Zu zwei ausverkauften Konzerten kommen fast 24 000 Fans und feiern die Band enthusiastisch.

Konzert
Sammy Amara rockte mit seinen Broilers den Rather Dome.

Sammy Amara rockte mit seinen Broilers den Rather Dome.

David Young

Sammy Amara rockte mit seinen Broilers den Rather Dome.

Düsseldorf. Düsseldorf hat sich neu verliebt. Und mitten drin im Schwall dieser Liebe, die mit Schreien und Singen und Klatschen und Tanzen durch den Rather Dome walzt, steht Sammy Amara. Er ist in diesem Moment, nach zwei Konzerten über insgesamt fünfeinhalb Stunden, nicht mehr nur der Frontmann der Broilers und der Sänger einer Punkrockkapelle, die vor 20 Jahren von ein paar Halbstarken im piefigen Süden der Stadt gegründet wurde. Sammy Amara ist jetzt Anführer einer Band, die als erste in den Beliebtheits-Fußstapfen der Toten Hosen steht und dabei nicht stolpert.

Fast 24 000 Menschen sind an zwei Abenden hintereinander zu den Broilers gepilgert. Jeder einzelne von ihnen erlebt eine Blaupause der Punkmusik in Größe XXL, einen Triumph der Musikleidenschaft und eine Lektion in Sachen Heimatliebe. „Düsseldorf, Heimatstadt!“ ruft Sammy Amara ins Mikrofon. „Tanzt Du noch einmal mit mir?“ Und die Masse schwingt die Hufe. Der krude, wilde Oi!-Punk der frühen Broilers-Jahre kommt ebenso dran wie die Songs der Gegenwart mit ihren ausgeklügelten Arrangements aus wohldosierter Aggression und umwerfender Eingängigkeit.

Old-School-Puristen über 40 und Teenager mit Band-Fahnen

Vor der Bühne schütteln sich die Old-School-Puristen über 40 mit Kurzhaarfrisur, Fred-Perry-Pullis und Doc-Martens-Schuhen. Und es schütteln sich die Teenager, die am Konzerttag schon ab morgens vor dem Dome standen, um in der ersten Reihe zu stehen. Kleine Mädchen werden zu „Ich brenn’“ auf Jungenschultern gehievt und schwenken Band-Fahnen. Und überhaupt „Ich brenn’“: Irgendwie steht dieser episch-melancholische Song trotz der vielen Punk-Brecher auf der Liederliste im Zentrum der Broilers-Welt.

Denn wer das Quintett auf der Bühne sieht, der schaut tatsächlich fünf Musikern dabei zu, wie sie brennen - und zwar für das, was sie da tun und auf jene Leute loslassen, die angefixt von der Euphorie bengalische Fackeln entzünden, Papierrollen und Konfetti schmeißen, Luftballons aufsteigen lassen und Bier verspritzen. Und bei all dem sind die Broilers bodenständig bis zum Geht-Nicht-Mehr. Da geben sie sich stur. Die Neo-Rockstars wollen nah bei den Leuten bleiben - und erzählen von ihrer Vergangenheit im Hellerhofer „U-Block“-Hochhaus und in „schimmeligen Schulkellern zwischen Garath und Urdenbach“. Orte, denen sie selber zwar irgendwann entflohen, an denen ihre Fans aber nach wie vor zuhause sind. Die Broilers tragen sie weiter im Herzen und schreiben ihre Lieder darüber.

Am zweiten Konzertabend stürzt Campino von den Toten Hosen auf die Bühne und singt kurz mit. Der Kopf der größten Düsseldorfer Lieblinge aller Zeiten wird dabei vielleicht nicht Zeuge seiner eigenen Wachablösung. Das wäre zu weit gegriffen. Aber er muss erkennen, dass seiner Band nur noch die Hälfte der zum Bersten mit Punkrockliebe vollgepfropften Heimat-Herzen gehört.

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