Die meisten Fluggäste haben Verständnis für die Kontrollen.

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Ankunftsebene, Zollkontrolle: Abteilungsleiter Brond-Hendrick Böttcher (m.) übernimmt die Sicherung für den Beamten an der Box.

Ankunftsebene, Zollkontrolle: Abteilungsleiter Brond-Hendrick Böttcher (m.) übernimmt die Sicherung für den Beamten an der Box.

Judith Michaelis

Ankunftsebene, Zollkontrolle: Abteilungsleiter Brond-Hendrick Böttcher (m.) übernimmt die Sicherung für den Beamten an der Box.

Düsseldorf. Nach langem Flug, Umstiegen, womöglich Verspätungen noch den Koffer öffnen und einem Uniformierten Rede und Antwort stehen – das sehen wohl viele Reisende als ausgesucht lästig an. „Die kontrollieren immer nur mich“ könne aber kaum stimmen, sagt der Leiter der Zollkontrollen am Flughafen, Brond-Hendrick Böttcher. Ohnehin seien bei 10 Millionen ankommenden Fluggästen jährlich nur Stichproben möglich, sonst würde der Verkehr zusammenbrechen.

140 Zollbeamte befassen sich im Schichtbetrieb mit Einfuhr jeglicher Art, wie Zigaretten, Gold und sogar mit dreisten Produktfälschungen. Der Zoll kontrolliert Waren, nicht Personen. Aber dafür schaut jeder einzelne Beamte mehr als 70.000 Mal pro Jahr Reisenden ins Gesicht und wenigstens von Außen aufs Gepäck. „Es ist eine Frage des Bauchgefühls“, erläutert Böttcher. Wer geht zu zögerlich auf den Ausgang zu oder eben doch ein bisschen zu forsch? Manchmal würden seine Beamten auch gezielt Leute an eine Kontrollbox bitten, obwohl sie keinen Verdacht hätten – um nicht in eine falsche Routine zu geraten.

30 Beschwerden pro Jahr bearbeitet der Abteilungsleiter

Rund 30 Mal pro Jahr landen Beschwerden von Fluggästen auf Böttchers Tisch: „Da gibt es den Arzt, der sich beklagt, dass er seine Hemden auf eine Theke legen sollte, ohne dass die desinfiziert worden ist.“ Einigen wären die Fragen zu indiskret. Dabei stelle der Zoll sich ja gern ein, sagt Böttcher: „Wenn jemand seinen Koffer absolut nicht in der Nähe anderer Reisender öffnen will, dann finden wir einen Weg.“

Für die Beamten ist die Kontrolle größtenteils Handarbeit. Nur ein Röntgengerät gibt es für die Koffer. Darauf könne man zum Beispiel verbotene Schlagringe hervorragend erkennen, sagt Böttcher. In manchen Ferienorten werde sowas wohl als Souvenir verkauft.

Die Möglichkeiten, etwas falsch zu machen, sind für die Reisenden vielseitig: „Ein Jahresvorrat Antibabypillen ist bei einem männlichen Geschäftsreisenden kein persönlicher Bedarf“, sagt Böttcher. Käse vom elterlichen Bauernhof darf nicht mit – wegen der Gefahr von Tierseuchen. Und Skurriles gibt es auch: Ein Passagier habe aus Thailand Fuß- und Fingernagelabschnitte fremder Menschen mitgebracht, sagt ein Mitarbeiter. Die seien angeblich zum Kauen gewesen. Damit waren sie übrigens zollfrei.

Am besten erkundige man sich vor der Reise, was man mitbringen dürfe, rät Böttcher. Und wer ganz unsicher sei, der könne die Beamten von sich aus fragen. Dann kann man sich allerdings kaum beschweren, wenn man noch den Koffen öffnen muss.

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