Nicht immer fühlen sich die Besucher in den Museen gut informiert. Eine Analyse der WZ.

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Dirk Schewe von der Kunsthalle schaut durch ein Fernrohr, das den Zugang zur Kunst erleichtern soll.

Dirk Schewe von der Kunsthalle schaut durch ein Fernrohr, das den Zugang zur Kunst erleichtern soll.

Nanninga

Dirk Schewe von der Kunsthalle schaut durch ein Fernrohr, das den Zugang zur Kunst erleichtern soll.

Düsseldorf. Manfred Neuenhaus ist neu im "Kulturgewerbe", wie er es nennt. Er sitzt im Kulturausschuss und im Aufsichtsrat der Kunsthalle. Also beschloss er, die aktuelle Schau von Matts Leiderstam am Grabbeplatz zu besichtigen. Er verstand jedoch nichts. "Meine Güte, bin ich zu dumm dafür?", fragte er sich. "Die Macher möchten mir etwas auf den Weg geben. Aber woher soll ich wissen, was sie sich gedacht haben?" Seine SPD-Kollegin Walburga Benninghaus denkt ähnlich: "Ich fühle mich fremd." Die WZ ging der Sache nach. Sie wollte wissen, wie gut oder schlecht die Kulturinstitute ihre Besucher informieren.

Neuenhaus hatte Glück, und Cornelia Mohrs von der SPD ebenfalls. Beide Aufsichtsratsmitglieder ließen sich durch die Kunsthalle führen. Neuenhaus anschließend: "Der Kurator nahm mich an die Hand, er hat mich gerettet. Ich war plötzlich hellauf begeistert. Aber allein hätte ich nichts verstanden."

Annelies Böcker (CDU), schon lange Mitglied im Kulturausschuss, findet in den Einführungen im Kunstverein und in der Kunsthalle bislang wenig Hilfe für das eigene Verständnis. "Für jemanden, der sich nicht rund um Uhr mit Kunst beschäftigt, ist das viel zu intellektuell und schwer verständlich." Ein Galerist, der nicht genannt werden will, berichtet von der jüngsten Vernissage am Grabbeplatz, wo drei Redner auftraten und allesamt dasselbe sagten.

Infos von der Decke und Kataloge, die zu spät ausgeliefert werden

Toni Mörger (Grüne) hat auf unsere Frage hin, wie man die Vermittlung in den Kunsthäusern verbessern könnte, viele Vorschläge parat: "Man könnte informative Texte mit dem Lebenslauf der Künstler im Eingang aushängen oder auf die Wände schreiben. Die Kunstsammlung hatte vor dem Umbau einen Vortrags- und Videoraum, wo sich die Leute einführen lassen können."

Mörger hält nichts vom Zettelkram, mit dem der Kunstverein die Menschen klüger machen möchte. "Das ist so unattraktiv gedruckt, dass es keinen Spaß macht, das zu studieren." Mörger schlägt "gezielte Einführungen" wie in der Oper vor.

Nun gibt es die Möglichkeit, durch Kataloge die Leute zu informieren. Doch in der Kunsthalle, im Kunstverein und im KIT pflegt man die Druckerzeugnisse erst dann zu liefern, wenn die Ausstellung sich dem Ende nähert. Dann muss sich niemand wundern, wenn diese Info-Hilfen nicht mehr gekauft werden.

Selbst in dem für alle Trends offenen NRW-Forum hängen kaum Infos an den Wänden, wer der Fotograf Robert Mapplethorpe denn war. Werner Lippert und sein Team bieten dafür Audioguides an. Die wiederum gibt es nicht im museum kunst palast, wo die große Informel-Ausstellung die Besucher anlocken soll. Wer sich dort durch die ersten Räume hindurchgefragt hat, wird in der zweiten Etage belohnt. Dort hängen Infos zur Geschichte des Informel an der Wand.

Das Hetjens-Museum hat vor den großen Häusern die Nase vorn, denn bei Sonderschauen baumeln Fahnen von der Decke. Und in der Sammlung werden die Manufakturen kurz beschrieben.

Eines allerdings haben sie fast alle Häuser: Kurse für Kinder und Erwachsene. Damit wiederum kann das NRW-Forum nicht aufwarten.

© WhatsBroadcast

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