Nach dem tödlichen Unfall: Viele Anwohner finden den Platz unübersichtlich, die Polizei lobt ihn.

Düsseldorf. Nach dem tödlichen Unfall am Stresemannplatz treffen bei WZ mobil sehr gegensätzliche Einschätzungen aufeinander: Während die Verantwortlichen die Gestaltung des Platzes grundsätzlich loben und den Unfall für einen bedauerlichen Einzelfall halten, kommt von Anwohnern viel Kritik.

"Ich habe wegen der Verkehrssituation schon oft die Ordnungshüter angesprochen", sagt Sylvia Hurstjes, die in der Nähe des Platzes arbeitet. Sie schlägt vor, einen Rotlichtblitzer aufzustellen: "Niemand hält sich hier an die roten Ampeln, auch viele Autos fahren schnell noch bei Rot und gefährden so die Fußgänger."

Die meisten Anwohner stört vor allem die Unübersichtlichkeit, die durch die hoch wachsende Bepflanzung verursacht wird. "Deswegen ist der Übergang über die Schienen insbesondere für Kinder und kleinere Menschen so gefährlich", findet Ioannis Efkhimjadis und meint die Stelle, an welcher der Radfahrer von der Straßenbahn erfasst wurde. Auch Verkehrspsychologe Kai Lenßen bezeichnet den Platz als unübersichtlich und verwirrend und kritisiert ebenfalls die Bepflanzung mit hohem Gras und Palmen.

Inzwischen wurden hier einige Gräser und drei Palmen entfernt. Damit ist Polizeisprecher Günter Hering zufrieden: "Das Grün verdeckt den Blick auf andere Ablenkungen und hat eher einen Führungseffekt durch den Platz."

Ilse Berzins findet, dass die Verkehrsführung auch für Autofahrer eine Zumutung ist. "Wenn ich von der Mintropstraße in die Graf-Adolf-Straße abbiegen will, ist das Einfädeln eine Katastrophe." Sie wünscht sich eine bessere Beschilderung.

Monika H. und Ursula B. stören sich auch an den Autoreifen, die unökologisch seien. "Außerdem ist das hier eine Stadt und nicht der Strand von Mallorca", sagen sie. Die Stadt müsse auf Sicherheit bauen, nicht auf Schönheit. Elena Hildebrandt findet die Yuccas zwar schön, die Lage insgesamt aber sehr heikel. "Man sollte die Fahrbahn besser kennzeichnen und größere Schilder aufstellen", fordert sie. "Vor allem im Dunkeln kommt man hier als Autofahrer echt ins Trudeln."

Günter Hering: "Seit dem Umbau haben wir deutlich weniger Unfälle am Stresemannplatz." Auch CDU-Verkehrspolitiker Andreas Hartnigk sieht wenig Grund zum Handeln: "Wir können nicht ständig den Platz neu gestalten."

Peter Koldehoff hat von seinem Mercure-Hotel einen direkten Blick auf den Unfallort. Er kritisiert den Überweg als zu schmal und gefährlich. "Man müsste den Übergang über die Gleise zusätzlich mit einem Umlaufgitter oder einer Ampel schützen."

Davon hält die Rheinbahn nichts. Sprecher Georg Schumacher: "Die Regelung ist eindeutig, dass die Straßenbahn Vorfahrt hat." Auch Bezirksvorsteherin Sabine Schmidt ist gegen "blinden Aktionismus". Sie setzt eher auf die Verkehrserziehung von Jugendlichen - und gezielte Kontrollen erwachsener Verkehrssünder.

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