Zwei junge Frauen malen gegen die Malerfürsten an – lyrisch, romantisch und voller Poesie.

Kunst
Rosilene Luduvico (links) und Antje Barnickel stehen für eine neue Poesie in der Malerei.

Rosilene Luduvico (links) und Antje Barnickel stehen für eine neue Poesie in der Malerei.

Helga Meister

Rosilene Luduvico (links) und Antje Barnickel stehen für eine neue Poesie in der Malerei.

Düsseldorf. Die Brasilianerin Rosilene Luduvico (41) und die Deutsche Antje Barnickel (36) besuchten die Düsseldorfer Kunstakademie und wurden Freundinnen. Ihnen gelang etwas, was man diesen zarten Persönchen nicht zugetraut hätte: Sie wurden richtungweisend für einen neuen Stil der Malerei.

Im Gegensatz zu Jörg Immendorff, der in seinen Deutschland-Bildern den Ost-West-Konflikt thematisierte, geht es ihnen um Spiegelbilder ihrer Träume, Sehnsüchte und Erinnerungen. Während Immendorff seine Kunst mit einer Botschaft versah und die Gesellschaft ändern wollte, begnügen sie sich mit einem blühenden Ast oder einem Tier im Zoogehege.

Zwei Freundinnen ließen sich in den 90er Jahren nicht unterkriegen

Ursprünglich hatten sie Hürden zu nehmen. Im Orientierungs-Bereich ließen die Betreuer kein gutes Haar an Antje Barnickels lyrischen Bildern. Die Studentin fand keine Klasse, die sie aufnahm. Jörg Immendorff, bei dem sie unterschlüpfte, konnte nichts mit ihrer Arbeit anfangen. Da kam 1998 Siegfried Anzinger als Professor ans Haus und baute sie gegen den Widerstand seiner Kollegen auf. Auch Rosilene Luduvico war glücklich, zu Anzinger wechseln zu können.

Heute grundiert Rosi mit Bologna-Kreide, Hasenleim und weißen Pigmenten. Die Oberfläche muss wie eine Wand sein, wenn sie mit hauchdünner Ölfarbe und Dammarharz ihre Motive aufträgt. Auf dem durchscheinenden Malgrund wirken ihre Gestalten und Landschaften transparent und nahezu körperlos.

Kleinformate einer sanften, entrückten Schönheit sind es. Voller Sympathie, in einer lange nicht mehr gesichteten romantischen Art geht die junge Künstlerin den Menschen, dem Wetter, der Natur und ihren inneren Bildern nach. Ihre Freundin Antje variiert ihr eigenes Ich. Sie lässt es in ihren Farben versinken, irgendwann wird alles wieder erwachen.

Die Künstlerin wurde 1969 in der Abgeschiedenheit des dicht bewaldeten Berges Espirito Santo in Brasilien geboren. Sie studierte in ihrer Heimat, in Düsseldorf bei Konrad Klapheck und Siegfried Anzinger.

Sie wurde 1974 in Lank-Latum geboren und studierte gleichfalls bei Anzinger.

Rosi war Stipendiatin der Kulturakademie Villa Massimo. Sie machte lange Spaziergänge und schaute sich die Umgebung Roms an. Später joggte sie, um ihre neue Umgebung mit allen Sinnen zu erfassen. In ihren Gemälden löste sie die Blüten und Blätter in Farbe und Bewegung auf.

Schließlich kam alles zusammen, die reale Landschaft und ihre innere Welt. Ihr letztes Bild in Italien entstand beim Blick auf eine Trauerweide. Mit einem bloßen Pinselschwung holte sie den Baum auf die Leinwand und vereinte zugleich Tod und Leben.

Antje beobachtete das Wolfsgehege im Wuppertaler Zoo. Auf ihren Bildern gehen die weißen Wölfe in die Abstraktion über. Farben und Formen scheinen miteinander zu spielen. Die Motive eines Wolfs, einer Stufe oder eines Steins werden in der neuen Leichtigkeit der Komposition zu verschlüsselten Gebilden.

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