Interview: Friedrich von Spee war Theologe, Dichter und ein kritischer Geist. Das zeigt eine Schau.

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Wilhelm Mayer mit einem Bild des Theologen und Dichters Friedrich von Spee im Museum Kaiserswerth.

Wilhelm Mayer mit einem Bild des Theologen und Dichters Friedrich von Spee im Museum Kaiserswerth.

Nanninga

Wilhelm Mayer mit einem Bild des Theologen und Dichters Friedrich von Spee im Museum Kaiserswerth.

Düsseldorf. Im Museum Kaiserswerth erinnert der Bürgerverein mit einer Ausstellung an Friedrich von Spee, der 1591 in Kaiserswerth geboren wurde und dessen Todestag sich zum 375. Mal jährt. Wilhelm Mayer, Vorsitzender des Vereins und Gründungsmitglied der Spee-Gesellschaft spricht über den Theologen und Dichter. Worin liegt die Bedeutung von Friedrich Spee? Mayer: Spee gilt als wichtigster katholischer Barockdichter. Er brachte 1631 und 1632 in zweiter Auflage die Cautio Criminalis (Rechtliche Bedenken) gegen die Hexenprozesse heraus. Das hört sich nicht gerade nach einem aktuellen Thema an. Mayer: Ist es aber. Spee hat die Folter als Mittel der Rechtsfindung abgelehnt, die Bestellung eines Pflichtverteidigers und die Zustellung der Anklageschrift an den Angeklagten gefordert.

Friedrich von Spee (1591 bis 1635) war Theologe und Dichter.

Die Ausstellung (bis 26.9.) ist im Schulgebäude, Fliednerstraße 32, zu sehen: Sa 14 - 18, So 11 - 13 und 14 - 18 Uhr.

Damals gehörte viel Mut dazu, sich gegen Kirche und Staat aufzulehnen. Spee, ein Revolutionär? Mayer: Er hat immer etwas mit der katholischen Kirche über Kreuz gelegen. Er war Jesuit, Theologe, Professor für Moraltheologie in Paderborn und ließ sein Werk gegen die Hexenprozesse anonym in der evangelischen Universitätsdruckerei in Rinteln erscheinen. Wir wissen wenig über sein Leben, das sich im 30-jährigen Krieg abspielte, wo alles drunter und drüber ging, wo die Werte verfielen und wo man die großen Verwüstungen und Epidemien dem Teufel zuschrieb. Das förderte die Hexenprozesse, gegen die er sich wehrte. Für ihn war die Nächstenliebe das A und O. Deshalb hat er sich um die Pestkranken in Trier gekümmert, hat sich infiziert und starb mit 44 Jahren. Die Spee-Gesellschaft wurde 1985 gegründet, wie kam es dazu? Mayer: Wir wollten die Erinnerung an Spee wach halten, ursprünglich mit einem Brunnen auf dem Stiftsplatz. Aber wir hätten die Folgekosten nicht zahlen können. Als dann der Spee-Forscher Helmut Weber aus Trier im Rahmen der Mittwochgespräche einen Vortrag zu Spee hielt, entschieden wir uns für eine andere Form des Gedenkens und gründeten eine literarische Gesellschaft im Suitbertus-Haus. Heute gibt es in Deutschland zwei Spee-Gesellschaften. Warum? Mayer: Leider verkrachte sich der Vorstand sofort mit den Mitgliedern, so dass alle führenden Spee-Forscher aus Trier eine eigene Gesellschaft gründeten. Unser Vorsitzender musste zurücktreten. Heute ist Hans Müskens aus Ratingen unser Vorsitzender. Am Stiftsplatz hat die Gesellschaft ihr eigenes Büro und kooperiert mit Trier. Seit 1994 geben beide Spee-Gesellschaften gemeinsam das Spee-Jahrbuch heraus. Seit 1987 verleihen wir vom Bürgerverein eine von Bert Gerresheim gestaltete Spee-Plakette.

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