Schätzings „Limit Live“ – eine ungewöhnliche Buchpräsentation in der Tonhalle

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Mit einer klassischen Lesung hatte Frank Schätzings multimediale Buchvorstellung wenig gemein.

Mit einer klassischen Lesung hatte Frank Schätzings multimediale Buchvorstellung wenig gemein.

dpa

Mit einer klassischen Lesung hatte Frank Schätzings multimediale Buchvorstellung wenig gemein.

Düsseldorf. Frank Schätzing ist seiner Zeit voraus. Nicht bloß, weil sein neuer Roman in der Zukunft spielt. Seine Buch-Promotion hat mit einer Autorenlesung etwa so viel zu tun wie der Fahrstuhl zum Mond mit einer Leiter. Einen Aufzug ins All gibt es in Schätzings Thriller "Limit", den er in der ausverkauften Tonhalle mit einer Multimedia-Show präsentierte.

"Limit live" beginnt kosmisch: Auf der großen Projektionsfläche entfernt sich die Erde, der Mond taucht auf, dann blickt das Publikum in Sterne und Milchstraßen. Dazu braust sphärische Musik - allerdings in einer Qualität, die der Tonhalle nicht ganz angemessen ist.

Aber ein Live-Orchester wäre wohl zuviel verlangt. Frank Schätzing betritt die Bühne in legerer Kleidung und liest eine Szene vor, in der ein Roboter zu doof ist, ein kaputtes Teil an der Weltraumstation zu reparieren, und ein Mann beim selben Versuch ins All geschleudert wird.

Schätzing plaudert mit Publikum und Figuren auf der Leinwand

Das ist zunächst auch nur Lesung mit Musik, aber das ändert sich bald. Eine Nachrichtensendung aus dem Jahr 2025 führt auf witzige Weise (man feiert gerade Heesters 123. Geburtstag, der 1.FC Köln spielt in der Bundesliga) in die Zeit der Handlung ein. Es gibt Spannungen zwischen China und den USA, die auf dem Mond um den Abbau von Helium-3 konkurrieren, das alle Energieprobleme lösen könnte.

Und dann fährt Schätzing zu großem Entertainerformat auf: Er unterhält sich mit seinen Figuren auf der Leinwand (darunter Jan Josef Liefers) ebenso locker wie mit dem Publikum, diskutiert die Probleme von Prognosen, die unsicher und viel zu düster seien. "Die Zukunft ist ein großer, leerer, gestaltbarer Raum", ermutigt er, "und die beste Art sie vorauszusagen ist, sie zu erfinden!"

Frank Schätzing, 1957 in Köln geboren, arbeitete in der Werbung. Als Schriftsteller publizierte er zunächst historische Krimis, bis ihm 2004 mit "Der Schwarm" der große Wurf gelang. Der Bestseller der Tiefsee (2 Millionen Auflage) wird derzeit verfilmt. Der Thriller "Limit" ist zugleich Einführung in Astrophysik, Weltraumforschung und Energiepolitik. (Kiepenheuer & Witsch, 1328 S., 26 Euro)

Das vorwiegend junge Publikum in der Tonhalle hing an Schätzings Lippen, ließ sich von der Entstehung des Mondes erzählen, von fliegenden Autos und den Vorzügen eines Fahrstuhls zum Mond.

Manchmal fühlte man sich wie bei "Quarks und Co.", dann wieder wie in einer Comedy-Show, wenn der Kölner genüsslich ausmalte, wie Sex in der Schwerelosigkeit funktioniert, nämlich mit Hindernissen! Bei allem gelang es Frank Schätzing, seine Faszination an den naturwissenschaftlichen Themen auf die Zuschauer zu übertragen. Sie dankten es ihm mit einem Run auf die Büchertische.

© WhatsBroadcast

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