Irma Dohn, als Chefdramaturgin neu am Düsseldorfer Schauspiel, über den Blick auf die politische Wirklichkeit.

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Ein neues Gesicht in Düsseldorf: Irma Dohn wurde von Intendantin Amélie Niermeyer als Chefdramaturgin engagiert. Sie findet, dass ihr Beruf „eine wunderbare Tätigkeit“ ist.

Ein neues Gesicht in Düsseldorf: Irma Dohn wurde von Intendantin Amélie Niermeyer als Chefdramaturgin engagiert. Sie findet, dass ihr Beruf „eine wunderbare Tätigkeit“ ist.

Stefan Arend

Ein neues Gesicht in Düsseldorf: Irma Dohn wurde von Intendantin Amélie Niermeyer als Chefdramaturgin engagiert. Sie findet, dass ihr Beruf „eine wunderbare Tätigkeit“ ist.

Düsseldorf. Nachdem Joachim Klement als Intendant nach Braunschweig geht, hat Amélie Niermeyer für ihre letzten beiden Jahre in Düsseldorf Irma Dohn als Chefdramaturgin gewinnen können. Dohn war zuletzt in der Schauspielleitung des Staatstheaters Wiesbaden tätig. In Düsseldorf hat sie bereits Andreas Kriegenburgs "Kabale und Liebe"-Inszenierung betreut. Außerdem bereitete sie mit ihrem neuen Team die kommende Spielzeit am Schauspielhaus vor.

Frau Dohn, Ihr Vertrag ist auf zwei Jahre begrenzt. Was sind Ihre Ziele für diese Zeit?

Dohn: Ich sehe in der Begrenzung auch eine Chance, weil wir auf diese Weise nicht so stark unter Erfolgsdruck stehen. Wir können also in aller Freiheit Wagnisse eingehen. Das ist ein guter Neustart - gerade jetzt, wo uns in der überregionalen Presse auch ein neuer Aufwind bescheinigt wird.

Das Schauspielhaus stellt die kommende Spielzeit unter das Motto "Geld oder Leben" - das klingt, als wolle das Theater sich wieder stärker politisch orientieren.

Dohn: Ja, natürlich. Wir machen den Spielplan schließlich nicht im luftleeren Raum, sondern in der Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Realität. Unter dem Eindruck der Finanzkrise haben wir Stücke anders gelesen und auf ihre Aussagekraft zur heutigen Situation hin überprüft. Das Thema hat aber auch eine philosophische Dimension: Was bleibt uns in einer Welt, die ihren Sinn auf Geld gegründet hat, wenn das Geld verschwindet?

Welches ist Ihr liebstes Projekt in der nächsten Spielzeit?

Dohn: "Das Geld" - dieser Roman von Emile Zola ist eine Entdeckung. Er beschrieb 1891 die Mechanismen des Börsenkapitalismus. Der Roman liest sich fast wie ein Kommentar zur heutigen Finanzkrise. Sowohl John von Düffel, der das Buch dramatisiert hat, als auch Tina Lanik, die es inszenieren wird, sind begeistert von diesem aktuellen Stoff, der die gegenwärtige Situation aus einer gewissen Distanz reflektiert.

Was ist für Sie das Schönste am Dramaturgenberuf?

Dohn: Dass ich mit Menschen kommuniziere, mich aber auch zurückziehen kann zur Lektüre, zum Nachdenken und zum Schreiben. Und dass ich gerade als leitende Dramaturgin künstlerisch mitwirken kann, indem ich Menschen zusammenbringe für bestimmte Stücke: Regisseure, Schauspieler, Bühnenbildner. Das ist eine wunderbare Tätigkeit.

© WhatsBroadcast

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