Das Museum Kunstpalast zeigt Zeichnungen des barocken Künstlers Giovanni Battista Beinaschi. Er ist völlig unterschätzt - bisher.

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Giovanni Battista Beinaschis „Allegorie der Stärke“ (1665-1666), diese temperamentvolle Feder- und Pinselzeichnung, wird im Museum Kunstpalast gezeigt. Sie gehört zur Sammlung der Kunstakademie.

Giovanni Battista Beinaschis „Allegorie der Stärke“ (1665-1666), diese temperamentvolle Feder- und Pinselzeichnung, wird im Museum Kunstpalast gezeigt. Sie gehört zur Sammlung der Kunstakademie.

Horst Kolberg

Giovanni Battista Beinaschis „Allegorie der Stärke“ (1665-1666), diese temperamentvolle Feder- und Pinselzeichnung, wird im Museum Kunstpalast gezeigt. Sie gehört zur Sammlung der Kunstakademie.

Düsseldorf. Das Museum Kunstpalast besitzt mit der Sammlung Lambert Krahe einen Schatz, der auch 228 Jahre nach dem Tode des begabten Malers und bedeutenden Sammlers nicht vollständig gehoben ist. Der Schatz ist eine Dauerleihgabe der Kunstakademie, denn Krahe war zugleich der erste Direktor an der von Carl Theodor gegründeten Akademie. Allein 13 267 Handzeichnungen soll er zusammengetragen haben, darunter 250 Zeichnungen von Giovanni Battista Beinaschi (um 1634 - 1688), dem jetzt eine Ausstellung gewidmet ist.

Beinaschi ist völlig unterschätzt und unbekannt, zumindest nördlich der Alpen. Er stammt aus der Nähe von Turin, ging mit 17 Jahren nach Rom in die Stadt des Hochbarock, als Gian Lorenzo Bernini gerade den Vierströmebrunnen auf der Piazza Navona geschaffen und Francesco Borromini die Lateranbasilika barockisiert hatte. Er trat in die renommierte Accademia di San Luca ein, wo er die ersten Aktfiguren nach einem Modell in Rötel um 1651 ausführte.

Mutter und Kind studierte der Künstler in der eigenen Familie

Er fand Gefallen bei privaten Auftraggebern, weil er in seinen Figuren Werte und Gefühle zu transportieren verstand. So schuf er viele anmutige Mariendarstellungen, wobei eine junge Frau ihr Kind umarmt und in dieser innigen Geste an Andrea Mantegna erinnert.

Noch ist die Biografie nicht ganz entschlüsselt, aber soviel steht fest, dass er 1655 heiratete, zwei Jahre später kam seine erste Tochter zur Welt. Möglicherweise konnte er also die Bewegungen von Mutter und Kind in der eigenen Familie studieren. Seine Zeichnungen entstanden aus dem ursprünglichen Prozess des Schaffens, aber eben auch aus der persönlichen Anteilnahme heraus.

Seine Auftraggeber liebten die spätbarocken Geste in den Gefühlen und in den perspektivischen Verkürzungen seiner Bilder. Sie wussten auch moralische Appelle richtig zu lesen, den „bereuenden Petrus“ etwa, nachdem er Jesus dreimal verleugnet hatte. Im ausgeführten Gemälde soll es sogar eine Träne geben, die dem Sünder über die Wange perlt. Beinaschi stattete in Neapel, wohin er sich 1663 begab, Kirchen, Kapellen und Paläste aus, die in der von Erdbeben bedrohten Gegend oft nur in den Zeichnungen überdauerten. Interessant sind etwa die geradezu furiosen Studien zu den Kardinaltugenden, zu Nächstenliebe, Hoffnung und Stärke. Die Blätter wirken sehr modern in der freien Handschrift. Der dynamische Wirbel gen Himmel, den die Verkörperungen weiblicher Allegorien erzeugen, fasziniert noch heute. Beinaschi gilt als genialer Gestalter von Figuren in Untersicht, lagen die nach den Entwürfen ausgeführten Fresken doch oft unter der hohen Kuppel der Kirchen.

Das Museum Kunstpalast zeigt Zeichnungen des barocken Künstlers Giovanni Battista Beinaschi.

Der Künstler widerlegt die Behauptung, Neapel sei ohne zeichnerische Talente ausgekommen. Der Mann, der hinfort zwischen Rom und Neapel pendelte, scheint eine Freude daran gehabt zu haben, mit Tusche, Pinsel und Bleistift zu arbeiten. Im Blatt zum bethlehemitischen Kindermord etwa spielt er die mit dem Schwert fuchtelnden Männer gegen die angstvollen Frauen und ihre getöteten Kinder aus. Propheten wirbeln über Wolken empor und werden von Engeln gestützt, damit sie nicht aus dem Bildraum fliegen. Marienfiguren wiederum fahren in Bausch und Bogen gen Himmel, zeigen dabei allerdings erstaunlich realistisch ihre Fußsohlen.

Auf den farblich verschiedensten Papiersorten schuf er seine Werke. Voller Virtuosität und Freiheit. Zu hoffen ist, dass der Funke von Beinaschi auf die Studenten der Akademie überspringt, denn ursprünglich waren die Blätter angekauft, um als Vorbildsammlung für die nachfolgende Generation zu dienen.

Info: „Das Auge reist mit, G.B. Beinaschi zwischen Rom und Neapel“ nennt sich die Schau unter Kuratorin Sonja Brink im Museum Kunstpalast, Ehrenhof. Sie läuft bis 7. Oktober, Dienstag bis Sonntag 11-18, Donnerstag bis 21 Uhr. Katalog im Imhoff-Verlag, 49,95 Euro.

 

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