David Garrett war auf seiner „Rock Symphonies“-Tour zu Gast im ausverkauften Rather Dome.

Stargeiger David Garrett überzeugte mit seiner Kombination aus Klassik, Pop und Rock.
Stargeiger David Garrett überzeugte mit seiner Kombination aus Klassik, Pop und Rock.

Stargeiger David Garrett überzeugte mit seiner Kombination aus Klassik, Pop und Rock.

Bernd Schaller

Stargeiger David Garrett überzeugte mit seiner Kombination aus Klassik, Pop und Rock.

Düsseldorf. Als David Garrett mit seiner Stradivari in den Rather Dome einzieht, kreischen die weiblichen Fans wie zu den besten Zeiten von Take That. Auch das Outfit des Musikers erinnert viel mehr an einen Popstar als an einen Geiger: T-Shirt, Jeans, die lässig in die Nietenstiefel gesteckt ist, Totenkopfringe und breite Silberkette. Aus dem schwarzen Herrenhut lugt sein blonder Haarzopf heraus, der mittlerweile zu seinem Markenzeichen geworden ist. Dass David Garrett auf seiner Stradivari "Kashmir" von Led Zeppelin spielt, geht im Jubel der rund 11000 Fans unter. Auch die Vorstellung seiner Band und der Neuen Philharmonie Frankfurt findet kaum Beachtung.

Einige Geschichten wirken, als hätte sie ein Drehbuchautor geschrieben

"Guten Abend Düsseldorf", ruft er in sein Mikro und erzählt im Anschluss eine kleine Geschichte. "Als Kind wollten mir meine Eltern kein elektrisches Auto kaufen, deshalb habe ich mir das Geld als Straßenmusiker selbst verdient. In einer Stunde hatte ich den Betrag zusammen. Ein Job mit Zukunft, dachte ich mir damals." Das Publikum lacht. Vor jedem Song erzählt Garrett einen Schwank aus seinem Leben, zumindest behauptet der Stargeiger, es wären seine eigenen Erlebnisse. Allerdings wirken manche Geschichten, als hätte sie ein Drehbuchautor verfasst und Garrett die Sätze brav auswendig gelernt. Wenn sich der 29-Jährige aber auf sein Geigenspiel konzentriert, versteht man, warum David Garrett als Ausnahmekünstler gehandelt wird.

Seine Interpretation von Beethovens Fünfter Sinfonie geht einfach unter die Haut. Bei "Vivaldi vs. Vertigo" treffen der italienische Komponist und U2 aufeinander, dazu gesellt sich die Geige von Herrn Garrett. Auch wenn einige Kritiker ihn als "Geigenschönling" belächeln, die Kombination von Klassik, Pop und Rock beherrscht er in Perfektion. Bei "Mission Impossible" entfaltet sich die gesamte Kraft der Stradivari und die geballte Spielkunst Garretts, der den Bogen mit solcher Schnelligkeit über sein Instrument fliegen lässt, dass einige Rosshaare des Bogens im grellen Scheinwerferlicht sichtbar abspringen. Nicht umsonst steht David Garrett als "schnellster Geiger der Welt" im Guiness Buch der Rekorde.

Nach Standing Ovations gibt David Garrett zwei Zugaben

Seine Band und die Neue Philharmonie Frankfurt können dennoch problemlos mithalten. Bei der unplugged Version von Michael Jacksons "Smooth Criminal" stellt Gitarrist Marcus Wolf seinen Chef an der Geige sogar in den Schatten. Und auch als Garrett seinen Musikern die Bühne für einen Song komplett alleine überlässt, vermisst man seine Geige und ihn kaum. Allerdings ist die Frage, ob das Publikum eine weitere Komposition ohne den Star des Abends geduldet hätte. So ist der Applaus groß, als Garrett auf seinen Barhocker zurückkehrt und "Toccata" von Johann Sebastian Bach anstimmt.

Der eigentlich letzte Song des Konzerts bleibt allerdings nicht der letzte. Nach Standing Ovations gibt David Garrett zwei Zugaben. Dann verlässt der Stargeiger die Bühne - wie beim Einzug unter Jubel und Kreischen der weiblichen Fans.

David Garrett wurde 1980 in Aachen als Sohn eines Juristen und einer amerikanischen Primaballerina geboren. Mit vier Jahren lernte er Geige spielen. Als Zehnjähriger trat er mit den Hamburger Philharmonikern auf.

Die Deutschlandtour zur gleichnamigen CD läuft bis September nächsten Jahres. Aufgrund der großen Nachfrage gibt es am 7. Juni ein Zusatzkonzert in Oberhausen.

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