Düsseldorfer Galerie wandelt mit einer neuen Ausstellung auf den Spuren der unrühmlichen deutschen Vergangenheit.

Peter Barth in seiner Ausstellung „1914 und die Folgen“.
Peter Barth in seiner Ausstellung „1914 und die Folgen“.

Peter Barth in seiner Ausstellung „1914 und die Folgen“.

Melanie Zanin

Peter Barth in seiner Ausstellung „1914 und die Folgen“.

Düsseldorf. Von Berlin bis Bonn, von München bis Dresden - in der ganzen Republik erinnern derzeit Kunst- und Geschichts-Museen an das Epochenjahr 1914. An den Beginn des Ersten Weltkriegs, in dem manche Historiker heute die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts sehen.

Neben NRW-Kunsttempeln in Wuppertal, Essen und Köln ermöglicht nun auch eine Düsseldorfer Galerie, auf den Spuren der unrühmlichen Vergangenheit zu wandeln. „1914 und die Folgen“ nennt die Galerie Remmert und Barth eine kleine und feine Schau auf der Mühlenstraße 1, direkt am Burgplatz. Knapp 50 Bilder stehen hier zum Verkauf – aus den Kriegsjahren und der Nachkriegszeit. Darunter auch große Namen, wie Otto Dix, Max Beckmann und Karl Schmidt-Rottluff.

Max Beckmann begrüßte anfangs noch den Krieg

Gegliedert sind die Radierungen, Zeichnungen, Holzschnitte, Aquarelle und Ölbilder in Abteilungen, die jeweils einem Künstler gewidmet sind. Angereichert werden sie mit Textfahnen mit Zitaten der Künstler. Zacken und gebrochene Linien kennzeichnen die Wende vom Impressionismus weg zum Expressionismus, die von manchen während des Krieges vollzogen wurde: Sie dominieren auf den Radierungen, mit denen Max Beckmann (1884-1950) auf die ersten Kriegsopfer reagierte.

Beckmann, der wie viele seiner Künstlerkollegen anfangs den Krieg begrüßte und als freiwilliger Sanitäter in den Kriegsdienst eintrat, erkannte schnell in den mörderischen Kämpfen ein „nationales Unglück“. Bereits 1914 radierte er eine „weinende Frau“ – es war seine Schwiegermutter, die in den ersten Schlachten ihren Sohn verloren hatte. Von Trauer, Tod und Angst zeugen auch „Die Nacht“, „Die Gähnenden“ und die bizarre „Cafémusik“.

Käthe Kollwitz erkannte später, dass es kein gerechter Krieg ist

Wenn Käthe Kollwitz auch den Kriegsbeginn zunächst begeistert beurteilte, so erkannte sie doch ein Jahr später, dass dies kein gerechter Krieg sei. Und schreibt, dass die „Jugend in all’ diesen Ländern betrogen“ sei. Sie wandte sich später, wie die meisten Maler und Bildhauer, der politischen Linken zu, war begeistert vom Sozialismus. „Helft Russland“ titelt sie 1921 ein Plakat mit einem leidenden russischen Soldaten, der an Christus am Kreuz erinnert.

„1914 und die Folgen“. George Grosz - mit neun Lithografien, Hannah Höch unter anderem mit Aquarellen „Ewiger Kampf“ (1924) und „Requiem“ (1933), Otto Pankok unter anderem mit „Essende Familie“ von 1918, Karl Schmitt-Rottluff u.a. mit „Christus“-Holzschnitt von 1918.

Ausstellung läuft bis 27. Sept., Mühlenstraße 1, Preise ab 1800 Euro Di-Fr 10-18.30, Sa. 11-16 Uhr. Tel. 327436. Zu empfehlen ist das kleine Katalogheft „1914“ mit Abbildungen und Texten.

Noch mehr Infos unter www.remmertundbarth.de

Diese Lithographie ist eine Neuerwerbung von Herbert Remmert und Peter Barth, die sich vor Jahrzehnten schon auf die Kunst der 1910er und 20er Jahre spezialisiert haben, ihre Werke nur aus gesicherten Provenienzen beziehen und daher vor Fälschungen so gut wie gefeit sind.

Eine Entdeckung für den Kunstmarkt dürfte auch „Granattrichter (in Blütenform)“ sein. In Öl und Bleistift malte Otto Dix (1891-1969) dies farbenprächtige Motiv auf Karton. Es datiert von 1916: Dix zog als Freiwilliger in den Krieg, um zu erfahren, wie der Mensch in Extremsituationen agiert. Er war besonders an den düsteren Seiten interessiert und malte selbst im Schützengraben. 1916 nahm er als Unteroffizier u.a. an der Schlacht an der Somme teil. Genau dort ist vermutlich dieses Bild in leuchtenden Rot-weiß-grün-Kontrasten entstanden. Leichenberge und die Not-Beerdigung eines Soldaten auf dem Feld erkennt man auf den Radierungen, die Dix erst 1922, in Erinnerung an die Kriegsgräuel schuf.

Eine Sonderstellung nimmt Ludwig Meidner (1884-1966) ein. In seinen „Apokalyptischen Landschaften“ von 1912/13 wird deutlich, dass er den sich abzeichnenden Weltenbrand voraussah und von düsteren Vorahnungen geplagt war. Um bedeutende Menschen und Künstler für die Nachwelt zu erhalten, porträtierte er sie vor und nach dem Krieg. So auch den Filmschauspieler Paul Graetz, der 1933 mit Max Reinhardt nach New York emigrierte.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer