Arbeit die richtigen Prioritäten setzen. Etwa, wenn sie entscheiden müssen, ob die Fahrradständer auf der rechten oder der linken Seite des Bahnhofs stehen. Das ist doch frustrierend.

Also ist Düsseldorf doch nur Provinz und nicht Großstadt?

Shahi: Warum laden Sie die Frage so negativ auf? Warum muss man immer darüber reden, was fehlt und fragt nicht: Was können wir besser machen. Diese negative Denkweise ist sehr deutsch. Das sage ich als jemand, der sich als Deutscher versteht.

Welche Vision haben Sie?

Shahi: Meine Visionen verwirkliche ich. Das New Fall Festival ist ein gutes Beispiel, es hat ja sehr klein angefangen, und ich wusste nicht, ob es finanziell hinhaut, aber ich wollte es unbedingt machen. Und jetzt, ja das ist meine aktuelle Vision: Ich würde das New Fall Festival gerne zu einem wirklich großen Festival ausbauen, zu dem die Menschen aus der ganzen Welt anreisen. Vorbilder sind das Montreal Jazz Festival oder das Reeperbahn Festival in Hamburg. Aber das ist nur mit Unterstützung der Stadt und Sponsoren zu stemmen.

Klein, aber fein ist die Veranstaltungsreihe Parklife, mit DJ und Picknick in Düsseldorfer Grünanlagen. Sie fand im vergangenen Jahr zum ersten Mal statt. Wird es in diesem Jahr eine Fortsetzung geben?

Shahi: Ja, Anfang Juni. Erstmals ist auch der Hofgarten dabei.

Sagen Sie schon was zum Programm des diesjährigen New Fall Festivals?

Shahi: Nein, da wird noch nichts verraten.

© WhatsBroadcast

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