Stefan Strumbel hatte seinen Auftritt mit gelbem Hut und lackierten Zeitmessern in der Galerie Springmann.

Ausstellung
Stefan Strumbel mit einer seiner Kuckucksuhren in der Mühlengasse.

Stefan Strumbel mit einer seiner Kuckucksuhren in der Mühlengasse.

HM

Stefan Strumbel mit einer seiner Kuckucksuhren in der Mühlengasse.

Düsseldorf. Stefan Strumbel aus Offenburg begann als Straßenkünstler und besprühte schon als Kind Mauern oder Eisenbahnwaggons mit Graffiti. Von der Straße ist er weggekommen. Stattdessen besprayt er mit dem Segen der katholischen Kirche als erster Graffiti-Künstler das Innere einer Dorfkirche in Goldscheuer bei Kehl. Ein Schwarzwaldmädchen mit Trachtenhut ersetzt die Madonna. Dazu beschäftigt er Holzschnitzer für Kuckucksuhren und Kirchenschmuck, die nach seinen Ideen arbeiten. Nun eröffnete er seine erste Schau im Rheinland, in der Galerie Springmann.

In Düsseldorf wirkt der 32-Jährige mit dem kleinen gelben Hut wie ein Exot. Das liegt nicht nur an seiner besonderen Leidenschaft für Kuckucksuhren, sondern auch an der Botschaft, die er damit verkündet: „Ich will mit meinen Werken ein Stück Heimat transportieren. Jeder soll sich damit auseinandersetzen.“

Strumbel benutzt Motive, wie sie in Dorfkirchen im Schwarzwald bekannt sind, also Erntedank-Objekte, Heilig-Geist-Tauben, Eichenlaub, blasende Engel, aber auch Knochen. Dieses Sammelsurium aus Kunst, Kitsch, Kirche und Devotionalien wird in Holz geschnitzt, weiß oder farbig angestrichen und mit Klavierlack zum Glänzen gebracht, so dass die Accessoires fast wie Keramiken ausschauen.

„Heimat ist Geborgenheit und Wohlgefühl. Es ist ein positiver Wert, der vor allem in der Fremde begriffen wird.“

Stefan Strumbel, Künstler

Erlaubt er sich da etwa einen Spaß mit der Kirche? „Mir geht es nicht ums Spiel, auch Kirche ist Heimat. Ich habe Postkarten aus aller Welt mit Grüßen an die Freunde an die Wand gehängt.“

Über eine Bemerkung aus dem Publikum zur Vernissage freute er sich besonders. Einen „Jeff Koons für Deutschland“ nennt ihn jemand. Koons ist ein US-Künstler, der übergroße Comic-Figuren und -Objekte aus Kunststoff oder Stahl erschafft.

Als erster Deutscher gestaltete er die Titelseite des Time Magazines

Stefan Strumbel (32) hat kein Abitur gemacht und nicht Kunst studiert.

Galerie Henrik Springmann, Mühlengasse 3, bis 3.6., di. - fr., 11 - 18 Uhr

 

www.galeriespringmann.de

Strumbel ist jedoch im Gegensatz zu dem Amerikaner nicht ironisch, nicht subversiv. Er glaubt an sich und seine Botschaft. So lässt er einen jungen, hageren Mann mit einer Kuckucksuhr zur Vernissage tätowieren. Das ist „Heimat forever“, sagt er.

Strumbels Figuren sind noch keine Millionen Dollar wert – wie die von Koons. Jedoch hat er es aus seinem heimeligen Offenburg künstlerisch in die Welt hinaus geschafft. Vor einigen Tagen gestaltete er die Titelseite des Time Magazines mit einem „T-Kunstwerk“. Jährlich lädt die New York Times einen Künstler dazu ein. Im vergangenen Jahr legte Koons Hand an das „T”. Nun wurde dem Mann aus dem Schwarzwald die Ehre zu Teil – als erstem deutschen Künstler.

Er ist offensichtlich inzwischen auf dem besten Weg zum Erfolg. Seine Kuckucksuhr im Eingang zur Galerie ist riesengroß, mit Uhrwerk, weißen Knochen, Eichenblättern, Putten und Totenkopf ausstaffiert. Abends leuchten kleine bunte Lämpchen wie in einer Kirmesbude. Ein kunstvoll arrangiertes Spektakel.

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