Die Bezirksvertretung 9 diskutiert auf Antrag der SPD über die Rückverlegung des Himmelgeister Deiches. Auch CDU und Grüne sind dafür.

Bezirksvertretung 9 diskutiert auf Antrag der SPD über Rückverlegung des Deiches. Auch CDU und Grüne sind dafür.
Den Plänen nach soll der Deich in Himmelgeist an gleicher Stelle und höher gebaut werden.

Den Plänen nach soll der Deich in Himmelgeist an gleicher Stelle und höher gebaut werden.

Wilfried Meyer

Den Plänen nach soll der Deich in Himmelgeist an gleicher Stelle und höher gebaut werden.

Düsseldorf. Die SPD will die umstrittenen Sanierungspläne für den Himmelgeister Deich zum Thema in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung 9 (u.a. Himmelgeist, Holthausen, Itter) am 26. Januar machen. In einem Antrag fordert Udo Skalnik, stellvertretender Bezirksbürgermeister und SPD-Fraktionsmitglied, dass die Verwaltung eine Rückverlegung des Deiches noch einmal prüfen soll. Die Grünen und die CDU signalisierten gegenüber der WZ ihre Zustimmung.

Damit bekommt der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) weitere Unterstützung für seine Kritik an den Bauplänen des Stadtentwässerungsbetriebes (die WZ berichtete). Die sehen vor, dass der marode Himmelgeister Deich abgetragen und an der selben Stelle neu errichtet wird, dann entsprechend höher. Verworfen wurde hingegen eine ökologisch sinnvolle Rückverlegung des Deiches hinter die Kleingartenanlage im Rheinbogen. So wäre eine kleine Aue geschaffen worden.

Bezirksvertretung 9 diskutiert auf Antrag der SPD über Rückverlegung des Deiches. Auch CDU und Grüne sind dafür.
Foto: Jürgen Retzlaff

Die letzte große Hochwasserwelle hatte die Himmelgeister in den Jahren 1996/97 heimgesucht. Damals mussten sie ihre Häuser mit Sandsäcken sichern.

Der alte Deich wäre nur an einzelnen Stellen durchbrochen worden und hätte weitestgehend erhalten werden können – und mit ihm auch die wertvollen Trockenrasenflächen sowie seltene Wildbienen-Populationen, die in Düsseldorf nur auf dem Deich vorkommen. Auch die Auswirkungen der Baumaßnahme auf den ökologischen Zustand des Rheins seien nicht ausreichend geprüft worden, kritisiert der BUND.

Früherer Umweltminister hatte Standort des Deiches vorgegeben

Grund dafür, dass die Pläne verworfen wurden, ist eine Weisung des ehemaligen NRW-Umweltministers Eckhard Uhlenberg (CDU), der die Stadt 2005 aufgefordert hatte, die Sanierung am bestehenden Standort zu planen. Nach WZ-Informationen existiert ein Vertrag aus dem Jahr 1975 zwischen der Stadt und dem Eigentümer der Flächen, der hohe Summen von mehr als 18 Millionen Euro für den Kauf der Flächen hinter dem Deich vorsieht, die für eine Rückverlegung gebraucht würden. Zudem wird spekuliert, dass die Flächen hinter dem Deich als Baugrundstücke vorgesehen sein könnten und eine Rückverlegung deswegen nicht weiter verfolgt worden ist.

Udo Skalnik von der SPD schließt sich der Kritik des BUND in vielen Punkten an: „Wir brauchen im Rheinbogen Auenflächen für den Rhein, zum Schutz der Siedlungen in Itter und Himmelgeist. Die vorgesehene Planung ist schlicht unbefriedigend.“ Das aktuelle Hochwasser zeige, dass Hochwasserschutz langfristiger und nachhaltiger geplant werden müsse. „Eine Rückverlegung könnte extreme Hochwasser vielleicht entschärfen.“ Auch er sorgt sich um die Wildbienen auf dem Deich: „Auch aus Rücksicht auf den Artenschutz sollte die Rückverlegung des Deiches als Lösung bevorzugt werden.“ Er fordert, dass umgeplant wird und die Chancen auf eine ökologische Lösung, die der Rheinbogen biete, genutzt werden.

Auch Dirk Angerhausen, Fraktionsvorsitzender der CDU im Bezirk 9, unterstützt die Kritik: „Ich denke, dass wir den Antrag unterstützen werden“, sagt er. „Wichtig ist nur, dass die dringend notwendige Sanierung des Deiches nicht weiter verzögert wird.“ Seit mehr als einem Jahrzehnt wird an dem Projekt geplant, der Stadtentwässerungsbetrieb hat jetzt die Bezirksregierung um grünes Licht für das umstrittene Projekt gebeten. Im Jahr 2020 soll mit dem Bau begonnen werden.

Die Grünen haben Akteneinsicht beim OB beantragt

Auch die Grünen in der Bezirksvertretung begrüßen den Antrag der SPD. „Ob wir damit etwas erreichen werden, ist offen, aber wir sollten dieses Signal setzen“, sagt Ernst Welski, Mitglied der grünen Fraktion im Rathaus Benrath: „Die Kritik des BUND ist gerechtfertigt und muss aufgegriffen werden.“ Die Ratsfraktion der Grünen hat zu dem Thema eine Anfrage im Umweltausschuss gestellt.

Iris Bellstedt, umweltpolitische Sprecherin der Fraktion, hat zudem Akteneinsicht beim Oberbürgermeister beantragt, um den Vertrag zwischen Stadt und Grundstückseigentümer einzusehen, zu dem sich die Stadt bislang nicht äußern wollte. Die Grünen wollen prüfen lassen, inwieweit der besagte Vertrag überhaupt rechtssicher ist. Der BUND will eine Klage prüfen, wenn die Bezirksregierung grünes Licht für die Baupläne in bisheriger Form geben sollte.

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