Das Opernballett tanzt im neuen Programm vor 60 Perserteppichen. Monatelang suchten Mitarbeiter nach den richtigen Exemplaren.

Auf 160 Quadratmetern wurden handgeknüpfte, rote Perserteppiche aufgehängt – als Kulisse für das Ballett „Psalms“ von Jií Kylián.
Auf 160 Quadratmetern wurden handgeknüpfte, rote Perserteppiche aufgehängt – als Kulisse für das Ballett „Psalms“ von Jií Kylián.

Auf 160 Quadratmetern wurden handgeknüpfte, rote Perserteppiche aufgehängt – als Kulisse für das Ballett „Psalms“ von Jií Kylián.

Gert Weigelt

Auf 160 Quadratmetern wurden handgeknüpfte, rote Perserteppiche aufgehängt – als Kulisse für das Ballett „Psalms“ von Jií Kylián.

Düsseldorf. Entspannt plauderte Thomas Schäfer bei der Premierenfeier am Wochenende mit Kollegen. Ein Zustand, den der Produktionsleiter der Rheinoper in den vergangenen Monaten vermisst haben dürfte. Die Vorbereitungen zum neuen Ballettabend hatten ihm arg zu schaffen gemacht, insbesondere das Bühnenbild zur Choreographie „Symphony of Psalms“ des Tschechen Jií Kylián. Perserteppiche sollten die Kulisse dieses feierlichen Stücks nach der Musik von Igor Strawinsky bilden. Nicht zwei oder drei, sondern genug, um eine Fläche von 160 Quadratmetern zu bedecken.

New Yorker Bühnenbildner verlangte alte, rote, handgeknüpfte Perser

Die Uraufführung der „Psalms“ fand im Jahr 1978 statt. Das Bühnenbild dazu hatte sich der Amerikaner William Katz ausgedacht, er hatte eine zehn Meter hohe Wand aus Orientteppichen entworfen und jeden einzelnen selbst besorgt. Das Urheberrecht liegt also bei Katz, der den Düsseldorfern klare Vorgaben machte: Handgeknüpfte Perserteppiche sollten es sein. Alt und rot.

„Also haben wir ab Mai am Computer gesessen und Teppiche ersteigert“, sagt Schäfer. Und mit Händlern, Trödlern und Privatpersonen um den besten Preis gefeilscht. Am Ende hatte es die Produktionscrew auf 80 Teppiche gebracht. 20 mehr als notwendig, um eine Auswahl zu haben. Kosten: rund 20 000 Euro.

Zwei Wochen vor der Premiere reiste Katz aus New York an, um die Ware in Augenschein zu nehmen. Anschließend wollte er sie für die Bühne arrangieren, das Ergebnis seiner Begutachtung jedoch war niederschmetternd. Von 80 Teppichen überstanden gerade einmal 20 sein Urteil. Fast immer war es die Farbe, die nicht stimmte: zu dunkel, zu hell, zu viel Blau, zu wenig Rot.

„Es war furchtbar“, sagt Schäfer. „Uns blieben 24 Stunden, um neue Perser zu besorgen.“ Einen Tag lang telefonierte er in ganz Deutschland herum – vergeblich. Schließlich schlug er vor, die Teppiche zu färben. „Davon war Katz zunächst nicht begeistert. Er hatte einmal erlebt, dass nach so einer Aktion, die Teppiche plötzlich gelb waren.“ Schäfers Kollegin jedoch gelang die richtige Mischung. Mit einer Spritzpistole wurde die Textilfarbe aufgetragen, Katz war zufrieden.

Dem Betriebsdirektor des Balletts, Oliver Königsfeld, hat die Aktion Teppichsuche ebenfalls aufregende Zeiten beschert. Dies ist aber auch der Grund, warum Königsfeld die Bemühungen seines Teams wohl bald als Erfolg verbuchen wird. „Dieses Stück ist bereits von anderen Häusern angefragt worden, Kylián ist ja weltweit bekannt“, sagt Königsfeld, „und ich rate den Kollegen nur: Nehmt unsere Teppiche, ihr lasst euch sonst auf einige Monate unnötigen Stress ein.“

Teppiche werden wohl nach Madrid und Toulouse verkauft

Denn vermutlich dürfte das Abstimmungsgeschäft mit William Katz dort ebenso intensiv verlaufen wie mit Düsseldorf. Als erstes wird das Stück nach seiner Zeit in Düsseldorf und Duisburg auf die Reise nach Madrid gehen, danach steht vermutlich Toulouse auf dem Plan. Königsfeld kennt den Ballettmanager von Madrid gut. „Ich hatte mit Christoph Markert in seiner Leipziger Zeit zu tun.“ Das Angebot für die spanische Hauptstadt ist geschrieben, und hochwahrscheinlich ist nun, dass Madrid die Teppiche für die Hälfte der gut 20 000 Euro ausleiht, die für die Produktion aufzubringen waren. Folgt Toulouse dem Beispiel, dann hat die Rheinoper das Geld komplett wieder in der Kasse.

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