Konsequente und ästhetisch überzeugende Uraufführung von Ben J. Riepes Performance „Carne Vale!“ in der Kunsthalle.

Konsequente und ästhetisch überzeugende Uraufführung von Ben J. Riepes Performance „Carne Vale!“ in der Kunsthalle.
Extravagante Kostüme sind ein Markenzeichen des Choreografen Ben J. Riepe.

Extravagante Kostüme sind ein Markenzeichen des Choreografen Ben J. Riepe.

Der Choreograf Ben J. Riepe.

Ben J. Riepe, Bild 1 von 2

Extravagante Kostüme sind ein Markenzeichen des Choreografen Ben J. Riepe.

Düsseldorf. Extravagante Kostüme sind ein Markenzeichen des Choreografen Ben J. Riepe. Durch seine Kunstwelten bewegten sich schon Cowboys mit rosafarbenem Anzug und passendem Hut, Männer auf High Heels und pinke Prinzessinnen-Figuren. Der Körper als Objekt, die Demaskierung von Optik sind seit über zehn Jahren sein Ding. Von daher verwunderlich, dass der Grenzgänger zwischen bildender und darstellender Kunst erst jetzt das kostümierte, jecke Treiben für sich entdeckt: „Carne Vale!“ feierte pünktlich zum Karnevalsbeginn Uraufführung in der Kunsthalle. Nur: Diesmal sind seine Tänzer die meiste Zeit – nackt.

Auf den langatmigen Beginn folgt die Ekstase

Die Ohrstöpsel am Einlass lassen eine wilde Party vermuten. Dabei hat Riepe sich weniger vom rheinischen Pappnasen-Fest inspirieren lassen. Er war zu Jahresbeginn in der Karnevalszeit in Brasilien. Dort hat ihn das Ur-Menschliche der Zeremonien fasziniert. In Südamerika haben die schwarzen Sklaven den Karneval von den weißen Kolonialherren aufgegriffen. Ihr Körper- und Tanzkult mit seiner Vermischung der Ethnien ist in „Carne Vale!“ eingeflossen.

Konsequente und ästhetisch überzeugende Uraufführung von Ben J. Riepes Performance „Carne Vale!“ in der Kunsthalle.
Extravagante Kostüme sind ein Markenzeichen des Choreografen Ben J. Riepe.

Extravagante Kostüme sind ein Markenzeichen des Choreografen Ben J. Riepe.

Der Choreograf Ben J. Riepe.

Stefan Arend, Bild 1 von 2

Der Choreograf Ben J. Riepe.

Riepes Orgie der Enthemmung lässt sich langatmig an. Auf einem weißen Podest wärmen sich vier Tänzer in knallbunten Kniebundhosen tippelnd und federnd auf. Allmählich nur steigern sich ihre Aktionen, bis sie sich irgendwann ihrer Kleider entledigen. Martialisches Stampfen hallt durch den Raum, immer wilder und lauter gebärden sie sich, stoßen rhythmisch Papprohre auf den Boden, schreien und stöhnen, blasen in meterlangen Rohre wie in Alpenhörner. Kurz: Sie lassen die phallisch aufgeladene Sau raus. Daniel Ernesto Müller tanzt mit Kuhglocken um die bloßen Hüften, Petr Hastik balanciert selbstvergessen ein Rohr auf dem Kopf, Sudeep Kumar schlägt sich damit immer wieder gegen die Brust, Simon Hartmann zieht sich eine Papiertüte mit Sehschlitzen über den Kopf. Später werden alle Vier sich mit Klebeband Pappstücke an Körper und Gliedern befestigen. In der Bewegung stark eingeschränkt, werden sie ächzen und aggressiv werden.

Ben J. Riepe legt leise schmunzelnd das Ur-Tier im Menschen bloß. Ohne brutal, vulgär oder abstoßend zu werden - was für das Stück spricht. Dabei zelebriert das Männer-Quartett archaische Rituale, hebt so die existenzielle Bedeutung von Gemeinschaft hervor. Konsequent und ästhetisch überzeugend: In der Ekstase wie in der jeweils folgenden katerartigen Ruhephase finden die Vier zu einem gemeinsamen Rhythmus. Fazit: Riepes Karneval der Ur-Instinkte ist erbaulicher als manches jecke Gelage.

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