Mit Fünftklässlern studieren der Tänzer Ives Thuwis und die Theatermacherin Nora Vonder Mühll kleine Choreographien, Theaterszenen und Geschichten ein. Das übergeordnete Thema ist dabei immer das Gleiche: Es geht um Liebe.

Künstler Ives Thuwis mit den Schülern aus der fünften Klasse der Städtischen Realschule Friedrichstadt.
Künstler Ives Thuwis mit den Schülern aus der fünften Klasse der Städtischen Realschule Friedrichstadt.

Künstler Ives Thuwis mit den Schülern aus der fünften Klasse der Städtischen Realschule Friedrichstadt.

Melanie Zanin

Künstler Ives Thuwis mit den Schülern aus der fünften Klasse der Städtischen Realschule Friedrichstadt.

Düsseldorf. „Ich möchte, dass ihr jetzt richtig wütend guckt“, sagt Tänzer und Choreograf Ives Thuwis zu den drei Jungen aus der 5B der Realschule Friedrichstadt. Die haben ihre liebe Mühe, ihre Gesichtsausdrücke der Anweisung entsprechend zu verändern, und müssen immer wieder schmunzeln. Kein Wunder, schließlich gucken gerade alle ihre Klassenkameraden gespannt zu. „Wenn ihr euch konzentriert, das Gefühl rüberzubringen, nimmt man euch das auch ab“, sagt Ives Thuwis. Und dann klappt das mit dem wütend sein tatsächlich.

Die „Emotionsübung“ ist eine von vielen Einheiten, die der Belgier Ives Thuwis und die Theatermacherin Nora Vonder Mühll aus Zürich an zwei Vormittagen mit den Kindern der 5B durchgehen. Das übergeordnete Thema ist dabei immer das Gleiche: Es geht um Liebe. Kleine Choreographien, Theaterszenen und Geschichten werden einstudiert, zudem gibt es Rollenspiele.

Schüler formulieren ihre Vorstellung einer Liebesbeziehung

Dabei müssen die Schüler unter anderem so tun, als seien sie in jemanden aus ihrer Klasse verliebt. „Die anderen müssen dann erraten, wer in wen verliebt ist. Als wir die Aufgabe gestellt haben, gab es erstmal minutenlanges Gelächter“, erzählt Nora Vonder Mühll. Liebe sei nun mal ein Thema, dass auch bei Fünftklässlern durchaus von Bedeutung ist – „aber darüber reden will man dann doch nicht, zumindest nicht vor den anderen“.

In Einzelinterviews, zu denen die Schüler in ein separates Zimmer geführt werden, sind die meisten sehr viel offener. Im Interview mit zwei Studentinnen sollen sie unter anderem erzählen, wie sie sich eine spätere Liebesbeziehung vorstellen und was ihnen dann besonders wichtig wäre. „Kein Streit und keine Lügen“, sagt eine Schülerin. „Ich möchte mit einem Jungen zusammen sein, der ehrlich und treu ist“. Heiraten möchte sie auf jeden Fall – und verliebt sei sie auch schon mal gewesen. „Das war ein tolles Gefühl zunächst, aber auch sehr traurig, weil der Junge nicht dasselbe für mich gefühlt hat.“

Die zweitägigen Workshops an der Realschule Friedrichstadt sowie am Cecilien-Gymnasium sind Teil des Projekts „Let’s talk about Love now“. Ives Thuwis und Nora Vonder Mühll recherchieren in Lichtenstein, Zürich und Düsseldorf, welche Sicht Kinder und Erwachsene auf das universelle Thema Liebe haben. Neben den Schulworkshops und der Zusammenarbeit mit lokalen Künstlern führen die beiden auch Interviews mit Erwachsenen. „Dafür stecken wir Frauen und Männer in ein Brautkleid und stellen ihnen Fragen zum Thema Liebe“, erzählt Ives Thuwis.

„Sobald die Befragten das Kleid tragen, löst es etwas in ihnen aus“, ergänzt Nora Vonder Mühll. „Wir waren positiv überrascht, wie offen die Leute erzählt haben.“ 25 Düsseldorfer haben sich für die Brautkleid-Interviews gemeldet. Ausschnitte daraus sind zusammen mit den Ergebnissen aus den Schulworkshops und der Arbeit mit den lokalen Künstlern im Rahmen einer rund einstündigen dokumentarischen Performance am Freitag, 18 Uhr, im FFT Juta, Kasernenstraße 6, zu sehen (Eintritt frei). In der Spielzeit 2018/2019 sollen die Ergebnisse des Rechercheprozesses in eine Theaterproduktion fürs junge Publikum einfließen.

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