Düsseldorfer und internationale Künstler stellen in Oberkassel aus.

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Bärbel und Matthias Kellermann zeigen in ihrer Galerie Streetart, mit der sie Geld verdienen und Gutes tun wollen.

Bärbel und Matthias Kellermann zeigen in ihrer Galerie Streetart, mit der sie Geld verdienen und Gutes tun wollen.

Judith Michaelis

Bärbel und Matthias Kellermann zeigen in ihrer Galerie Streetart, mit der sie Geld verdienen und Gutes tun wollen.

Düsseldorf. Ein Mädchen sitzt auf dem Boden. Inmitten von Zauberwürfel und Bauklötzen, die es jedoch nicht beachtet. Stattdessen schaut es gebannt auf sein iPad. „Technology“ heißt dieses Stencil (Schablonenkunst) auf Holz. Ein Junge sitzt auf dem Boden. Seine Hände halten eine Axt. Neben ihm blüht eine Maispflanze. Dessen Kolben hat die Form eines Totenkopfes. „Monsanto“ heißt dieses Stencil auf Holz, benannt nach einem Biochemie-Hersteller.

Beide Bilder sind Werke der Streetart-Künstler Icy & Sot – zwei von acht Stencils der in Brooklyn lebenden Iraner, die es nach Europa geschafft haben. Genauer: in die Galerie Kellermann in Oberkassel. Dort sind sie zusammen mit anderen ausgewählten Streetart-Werken noch bis zum 29. März zu sehen.

Straßenkunst ist oft kritisch und beteiligt sich an aktuellen Diskursen. So wie „Technology“ und „Monsanto“. Eines stellt den technikverfallenen Zeitgeist infrage, das andere positioniert sich in der hochaktuellen Genmais-Debatte – im Gegensatz zur Bundesregierung, die sich bei der EU-Abstimmung Anfang Februar ihrer Stimme enthielt.

Nicht jedes Werk hat automatisch eine Botschaft

„Playing for Chance“ heißt die Streetart-Ausstellung in der Galerie – benannt nach einem Hilfsprojekt, das mit der Schau unterstützt wird. Neben Icy & Sot werden hier auch Kurar und Zalez aus Frankreich sowie Oni, kurznachzehn und L.E.T. aus Düsseldorf gezeigt. Sie alle setzen sich in ihrer Kunst mit der Gesellschaft auseinander, üben Kritik, hinterfragen und überdenken Sachverhalte. Was jedoch nicht heißt, dass jedes Werk automatisch eine Botschaft hat.

Der Mehrwert der Streetart entsteht oft erst aus ihrem Kontext in den urbanen Strukturen einer Stadt. Wie bei den Werken von kurznachzehn, auf denen häufig Kinder zu sehen sind. Wenn ein kleines Mädchen mit geflochtenem Zopf und Kleid mitten im Grau der Stadt einen knallgelben Löwenzahn pflückt, wirkt das irritierend. Der Kontrast ist entscheidend.

Die Ausstellung ist bis zum 29. März in der Galerie Kellermann, Cheruskerstraße 105, zu sehen. Am 7. Und 21. März gibt es Cocktails ab 19 Uhr.

Sebastian Hartmann Online gibt aktuelle Informationen zum Streetart-Geschehen in Düsseldorf bekannt, im Blog streetartmag.wordpress.com

Ebendies ist das Berührende an der Streetart. Es ist keine sterile, museale oder Galerien vorbehaltene Kunst ist. Es ist Kunst, die jedermann unvorbereitet im Alltag begegnet und trifft. Kunst, die im Vorbeigehen wahrgenommen wird und durch ihre Unmittelbarkeit Reaktionen beim Betrachter provoziert.

L.E.T. zum Beispiel: Er setzt sich in einigen der Paste-Ups (Plakate), die in der Galerie Kellermann zu sehen sind, mit dem Streben nach Perfektion auseinander. Da steht ein Junge in Sandalen mit einer Medaille in der Hand, auf der eine große Zwei steht. Ein anderer blickt den Betrachter eindringlich an: „Not Perfect. True“ (dt.: „Nicht perfekt. Echt“) steht auf seinem Pullover. Es geht nicht darum, Perfektion zu erreichen. Es geht darum, authentisch zu sein, sich treu zu bleiben.

Alle Werke, die jetzt an den Wänden der Galerie Kellermann hängen, waren bereits irgendwo auf dieser Welt Teile des Stadtbilds – auch in Düsseldorf. Das Blumenmädchen von kurznachzehn begegnet einem immer wieder an verschiedenen Orten. Auch den eindringlichen Blick des Jungen von L.E.T. sieht der aufmerksame Düsseldorfer regelmäßig. Und seit einem Dreivierteljahr begegnet man auch der vielfältigen Kunst von Oni immer wieder.

Die Preise für die Straßenkunst liegen zwischen 380 und 3950 Euro

Wer die Kunst kaufen möchte, muss zwischen 380 und 3950 Euro hinblättern. Zehn Prozent der Einnahmen werden gespendet. Außerdem die Einnahmen durch T-Shirt-Verkauf und Cocktail-Abende. „‚Playing for Change‘ ist eine Organisation, die Straßenkinder auf der ganzen Welt mit Kunst- und Musikprojekten fördert. Das passt natürlich sehr gut zu einer Ausstellung, die Streetart zeigt“, sagt Galerist Matthias Kellermann.

© WhatsBroadcast

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