Sabine Brenner-Wilczek will Heine-Institut und Schumann-Haus verbinden. Die Straße soll zum kulturellen Symbol werden.

Sabine Brenner-Wilczek möchte die kulturellen Diamanten an der Bilker Straße zum Leuchten bringen.
Sabine Brenner-Wilczek möchte die kulturellen Diamanten an der Bilker Straße zum Leuchten bringen.

Sabine Brenner-Wilczek möchte die kulturellen Diamanten an der Bilker Straße zum Leuchten bringen.

Sabine Brenner-Wilczek möchte die kulturellen Diamanten an der Bilker Straße zum Leuchten bringen.

Düsseldorf. Heine-Institut und Schumann-Haus befinden sich in trauter Nachbarschaft an der Bilker Straße. Jetzt rücken die Robert-Schumann-Gesellschaft und die Leiterin des Heine-Instituts, Sabine Brenner-Wilczek, auch inhaltlich zusammen.

Anlass für die Kooperation ist der 175. Geburtstag der „Dichterliebe“, Schumanns weltberühmtem Liederzyklus aus vertonten Heine-Gedichten. „Ich finde es wichtig, dass man die Nachbarschaft sehr viel mehr betont“, sagt Irmgard Knechtges-Obrecht, Vorstandsmitglied der Schumann-Gesellschaft. „Straße der Romantik und Revolution“ soll die Kulturmeile zwischen Carlsplatz und Schwanenmarkt im Jubiläumsjahr heißen. Im Wohnhaus der Schumanns befindet sich die kleine Gedenkstätte. Die eigentliche Wohnung auf der Beletage steht indes seit Jahren leer.

Frau Brenner-Wilczek, Sie wünschen sich eine Straße der Romantik und Revolution. Wie wollen Sie die Bilker Straße verändern?

Sabine Brenner-Wilczek: Die Bezeichnung „Romantik und Revolution“ trifft auf Heine und auf Schumann gleichermaßen zu. Ich fände es schön, wenn sich anknüpfend an das Jubiläumsjahr „175 Jahre Dichterliebe. Heine@Schumannn2015“ mit der Schumann-Gesellschaft eine Fortsetzung ergeben würde, um die Straße zu präsentieren und auch, um ein Symbol zu setzen.

Für wen soll das stehen?

Im Heine-Institut und der Schumann-Gedenkstätte führen Sabine Brenner-Wilczek und Irmgard Knechtges-Obrecht durch die Schätze der Archive und erzählen Geschichten rund um Heine und Schumann: Mittwoch, 25. März, 15.30 Uhr.

Musikwissenschaftler Michael Beiche und Pianist Damien Erhardt, beide Herausgeber der Schumann-Gesamtausgabe, demonstrieren an Schumann-Klavierwerken, den „Symphonischen Etüden“ op. 13 und der Sonate „Konzert ohne Orchester“ op. 14 die Unterschiede zwischen Neuausgabe und herkömmlichen Editionen: 25. März, 17 Uhr, Palais Wittgenstein.

Bei der Nacht der Museen am Samstag, 18. April, 19 Uhr bis 2 Uhr, gibt’s ein literarisch-musikalisch-kulinarisches Programm in Heine-Institut und Schumann-Gedenkstätte.

Brenner-Wilczek: Das Heine Institut hat im vergangenen Jahr seine neue Dauerausstellung mit dem Titel „Romantik und Revolution“ eröffnet. Wir sitzen gerade im Salonraum, in dem es um Heine, die Musik und gesellschaftliches Leben geht. Und über die Bilker Straße hinweg liegen Kammermusiksaal und die Schumann-Gedenkstätte.

Was bedeutet das konkret?

Brenner-Wilczek: Der Start ist mit dem aktuellen Programm gemacht. Für die große Öffentlichkeit vor allem am 18. April zur Nacht der Museen. Dann ist erstmals auch die Schumann-Gedenkstätte in Kooperation mit der Schumann-Gesellschaft und der Clara-Schumann-Musikschule mit dabei. Auf der Bilker Straße liegen so viele Diamanten zur Musik und zur Literatur vor Ort, die muss man jetzt nur noch zum Leuchten bringen.

