Zwei Opfer wurden von der Polizei befreit. Sie mussten für den „Boss“ stehlen und betrügen. Der sitzt nun in Haft.

Mit diesem Schreiben mussten die Jugendlichen Spenden einsammeln.
Mit diesem Schreiben mussten die Jugendlichen Spenden einsammeln.

Mit diesem Schreiben mussten die Jugendlichen Spenden einsammeln.

Bernd Schaller

Mit diesem Schreiben mussten die Jugendlichen Spenden einsammeln.

Düsseldorf. Betrug, Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Nötigung: Quer durch das Strafregister gehen die Vorwürfe gegen Emre S. Monatelang hatte das Jugendkommissariat der Polizei gegen den 16-Jährigen ermittelt.

Das war schwierig, denn Emre S. macht sich nicht die Finger schmutzig. Stattdessen zwang er Kinder und Jugendliche dazu, für ihn Straftaten zu begehen. Zwei sperrte er sogar wochenlang auf dem Dachboden ein.

Ein Junge in Flingern traute sich vor Angst nicht aus dem Haus

Bereits seit Anfang des Jahres hatten die Beamten des Jugendkomissariates Emre S. im Visier. Eltern aus dem Raum Flingern hatten sich gemeldet, weil ihr Sohn sich nicht mehr aus dem Haus traute. Auch von Schulen und anderen Zeugen kamen Hinweise auf eine Jugendbande.

Als dann auch noch Anzeigen wegen einer dubiosen Spendensammlung eingingen, in der Emre S. ebenfalls eine Rolle spielte, ordnete die Staatsanwaltschaft eine Hausdurchsuchung an. In einem verschlossenen Speicherzimmer entdeckte die Polizei zwei Jungen (13 und 15 Jahre), die dort inmitten von Müll und ohne Toilette hausten.

Es stellte sich heraus, dass die beiden aus einem Heim abgehauen waren. Wie andere Kinder auch hatte Emre S. sie angesprochen und sich zunächst als Gönner gezeigt. Er lud sie zum Essen ein und die Jungen durften auf dem Dachboden übernachten.

Die Eltern hatten die Kontrolle über den Jungen völlig verloren. Es läuft ein weiteres Verfahren wegen Körperverletzung, weil er seine Mutter misshandelt haben soll. Die Schule brach Emre S. vor zwei Jahren ab.

Doch bald forderte der 16-Jährige Gegenleistungen. Die Jugendlichen reisten mit der Bahn in mindestens 14 Städte, darunter Hamburg, Osnabrück und Wuppertal, um bei Geschäftsleuten Spenden für den angeblichen Sponsorenlauf einer Düsseldorfer Realschule zu sammeln.

Nutznießer sollte eine Partnerschule in Argentinien sein, die überhaupt nicht existierte. Mehr als 1000 Euro kamen dabei zusammen.

Aber die Realschule gibt es wirklich. Und dort hat Emre S. bis vor zwei Jahren die Schulbank gedrückt. Da der Jugendliche im Juni einmal selbst Spenden gesammelt hatte und in einem Modellbau-Geschäft an der Friedrichstraße von einer Kamera aufgezeichnet wurde, konnte er identifiziert werden.

Wie Gerd Fuselbach, der Leiter des Jugendkommissariates erklärte, habe Emre S. Kinder und Jugendliche massiv unter Druck gesetzt, damit sie Diebstähle oder Raubüberfälle für ihn ausführten.

Auch mit Schlägen und Tritten: "Wenn das nicht reichte, hatte er einen Schraubenzieher dabei. Er drohte einem Jugendlichen, ihm damit die Augen auszustechen."

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