Viel Jubel gab es für Daniel Schnyders Werk „Abraham“ beim Düsseldorf-Festival in der gut besuchten Johanneskirche.

Uraufführung
In der Johanneskirche treten Raphael Pauß als Isaak (v. l.), Mischa Schelomianski als Abraham und der Chor in Aktion.

In der Johanneskirche treten Raphael Pauß als Isaak (v. l.), Mischa Schelomianski als Abraham und der Chor in Aktion.

Susanne Diesner

In der Johanneskirche treten Raphael Pauß als Isaak (v. l.), Mischa Schelomianski als Abraham und der Chor in Aktion.

Düsseldorf. Die Bibel wimmelt von Protagonisten und existenziellen Geschichten. Viele davon sind bühnenreif. Und mancher Komponist hat schon aus Teilen der enormen Stofffülle ganze Opern geschaffen – man denke nur an Arnold Schönbergs „Moses und Aron“. Im Auftrag des Düsseldorf-Festivals hat nun der Komponist, Saxofonist und Flötist Daniel Schnyder (geboren 1961) eine Oper alttestamentarischen Sujets geschrieben: „Abraham“. Die Uraufführung fand Donnerstagabend in der gut besuchten Johanneskirche statt. Es wurde ein beachtlicher Publikumserfolg.

Schnyders Musik ist recht leichte Kost. Sie bewegt sich stilistisch zwischen spätromantischem Expressionismus und swingendem Jazz. Die Opernsänger können derweil ihre Stimmen ein wenig schonen, denn Kopfmikrofone verstärken den Gesang. Zum besseren Verständnis läuft der Text auf einem Bildschirm mit, auch im Programmheft ist er vollständig abgedruckt.

Die Geschichte selbst besitzt zeitlosen Sprengstoff: Sarah, Ehefrau von Israels Stammvater Abraham, wird nicht schwanger. So beschließt das Paar, die junge Sklavin Hagar als Leihmutter auszuwählen. Jahre nach Geburt des Sohnes Ismael bringt Sarah unerwartet doch noch ein Kind zur Welt. Konflikte sind programmiert und lassen nicht auf sich warten. Da sich nun solche familiären Schwierigkeiten zu jeder Zeit ergeben können, holte Regisseur Gregor Horres die Handlung visuell gleich ins Heute.

Abraham begegnet uns als Herr im dunklen Sakko und heller Cordhose, Sarah steckt im eleganten braunen Damenmantel, die junge Hausdienerin Hagar trägt flippigere Klamotten. Das ganze Bühnengeschehen spielt sich in der Mitte der Kirche ab, wo sonst Kirchenbänke stehen.

Das Publikum beobachtet das Musikdrama von der Seite und den Emporen aus. Zur weiteren Visualisierung von Vorgängen wird bedarfsweise eine Leinwand aus einem Schlitz in der Bühnenmitte hinaufgefahren. So beobachtet man den Zeugungsvorgang Ismaels in Form einer mit Mikroskopkamera gefilmten künstlichen Befruchtung.

Sängerisch bleiben bei der Aufführung kaum Wünsche offen

Dauer des Stücks zwei Stunden inklusive Pause, weitere Vorstellungen Samstag und Sonntag, jeweils um 19 Uhr, in der Johanneskirche am Martin Luther-Platz. Ab dem 20. November gibt es weitere Aufführungen in der Kreuzkirche in Bonn.

www.duesseldorf-festival.de

Stück: 4 von 5 Punkten

Sänger/Orchester: 4 von 5 Punkten

Inszenierung: 3 von 5 Punkten

Ein Kammerchor agiert in Masken mit auf der Bühne, teils in symbolträchtigen Choreographien. Der große Chor singt hinter dem Orchester im Altarbereich der Kirche. Das Ganze macht mächtig Eindruck, auch wenn der in Alltagssprache gehaltene Text nicht ganz das Niveau seiner musikalischen Überhöhung erreicht. Mancher Satz wirkt dann etwas banal. Sängerisch bleibt kaum ein Wunsch offen.

Bassist Mischa Schelomianski singt die Titelpartie mit sonorer Würde, während Altistin Rena Kleifeld durch stimmliche Wärme für sich einnimmt. Mit Strahlkraft singt Sopranistin Theresa Nelles die Partie der Hagar. Nicht genug zu loben ist Dirigent Wolfgang Abendrot, der souverän die enorme Aufgabe bewältigt, Chor, Orchester, Bühnensänger zu koordinieren. Für ihn, die Sänger und den Komponisten Daniel Schnyder, der im Orchester das Saxofon-Solo übernahm, gab es viel Jubel in der Kirche.

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