Künstlerin Gabriele Horndasch verarbeitet Sprache und Zelluloid zu neuen Werken.

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Alte Lichtkästen hat Gabriele Horndasch zu neuem Leben erweckt.

Alte Lichtkästen hat Gabriele Horndasch zu neuem Leben erweckt.

Bernd Nanninga

Alte Lichtkästen hat Gabriele Horndasch zu neuem Leben erweckt.

Düsseldorf. Das Material, aus dem Filme sind, hat es Gabriele Horndasch angetan. Die Düsseldorfer Künstlerin arbeitet häufig mit Projektionen. Sie hat 567 Synonyme für das Wort "Prostituierte" recherchiert, alphabetisch geordnet und mit einer Nadel in Filmschnipsel gekratzt.
 
Diese zog sie in Dia-Rahmen und projiziert sie auf bespannte Rahmen. "Altemeisterin" steht da, "Amateuse", "Ambulante" und "Amüsierfleisch", "Zwicke", "Zwitscherliese", "Zwanzig-Mark-Mädchen" aber auch "Asphaltantilope" und schlicht "Haus" - alles Worte, die Freier benutzen, um nicht "Hure" sagen zu müssen.

Der Sprachcode der Freier war Gabriele Horndasch neu

"Dieses Spiel mit der Sprache hat Spaß gemacht. Ich war fasziniert, dass es da einen Sprach-Code der Freier gab, den ich noch nicht kannte", sagt die 38-jährige Wahl-Rheinländerin und Meisterschülerin von Professor Irmin Kamp. Sie gab ihrer Installation den Titel "Haus", denn dieses Synonym gefällt ihr besonders:
 
"Da fehlt ja nur noch das ,zu’ damit daraus ,zuhause’ wird." Erstmals zu sehen war Horndaschs Ausstellung, in einem Nürnberger Etablissement bei "Kunst im Bordell", einer Veranstaltung des Hurenvereins Kassandra. Jetzt hängt die Installation im Berliner Kunstamt Tempelhof-Schöneberg im Rahmen der Ausstellung "sexwork".

Eine andere Arbeit Horndaschs hängt zurzeit in der "Großen Düsseldorfer". Auch das Werk hat engen Bezug zum Thema Film, allerdings kommt sie ohne Zelluloid aus. Trotzdem beschwört sie den Glanz einer vergangenen Kino-Epoche.

Horndasch hat den alten, ausgedienten Lichtkasten der Lichtburg an der Kö abmontieren lassen und zerschnitten. Die drei Teile zieren nun wieder Film-Titel: zum Beispiel "Cerveza Gratis", "L’oeuvre immortelle" und "Just Another Blonde". Jeden Donnerstag wechselt das Programm, wie im realen Kino. Doch die Filme auf Horndaschs Kunstwerk "Lichtburg" gibt es schon längst nicht mehr.

Sie erklärt: "80 Prozent der Filme, die bis in die 50er Jahre gedreht wurden, sind physisch vernichtet." Lediglich die Titel sind noch überliefert. Horndasch hat sie recherchiert und 30 auf den Tafeln arrangiert. So konnte sie zehn Wochen "Programm" bestreiten für die Ausstellung "klasse kamp kunstakademie düsseldorf 1974-2006" in der Kunsthalle.

Die Ausstellung "Große Düsseldorfer" im Ehrenhof ist noch bis 11. März geöffnet.
 
Gabriele Horndasch

geboren: 1969 in Aschaffenburg, lebt heute in Düsseldorf.

Kunstakademie: Diplom in Kommunikations-Design an der FH Nürnberg, anschließend Studium Film und Bildhauerei an der Düsseldorfer Kunstakademie, seit 1997 ist sie Meisterschülerin von Professor Irmin Kamp.

Ausstellungen: Teilnahme an den Kunsthallen-Ausstellungen "Klasse Kamp" und "Weißer Würfel".

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