„Spiegel der Seele“ heißt die Schau zur Romantik.

Museum Kunstpalast
Wie ein Paradiesgarten wirkt Carl Blechens „Kirchenruine“.

Wie ein Paradiesgarten wirkt Carl Blechens „Kirchenruine“.

Horst Kolberg

Wie ein Paradiesgarten wirkt Carl Blechens „Kirchenruine“.

Düsseldorf. Jahrhundertelang diente die Landschaft als Kulisse. Sie rahmte das Geschehen, in dem Figuren aus der Bibel oder der Historie im Mittelpunkt standen. Doch Ende des 18. Jahrhunderts gab es Ereignisse, die die Kunst verändern sollten. 1790 wurde der Bleistift erfunden, der sich leicht in der Wandertasche verstauen ließ. Zugleich liebten die Künstler die Natur, nicht als Staffage, sondern als „Spiegel der Seele“. Unter diesem Titel präsentiert Gundula Luyken, Leiterin der Grafischen Abteilung, eine sehenswerte Ausstellung.

Passé sind Hofmaler und Zünfte. Die neu gegründeten Kunstakademien bringen ihre eigenen Künstler hervor. Und diese atmen die frische Luft in Bergen und Tälern, Flora und Fauna. Aus über 6000 Blättern im Museum wählte Luyken 55 Blätter aus, eine Blütenlese romantischer Landschaften. Zeichnungen und Aquarelle treten nun gleichberechtigt neben das Ölbild. Und die Landschaft behauptet ihren Platz neben Königen und Kaisern.

Ein ehemaliger Priester steht am Beginn der romantischen Malerei

Die Schau beginnt bei Johann Georg von Dillis, dem ersten Lehrstuhlinhaber seit 1808 an der Münchner Kunstakademie. Bezeichnenderweise war Dillis zuvor Priester, die Natur bedeutete ihm also eine göttliche Inspiration. Er schickte seine Studenten nach draußen und suggeriert in seinen eigenen Feder- und Bleistiftzeichnungen das Licht und die Farbe, die die Münchener Schule zum Zentrum der Kunst im 19. Jahrhundert machte.

Die zweite richtungweisende Schule entstand unter Adrian Zingg in Dresden. Er gilt als Vorreiter der romantischen Schule an der Elbe. Seine feinen Schattierungen zeugen von einer meisterhaften Technik, die Caspar David Friedrich inspirieren sollte.

Nach München und Dresden wurden Berlin und Düsseldorf wichtig für die Landschaftsmalerei. Im Ehrenhof ist ein herrliches Blatt von Carl Blechen zu sehen, dem Hauptvertreter der Romantik in Berlin. Blechen war zeit seines Lebens ein verkannter Architekt. So baute er Natur und Baukunst zu einer „gotischen Kirchenruine“. Zwischen Kirchenschiff und Pflanzen machte er keinen großen Unterschied. Seine Kunst ist modern, indem er Lichter nicht mit Deckweiß pinselt, sondern durch Aussparungen erzeugt.

Es gibt viel zu entdecken in dieser Schau, nicht nur die Düsseldorfer Brüder Oswald und Andreas Achenbach, die für Kolossalgemälde bekannt sind, aber auch im Kleinformat brillieren. Johann Christoph Erhards Campagna-Landschaften beweisen ein feines Gespür für malerische und grafische Valeurs. Heinrich Dreber macht es seinen Kollegen vor, wie man mit einem Bleistift eine Kunst entwickelt, die in den Helldunkelkontrasten, den „farbigen“ Flächen und der stimmigen Komposition Qualitäten eines Ölbildes hat. Die Romantik war eine hohe Zeit der Kunst auch in der Zeichnung. Damals gab es ja nicht nur Caspar David Friedrichs einsame Wanderer.

Öffnung: Ehrenhof, bis 26. Januar, Dienstag bis Sonntag 11-18 Uhr

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