1864 bekam Düsseldorf sein städtisches Orchester. Anfangs spielte es in einer Gaststätte an der heutigen Schadowstraße.

Historie
Ein berühmter Gast steht am Podium: Richard Strauss. Er ließ sich von den Nazis für die Reichsmusiktage 1938 einspannen.

Ein berühmter Gast steht am Podium: Richard Strauss. Er ließ sich von den Nazis für die Reichsmusiktage 1938 einspannen.

Das Foto von 1942 zeigt ein Konzert der Symphoniker mit dem Pianisten Walter Gieseking in der alten Tonhalle.

Andrey Boreyko leitet die Symphoniker seit 2009, Ende dieser Spielzeit gibt er sein Amt ab. Archiv

Städtischer Musikverein zu Düsseldorf, Bild 1 von 3

Ein berühmter Gast steht am Podium: Richard Strauss. Er ließ sich von den Nazis für die Reichsmusiktage 1938 einspannen.

Düsseldorf. Vor 150 Jahren wurde in Düsseldorf ein „Städtisches Orchester“ gegründet. Doch die Geschichte des hiesigen Klangkörpers geht noch viel weiter zurück und ist eng verknüpft mit dem Städtischen Musikverein zu Düsseldorf, der bald sein 200-jähriges Bestehen feiert. An diesen Chor waren Orchestermusiker angegliedert, mit welchen schon Schumann und Mendelssohn arbeiteten.

Das war in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Bürgerschaftliches Engagement beflügelte damals das Düsseldorfer Musikleben. Jedoch erst einige Jahre nach dem Tod Schumanns und Mendelssohns, im Frühherbst 1864, gelang die Übernahme durch die Stadt. Schumanns einstiger Assistent in Düsseldorf und Nachfolger im Amt des Musikdirektors, Julius Tausch (1827-1895), setzte am 20. September 1864 die Übernahme der Orchestermusiker in feste vertragliche Strukturen um. Deutschlandweit war es die zweite kommunale Orchestergründung überhaupt – nach Aachen, wo es schon 1852 ein Städtisches Orchester gab.

Mindestens so wichtig wie dieser Akt, durch welchen die Musiker finanzielle Sicherheit erhielten, war der Kauf der Tonhalle durch die Stadt zum gleichen Zeitpunkt. Sie wurde neben dem Opernhaus zur wichtigsten Wirkungsstätte. In dem Gebäude am Flinger Steinweg (heute Schadowstraße), wo heute Karstadt steht, befand sich die Gaststätte „Geislersches Lokal“, welches über den „Kaisersaal“ verfügte. Das Haus hieß fortan „Städtische Tonhalle“. Der Saal hatte eine so hervorragende Akustik, dass ihn sich holländische Architekten bei der Planung des Amsterdamer Concertgebouws zum Vorbild nahmen. Im Kriegsjahr 1942 fiel die alte Tonhalle einem Bombardement zum Opfer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fing das Orchester wieder klein an

In den Jahrzehnten davor gab sich die Musikprominenz ein Stelldichein im Kaisersaal, unter ihnen der legendäre Pianist Walter Gieseking, dessen Debussy- und Mozart-Spiel bis heute nicht übertroffen wurde.

Das Orchester-Gründungsjahr 1864 war gleichzeitig das Geburtsjahr des Orchester-Magiers Richard Strauss, dessen Werke im Opernhaus und Konzertsaal bis heute viel gespielt werden. Zum damaligen Zeitpunkt wäre dergleichen übrigens nicht möglich gewesen. Denn das Orchester bestand aus nur 34 Mitgliedern. Erst nach und nach vergrößerte sich die Mitgliederzahl und erreichte in den 20er Jahren 125 Musiker. Zuweilen reiste Strauss selbst an, dirigierte sein „Heldenleben“ oder „Don Quixote“.

Die Düsseldorfer Symphoniker verfügen über 130 Planstellen, 117 davon sind besetzt.

Die nächsten Symphoniker-Konzerte haben das Musikleben im Dritten Reich zum Thema. Etwa am 7., 9. und 10. Februar die Violinkonzerte Mendelssohn und Schumanns, verbunden mit Sätzen aus der Suite „Mattis der Maler“ des verfemten Komponisten Paul Hindemith.

Im Rahmen des Konzerts am 7. Februar erhält der große Saal der Tonhalle den Namen „Mendelssohn-Saal“. Der Festakt mit Bundestagspräsident Norbert Lammert beginnt um 19 Uhr. Zutritt haben nur Konzertbesucher.

Aber auch das dunkelste Kapitel der Düsseldorfer Musikgeschichte verbindet sich mit einem Strauss-Besuch. Denn der Komponist dirigierte sein „Festliches Präludium“ anlässlich einer kulturpolitischen Kundgebung im Rahmen der nationalsozialistisch geprägten Reichsmusiktage 1938. Das Orchester stellte sich in dieser Zeit unter Leitung des regimekonformen GMDs Hugo Balzer in den Dienst einer Musikästhetik, die alles Moderne sowie Musik jüdischer Komponisten wie Mendelssohn und Mahler ausschloss.

Nach dem Ende des Dritten Reiches erfolgte die Wiedergeburt des Orchesters unter Dirigent Heinrich Hollreiser. Angefangen hat man mit einer kleinen Gruppe von nur 45 Musikern. Doch schon bald gab es 130 Mitglieder, die sich schließlich „Düsseldorfer Symphonikern“ nannten. Seit drei Jahrzehnten haben sie Ihren Sitz im einstigen Planetarium im Ehrenhof sowie im Opernhaus und bilden unter der Leitung der beiden Generalmusikdirektoren Axel Kober (Oper) und Andrey Boreyko (Tonhalle) das Herzstück des städtischen Musiklebens.

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