Zu seinem 100. Geburtstag eröffnet das Hetjens-Museum am Sonntag eine Schau über die Faszination des Fremden.

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Löwenmaske von Gottfried Wagener.

Löwenmaske von Gottfried Wagener.

Inui Tsuyoshi

Löwenmaske von Gottfried Wagener.

Düsseldorf. Nach der Entdeckung der Seeroute nach Indien durch Vasco da Gama 1498 erschlossen sich den Europäern neue Welten. Vor allem China und Japan übten einen nachhaltigen Eindruck auf die europäischen Kultur aus. Mit dem regen Handel kamen Kunst, Tee, Seide, Möbel und vor allem Porzellan nach Europa.

Eine Ostasien-Begeisterung brach aus, die bis heute anhält. Darauf machen die Kuratoren Daniela Antonin und Daniel Suebsman in einer herrlichen Jubiläums-Schau zum 100. Geburtstag des Hetjens-Museums aufmerksam.

Der Kulturtransfer zwischen Orient und Oxident begann mit August dem Starken, Kurfürst in Sachsen und König in Polen. Er ließ sich bei Dresden ein japanisches Palais errichten und beauftragte Meißener Künstler, die Kunst Ostasiens zu kopieren.

Andererseits schätzte der chinesische Kaiser Qianlong die europäische Kunst und ließ seine Hofkünstler Lackarbeiten und Porzellan mit europäischen Motiven kopieren. Die Schau im Hetjens-Museum ist ein heiteres Rate-Spiel. Immer wieder ertappt sich der Besucher, dass er die Produkte ins falsche Lager einreihen möchte.

Bestes Beispiel für das Crossover ist eine faustgroße Löwenmaske aus Porzellan. In leuchtenden Farben, mit aufgerissenem Maul und weit geöffneten Nüstern wirkt der Kopf mit den dunklen Augenbrauen exotisch bis kurios. Er stammt von Gottfried Wagener, Chemiker aus Göttingen, Wegweiser in den modernen Unterglasur-Farben und Vermittler seines technischen Wissens an die Japaner.

Er gründete das Institut für Technologie in Tokio und hatte den Löwenkopf stets auf seinem Schreibtisch stehen. Gemäß der asiatischen Symbolik sollte er Glück bringen. Wagener brachte auch den Japanern Glück, er ebnete ihnen den Weg zur industriellen Keramikproduktion. Seine fast ausschließlich in Japan verwahrten Objekte sind erstmals in Europa zu sehen.

Am einprägsamsten und für europäische Verhältnisse am lustigsten sind die Figuren zu religiösen und politischen Themen. Die buddhistische Heilsfigur Guanyin erinnert in ihrem Lächeln an Bodhisattva, in ihrer Haltung an Maria mit dem Kind und im Wellenmotiv am Fuß an eine Patronin der Seefahrer. Die Missionierung gelang den Jesuiten nicht, aber immerhin der Transfer der Formen.

In Vitrinen stehen köstliche Porzellanfiguren: ein Europäer mit Tropenhelm, eine chinesische Arbeiterin mit Taschenlampe und Schraubenschlüssel oder eine Soldatin mit Strohhut und Sturmgewehr, deren linker Fuß lässig auf einem US-Helm steht.

Für den aktuellen Verschnitt steht Leiko Ikemura, Japanerin in Köln. Sie präsentiert auf einem wurstartigen Fundament ein tierisch-menschliches Wesen, das sie als "Teufel von Köln" bezeichnet. Das Kerlchen trägt einen Faunskopf und ein Tanzkleid.

Die Schau endet leicht kitschig in einem handlichen Audi, dekoriert mit dem fünfklauigen Drachen der chinesischen Kaiser.

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