Adam Fischer setzt mit den Düsys den Haydn-Mahler-Zyklus in der Tonhalle fort

Kritik
Wenn Adam Fischer dirigiert, spielen die Düsseldorfer Symphoniker besonders fein und klar.

Wenn Adam Fischer dirigiert, spielen die Düsseldorfer Symphoniker besonders fein und klar.

Susanne Diesner

Wenn Adam Fischer dirigiert, spielen die Düsseldorfer Symphoniker besonders fein und klar.

Düsseldorf. Das Orchester sitzt buchstäblich auf der Stuhlkante, wenn Chef Adam Fischer die Arme hebt. Der Respekt der Düsseldorfer Symphoniker dem berühmten ungarischen Dirigenten gegenüber gilt als groß, und das spürt der Konzertbesucher in der Tonhalle. Ob in Haydns Trompetenkonzert oder Mahlers Erster Symphonie – es herrscht Hochspannung auf dem Podium. Das Programm beginnt wieder mit Haydn, aber diesmal erklingt keine Symphonie, sondern ein Solokonzert, das berühmte für Trompete und Orchester Es-Dur. Der Trompeter ist keiner unter den international bekannten Solostars, sondern ein Orchestermitglied: der junge Bassam Mussad, Sohn ägyptischer Eltern, aufgewachsen in den USA und seit 2014 im Team der Düsys. Seinen ersten solistischen Auftritt hatte er unlängst bei der Aufführung von Hans Werner Henzes Requiem. Jetzt stand er erstmals vor sehr großem Publikum mit einem Repertoire-Klassiker im Rampenlicht. Unterdessen zeigt Dirigent Adam Fischer einmal mehr, dass er auch einem romantisch geprägten Orchester wie den Düsseldorfer Symphonikern transparentestes Haydn-Spiel beibringen kann. Es ist immer wieder einer Freude zu hören, wie fein und klar das Orchester die klassischen Partituren in Klang umsetzt. Bassam Mussad meistert derweil seinen anspruchsvollen Part tadellos. Das Haydn-Konzert gehört zu den Pflichtstücken vieler Musikwettbewerbe und spielt auch bei der Bewerbung für eine Stelle im Orchester eine wichtige Rolle. Kein Wunder also, dass Mussad seinen Haydn perfekt drauf hat. Doch eine Neuheit gibt es für ihn: Er spielt auf einem Instrument, das der Tonhallen-Freundeskreis erst kürzlich für seinen Auftritt angeschafft hat. Dabei handelt es sich um eine Ventiltrompete, mit der insbesondere das Haydn-Konzert historisch authentisch dargeboten werden kann. Bei aller Korrektheit musiziert Mussad allerdings etwas eintönig. Seinem Klang fehlt das irisierende Strahlen mancher Trompetenvirtuosen. Dafür erfreute er mit einem kleinen Scherz, indem er in der Kadenz ein Zitat aus Gustav Mahlers 1. Symphonie einschmuggelte, dem zweiten Hauptwerk des aktuellen „Sternzeichens“. Mahlers „Erste“ dirigiert Fischer mit dem gleichen Sinn für Feinzeichnung wie das Haydn-Konzert: Das war ein Mahler wie mit dem Silberstift portraitiert. Nun gehören weder Fischer noch die Symphoniker zum Musikerkreis mit Mahler-Tradition. Der Klang-Regenbogen der Wiener Philharmoniker, des Concertgebouw Orkest oder des London Philharmonic will sich denn nicht unbedingt über das musikalische Geschehen wölben. Dennoch ist dies eine Interpretation von höchster Präzision und Plastizität. Bis auf einen ganz kleinen Patzer im 1. Satz intonierten am Freitagabend die Blechbläser, insbesondere die Horngruppe, wunderbar sauber und mit Sinn für feines, lyrisches Piano. Aber auch die virtuos-furiosen Stellen gelangen brillant, und zwar in allen Instrumentalgruppen. Tosender Beifall. Noch einmal heute, 20 Uhr, Karten: 0211/899 61 23.

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