Hermann Harry Schmitz wäre heute ein Superstar, meint sein Fanclub. Seit 25 Jahren widmet er sich dem Andenken des Satirikers.

Marco Huppertz, sein Vater Friedrich und Klaus Lehmann (v.li.) schätzen das Schräge. Dessen Vertreter Schmitz feiern sie im Uhrenturm.
Marco Huppertz, sein Vater Friedrich und Klaus Lehmann (v.li.) schätzen das Schräge. Dessen Vertreter Schmitz feiern sie im Uhrenturm.

Marco Huppertz, sein Vater Friedrich und Klaus Lehmann (v.li.) schätzen das Schräge. Dessen Vertreter Schmitz feiern sie im Uhrenturm.

Hermann Harry Schmitz starb mit 33. Vor 25 Jahren gründete sich die Societät, um die Erinnerung an den Düsseldorfer wach zu halten.

Sergej Lepke, Bild 1 von 2

Marco Huppertz, sein Vater Friedrich und Klaus Lehmann (v.li.) schätzen das Schräge. Dessen Vertreter Schmitz feiern sie im Uhrenturm.

Düsseldorf. Hermann Harry Schmitz mochte es gerne direkt. Am liebsten schoss er seinen Spott aus dem Stegreif ab. Was er zu sagen hatte, saß dann am allerbesten. Nur wenige konnten so galant auf dem Bürgertum herumhacken wie er. Heine natürlich, der dem Hermann ein so großes Vorbild war, dass er sich dessen Geburtsnamen „Harry“ zulegte. „Mit dem Schreiben aber hat sich Hermann gequält“, sagt Klaus Lehmann, früher stellvertretender Kulturamtschef und zweifelsohne seit jeher ein Verehrer des intelligenten Sprücheklopfers Schmitz (1880-1913).

Über ihn weiß er vermutlich besser Bescheid als über sich selbst. Deswegen ist das Amt des Ehrenpräsidents das Mindeste, was die Hermann Harry Schmitz Societät, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiert, ihm verleihen konnte. Lehmann gelang es vor wenigen Jahren in Schleswig-Holstein, den Lieblingsneffen von Hermann Harry Schmitz ausfindig zu machen. Er hatte es bis zum Realschuldirektor gebracht, ist inzwischen allerdings verstorben. Dieser Lieblingsneffe kam Lehmann ebenso gescheit vor wie der Onkel, was die Verbindung zwischen Verehrer und Verehrtem sicher noch einmal mehr gefestigt hat.

Der Ehrenpräsident spürte den Lieblingsneffen von Schmitz auf

„Ich habe Schmitz’ Literatur mit der Muttermilch aufgesogen“, sagt Lehmann, wenn man ihn danach fragt, wie es dazu kam, dass er dem Düsseldorfer Fabrikantensohn, der ursprünglich Kaufmann werden sollte, verfiel. Und er schiebt hinterher: „Hunderttausende Düsseldorfer haben ihn einmal verschlungen.“

Schmitz veröffentlichte in der Satirezeitschrift „Simplicissimus“ und schrieb regelmäßig eine Kolumne für den Düsseldorfer Generalanzeiger, dem Vorläufer der Westdeutschen Zeitung. Wenn die mal ausfiel, beschwerten sich die Leser. „Lebte Schmitz heute, wäre er ein Superstar“, glaubt Lehmann. Stattdessen jedoch muss die Societät darum kämpfen, die Erinnerung an ihn wach zu halten, denn der Literat und Dandy ist schon lange keine Berühmtheit mehr.

500 Mitglieder zählt die Societät, 70 von ihnen engagieren sich aktiv. Nach einer gelungenen Welturaufführung von Schmitz’ Theaterstück „Nr. 42“ (das in einem Irrenhaus spielt, dessen Patienten sich auf den Besuch eines einfältigen Königs vorbereiten) im Jahr 1989 beim Bücherbummel gründete sich im Folgejahr die Societät. Lehmann: „Wir sind kein Verein! Unsere Treffen dauern nie länger als fünf Minuten und 42 Sekunden.“

Er wurde 1880 in Düsseldorf geboren, wuchs an der Ellerstraße auf, zog später an die Schumannstraße. Ursprünglich sollte er Kaufmann werden. Hermann Harry Schmitz litt an einer schweren Lungenkrankheit. Als Ärzte ihm 1913 mitteilten, dass es keine Chance auf Heilung gab, erschoss er sich in Bad Münster am Stein. Er wurde nur 33 Jahre alt.  

In Auszügen: Am 12. April wird eine Cartoon-Ausstellung (11-13 Uhr) im Uhrenturm eröffnet, am 23. September, 19.30 Uhr, lesen die Kabarettisten Konrad Beikircher und Frank Meyer Werke von Hermann Harry Schmitz.

Grafenberger Allee 300, geöffnet von April (11.4.) bis Oktober, immer montags von 18 bis 20 Uhr. www.hermannharryschmitz.de

Lieber werden Ausstellungen, Lesungen, kabarettistische und musikalische Veranstaltungen organisiert, von denen eine Vielzahl im Societäts-eigenen Institut, dem Uhrenturm an der Grafenberger Allee, stattfindet. Seit 20 Jahren nutzt die Societät den Turm, was sie als das zweite kleine Jubiläum in diesem Jahr verstanden wissen möchte. „Damals wollte ihn niemand haben“, sagt Lehmann, weil sich, so meint er, „darin alle Tauben Düsseldorfs niedergelassen hatten“. Jugendliche der Jugendberufshilfe richteten den Turm her, wo man nun auf den drei winzigsten Etagen der Stadt dem geistigen Erbe von Schmitz’ gedenkt.

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