Testkauf: Kinder einer achten Klasse in Gerresheim konnten ohne besondere Probleme harten Alkohol kaufen.

Düsseldorf. Urs Klaaßen traut seinen Ohren nicht. Sein 14-jähriger Sohn Finn, Schüler des Gymnasiums Gerresheim, hat nach einem nur zweiminütigen Überzeugungsgespräch 20-prozentige Fruchtspirituosen in einem Gerresheimer Kiosk erworben. "Das ist heftig", sagt der Vater, der zugleich Schulpflegschaftsvorsitzender des Gymnasiums ist. "Damit habe ich nicht gerechnet."

Politiklehrer Mike Weyrauch und die Schüler aus der 8d sind auf die Idee gekommen, zu überprüfen, wie ernst es den Erwachsenen mit dem Jugendschutz ist. "Wir haben durchgenommen, was Jugendliche dürfen und was nicht", sagt Weyrauch. "Da liegt die Frage des Alkoholkonsums nahe." Der Lehrer holte sich die Einverständniserklärung der Eltern und das Experiment konnte beginnen.

"Für Schnaps seid ihr noch zu jung. Nehmt doch lieber Bier."

Verkäufer im Supermarkt

In Gruppen ziehen die Schüler am 11.Februar los und fragen in Gerresheimer Kiosken, Supermärkten und Tankstellen nach Bier, Alkopops und auch harten Spirituosen. Das Geld haben die Eltern vorgestreckt. Der Erfolg, den die 13- bis 15-Jährigen bei ihrer Aktion erzielen, schockiert Lehrer, Eltern, aber auch die Kinder. Fabienne Sowinski kann kaum glauben, wie leichtfertig man ihr als 13-Jähriger in einer Tankstelle Biermixgetränke und Sekt aushändigt. "Der Mann hat nur nachgeschaut, wie viel Alkohol die Getränke enthalten", sagt Fabienne. Sie muss weder ihr Alter nennen noch einen Ausweis vorzeigen.

Eine andere Gruppe schickt Daniel Schwarz vor. Der Schüler ist 15, wirkt wie 17, bekommt jedoch Alkohol, der erst ab 18konsumiert werden darf. In einem Kiosk fragt er nach Fruchtspirituosen. "Die wollte man uns nicht geben, stattdessen wurde uns Wodka angeboten." Daniel entscheidet sich für eine 0,1-Liter-Flasche - der Alkoholgehalt der Spirituose liegt bei 37,5Prozent.

Nach ihrem Ausweis werden die Schüler nur ganz selten gefragt

Die Missachtung des Jugendschutzes erleben die Schüler nicht nur in Gerresheimer Kiosken. Auch in der Filiale einer großen Supermarktkette interessiert sich niemand für einen Ausweis. "Der Verkäufer hat zu uns gesagt: Für Schnaps seid ihr zu jung, nehmt doch lieber Bier", sagt Finn Klaaßen.

Nirgends bekommen die Kinder eine Quittung. Im Supermarkt wirft der Kassierer den Bon sofort weg. In einem Büdchen glauben die Schüler, zu viel gezahlt zu haben. "Wir wollten ein Six-Pack kaufen, das aber nicht ausgezeichnet war", sagt Fabienne. Als sie nach dem Preis fragt, lautet die Antwort: "Mit sieben Euro bin ich zufrieden."

Nahezu überall haben die Schüler leichtes Spiel. Nur wenn sie an Frauen geraten, beißen sie auf Granit. In einem Imbiss fragen sie nach Ouzo. Die Mitarbeiterin will jedoch vorher den Ausweis sehen. "Weil wir den nicht vorlegen konnten, haben wir auch nichts bekommen", sagt Marvin Flamme.

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