Was motiviert Sie, das Konzept Ihrer Dauerausstellung auf die andere Straßenseite hin auszuweiten?

Brenner-Wilczek: Unter Heines Zeitgenossen gab es die gesamte Bandbreite von Bewunderung bis zu purem Hass. So etwas wird deutlich an einem kulturellen Klima. Düsseldorf wurde ja auch das Weimar am Rhein genannt, mit der Düsseldorfer Malerschule, den Musikern und dem Theater – da birgt diese Straße ein enormes Potenzial. Das Schumann-Wohnhaus etwa - das einzige Wohnhaus des Komponisten mit historischer Bausubstanz. Blickt man auf das Schumann-Porträt hier im Salon, das auch an der Bilker Straße entstanden ist, blickt man auf seine verengte Stirn. Auf das, was ihn neben der Musik bewegt hat, was auch zum Selbstmordversuch am Rhein zu karnevalesken Zeiten geführt hat. Höraffektionen, Halluzinationen, all solche Dinge. Ich glaube, dass sich Geschichte, Geschichten, Literatur und Musik so verorten lassen.

Was haben Sie Ihren Besuchern zu bieten?

Brenner-Wilczek: Wir haben eine der größten Schumann-Sammlungen weltweit. Diese muss stärker präsentiert werden. Mit rund 35 eigenhändigen Musikmanuskripten der beiden Schumanns, mit mehreren hundert Briefen – alles was hier als Schatz liegt, sollte dauerhaft öffentlich kommuniziert werden.

Braucht es nicht auch nach außen sichtbare Zeichen? Ein Transparent vielleicht?

Brenner-Wilczek: Die Idee muss erst einmal das Licht der Welt erblicken. Was sie ja jetzt tut. Aber natürlich, das soll keine verstaubte, sondern eine vitale Angelegenheit werden.

Es gibt Kritiker, die sagen, Schumanns Vertonung sei eigentlich ein Missverständnis der Heine-Lyrik. Hat er die Ironie nicht verstanden?

Brenner-Wilczek: Ich würde mit Jein antworten. Es liegt auch daran, was sich Schumann ausgesucht hat. Er war damals unglücklich in Clara Wieck verliebt, dass er da nicht den allzu ironischen Heine wählt, mag das eine sein. Er hat aber Heine, betrachten wir etwa die „Dichterliebe“, dahingehend sehr wohl verstanden, als dass er sie zyklisch aufgeführt hat. Und es war ihm wie Heine in seinen Werken wichtig, eine Geschichte zu erzählen.

Zum Schluss war das eher ein Nichtverhältnis zwischen den beiden.

Brenner-Wilczek: Das wird im zweiten Halbjahr stärker thematisiert. Auch die Reibungspunkte gehören natürlich dazu. Schumann hat dennoch sehr viel für die Heine-Rezeption bewirkt. Spätestens nach Schumann gehörte es zum guten Ton, Heine zu vertonen. Damit verdanken wir ihm bisher 10 000 Liedvertonungen von 2 500 Komponisten.

Die „Dichterliebe“ kann man aufführen, das ist geschehen. Wie möchten Sie das Miteinander noch zeigen?

Brenner-Wilczek: Wir schreiben einen Wettbewerb aus, der am 12. Dezember zur Heine-Nacht präsentiert wird. Die Robert-Schumann-Hochschule wird gebeten, mit ihren Klassen die „Dichterliebe“ und damit Vertonungen aus Heines „Buch der Lieder“ zu Gehör zu bringen. Vielleicht mit Rezitationen, vielleicht auch kammermusikalisch. Das Ganze wird aufgenommen und von der Bild- und Tonklasse in Videoclips verarbeitet. Uns geht es auch darum, eine Aktualität zu schaffen und die Preisgelder sind durchaus nennenswert. So inszenieren Künstler von heute den Dialog, und das Herz der Romantik und Revolution kann pulsieren.

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