Helge Schneider zelebriert in der Tonhalle mit „Cirque du Kautz“ die hohe Schule des Unsinns.

Helge Schneider war mit Band "Cirque du Kautz" und Programm "Wullewupp Kartoffelsupp" in der Tonhalle.
Helge Schneider war mit Band "Cirque du Kautz" und Programm "Wullewupp Kartoffelsupp" in der Tonhalle.

Helge Schneider war mit Band "Cirque du Kautz" und Programm "Wullewupp Kartoffelsupp" in der Tonhalle.

Gerhard Bartsch

Helge Schneider war mit Band "Cirque du Kautz" und Programm "Wullewupp Kartoffelsupp" in der Tonhalle.

Düsseldorf. Im hellgrauen Altherren-Anzug schlurft Helge Schneider gemächlich auf die Bühne der Tonhalle und nimmt den Jubel der rund 1700 Besucher freundlich winkend entgegen. Er freue sich über das "erfolgreiche Wetter" in Düsseldorf und dass er in der "Fledermaushöhle" zu Gast sein dürfe.

Unter dem zu weiten Zweireiher hält ein enger fies-grüner Pullunder ein ebenso fieses rosa Hemd im festen Griff, auf dem Kopf sitzt eine olle Schiebermütze. Dazu noch eine akustische Gitarre und eine Trompete in der Hand, mehr braucht ein Helge Schneider nicht, um als "Cirque du Kautz" unter dem Motto "Wullewupp Kartoffelsupp" einen fabelhaften Abend skurriller Lebensweisheiten abzuliefern. Und an Lebensweisheiten mangelt es dem 53-Jährigen ohne Frage nicht.

Davon könnte er derart viele Lebensentwürfe stricken, dass diese kaum in nur einer Vita unterzubringen sind. Folglich zeigt Helge Schneider sie auf der Bühne und gießt sie außerdem auch noch in seine Autobiographien. Jüngst erschien sein neues Buch "Bonbon aus Wurst - Mein Leben", eine weitere, korrigierte und erweiterte Lebensbeichte. In seinem Erstling "Guten Tach. Auf Wiedersehen" von 1992 habe er zwar schon seine Geschichte beschrieben, die aber "zum größten Teil auf erfundenen Lügenmärchen basierten".

Die Bandmitglieder sind laut Schneider "alle ausgelutschte Opas"

Das erste sinnfreie Desaster des Abends kündigt sich an, als Schneider seine fünfköpfige Band "The Drops" vorstellt. Der an Bongos und Saxofon sitzende Sergej Gleithmann wird in Anspielung auf seine wallende Haar- und Bartpracht als "Fuzzie aus dem Duisburger Zoo" angepriesen, der 1969 in der Wilhelma mit einem reizenden Gorilla-Weibchen Günter Netzer gezeugt habe.

Dass Gleithmann in einen hautengen schwarzen Gymnastikanzug mit rosa Socken und Ballerinas gekleidet ist, hilft dabei nicht, die Fassung zu wahren. Neben Pablo, dem neuen Teekoch, sind die britische Trommler-Legende Pete York (Schlagzeug), der Italiener Sandro Giampetro (Gitarre), der "dienstälteste Bassist der Welt" Rudi Olbrich (Bass) und Jochen Bosak (Klavier) die weiteren Mitglieder der Band. Allesamt "ausgelutschte Opas", wie Helge findet.

Er selbst sieht aus wie eine Mischung aus Oleg Popov und Heinz Rühmann, hat an diesem Abend ein ausgeprägtes Faible für das, was er vielleicht Tanz nennt, aber aussieht wie herrlich ungelenkes Zappeln. Er zelebriert seine Clownerie zu Liedern wie "Telefonmann", "Buttersong", "Trompeten von Mexiko" oder "Ich drück die Maus". Dann wieder mimt er einen nuschelnden Gitarrenvirtuosen, der sich in einen Haare schleudernden Flamenco-Schredder wandelt, lässt im Lied "Meisenmann" seine bejubelte Udo-Lindenberg-Stimme erklingen und albert über die Bühne wie ein Fünfjähriger.

Den Hit "Katzeklo" untermalt Gleithmann schließlich mit einer detailreichen Darbietung katzenhaften Bewegungsart, bevor Helge zur Zugabe ein kleinen Hund mit auf die Bühne bringt, dem Pete York "My Way" vorsingt. Kopfschüttelnde Bewunderung für so viel Irrsinn.

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